VG-Wort Pixel

Fluchtrouten über Belarus Dieser Mann schmuggelt Menschen nach Europa: "Binnen drei Tagen sind sie in Deutschland"

Sehen Sie im Video: Dieser Mann holt Iraker nach Europa – "Binnen drei Tagen sind sie in Deutschland".




Menschen wie er organisieren Fluchtrouten aus dem Irak über Belarus in die EU-Länder Litauen und Lettland - erst legal mit Linienflügen von Bagdad über Istanbul nach Minsk und dann auf illegalen und teils tödlichen Landwegen. Der Mann aus Schiladse, einem Ort im Nordosten Iraks, will anonym bleiben. Doch erzählt er aus dem Alltag sogenannter Schmuggler. "Letztens gab es einen, der hatte zwei oder drei Personen verloren auf dem Weg. Wenn das passiert, bist du sehr aufgebracht. Aber das ist nun mal ihr Leben und ihr Ziel, was sollen die Migranten denn machen? Sie wollen weg und das ist auch besser für sie." Seitdem Belarus nach Ansicht der EU und vieler Menschenrechtsorganisationen Personen im Irak ermutigt, zu kommen, kriegt der Mann immer mehr Aufträge. Iraker könnten problemlos Touristenvisa erhalten. Dies sei der Unterschied, sagt er. Bei seinem letzten Auftrag habe er die Reise für rund 200 Menschen bis nach Lettland oder Litauen organisiert, erzählt er. "Ich war gerade in Istanbul, als die Route nach Belarus für offen erklärt wurde. Bulgarien hat seine Grenzen komplett abgeriegelt. Es gab so einen Typen, der zwölf Tage zu Fuß unterwegs war und nur mit seiner Hose bekleidet wiederkam. In Griechenland sei es noch schlimmer gewesen, da haben sie ihn ins Gefängnis gesteckt. Alle Schmuggler haben dann den Weg über Belarus gesucht. Es ist so viel einfacher. Binnen drei Tagen sind sie in Deutschland." Auch wenn die ganze Welt eine Armee an den Grenzen formieren würde, sagt er, würde es immer noch Fluchtrouten geben. Schiladse, eine Stadt mit rund 40.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, liegt in der kurdischen Region des Irak. Doch niedrige Löhne und geopolitische Spannungen zwischen dem türkischen Militär und kurdischen sozialistischen PKK-Kämpfern treiben Menschen seit langsam dazu, im Westen Zuflucht zu suchen. Halkaft Mohammed ist der Vater eines Geflüchteten. "Wir haben keine andere Wahl. Wir sind besorgt um unsere Jugend, unsere Dörfer werden belagert. Im Moment habe ich kein Geld. Wenn ich Geld hätte, würde ich mit all meinen Kindern gehen, denn wir haben große Angst. Die Türken schlagen von der einen Seite zu und die PKK von der anderen, sie kontrollieren unsere Dörfer." Ibrahim Mahmoud Ibrahim ist Mitglied der Peshmerga, die Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak. Er überlegt auch auszureisen. "Über diese Frage habe ich letztens schon einmal nachgedacht. Was auch immer mit uns geschieht, ist egal. Das Einzige, was zählt, sind meine Eltern. Wenn sie nicht deprimiert sind, dass wir weggehen, werden wir gehen. Wenn wir sterben, egal was, wenn sie uns schlagen, wenn sie uns ins Gefängnis stecken, werden wir gehen. Wir wollen nur weg von hier." Die Reisen kosten bis zu 12.000 US-Dollar. Der 27-jährige Ibrahim verdient umgerechnet nur 400 Dollar im Monat. Um ihren Kindern die risikoreiche Reise zu ermöglichen, verkaufen viele Eltern ihr Eigenheim oder ihr Auto. Die EU setzt auf Sanktionen gegen Belarus und Verstärkungen an den Grenzen, um den beliebten Fluchtrouten ein Ende zu setzen. Belarus wird vorgeworfen, gezielt Migranten etwa aus Irak einzufliegen, um sie dann über die Grenze zu Litauen und auch Polen in die EU abzuschieben. Hintergrund ist offenbar, dass die beiden EU-Staaten Oppositionelle aus Belarus aufgenommen haben.
Mehr
Ein "Menschenschmuggler" spricht anonym über das, was er erlebt hat. In letzter Zeit bekommt er immer mehr Aufträge. Erst geht es legal per Linienflug, dann illegal auf teils tödlichen Landwegen.

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker