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Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa: Behörden befürchten mehr als 300 Tote nach Bootsunglück

Mehr als 300 Menschen werden nach einem Bootsunglück auf dem Mittelmeer vermisst, lediglich neun konnten gerettet werden. Die Flüchtlinge hatten versucht, mit Schlauchbooten Lampedusa zu erreichen.

Nur neun von über 200 Flüchtlingen konnten nach einem Bootsunglück im Mittelmeer lebend gerettet werden

Nur neun von über 200 Flüchtlingen konnten nach einem Bootsunglück im Mittelmeer lebend gerettet werden

Bei dem jüngsten Flüchtlingsdrama vor Lampedusa wird mittlerweile befürchtet, dass etwa 300 Menschen ihr Leben verloren haben. Eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UN-Flüchtlingswerkes UNHCR sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass drei Schlauchboote mit jeweils etwa 100 Personen an Bord von Libyen aus versucht hatten nach Italien zu fahren. "Von diesen überlebten nur neun", erklärte UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami. Es sei eine "schreckliche und enorme Tragödie".

Die Geretteten sprechen Französisch und stammen vermutlich aus Westafrika. Nach Informationen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starteten sie am Samstag an der libyschen Küste mit zwei Schlauchbooten. Auf jedes der Boote hätten sich mehr als hundert Flüchtlinge gezwängt, vermutlich am Montag seien sie dann gekentert.

Die italienische Küstenwache habe ein viertes Boot mit 105 Menschen an Bord aufgegriffen, das am Sonntag gemeinsam mit den vermissten Booten in See gestochen sei. Zu dieser Zeit habe es sehr hohen Wellengang gegeben und die Temperaturen hätten nur knapp über dem Gefrierpunkt gelegen. Auf dem geretteten Boot seien 29 Menschen an Unterkühlung gestorben.

Die süditalienische Insel Lampedusa ist nach zwei Schiffsunglücken mit mehr als 350 Toten im Oktober 2013 zum Sinnbild für Flüchtlingskatastrophen auf dem Mittelmeer geworden. Danach hatte Italien die Rettungsmission "Mare Nostrum" ins Leben gerufen, die in den folgenden Monaten Tausende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer in Sicherheit brachte. Diese wurde vergangenes Jahr von der EU-Grenzschutzmission "Triton" abgelöst. Das UN-Flüchtlingshilfswerk kritisierte das Programm erneut als unzureichend.

Mehr als 4200 Tote im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr flohen nach UNHCR-Angaben mindestens 384.000 Menschen in zum Teil seeuntüchtigen Booten aus ihren Heimatländern. Die italienische Marine rettete mehr als 100.000 Flüchtlinge aus Afrika oder dem Nahen Osten. Über 4200 Bootsflüchtlinge haben demnach die Überfahrt in überladenen und seeuntauglichen Schiffen nicht überlebt. Mehr als 200.000 Menschen hätten über das Mittelmeer EU-Staaten erreicht. Das seien dreimal so viele wie im Jahr 2011, als die Zahl während des libyschen Bürgerkriegs auf 70.000 hochgeschnellt war.

ono/DPA/AFP/Reuters/DPA/Reuters

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