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Flugzeugunglücke: Frankreich erteilt Flugverbote

Nach der jüngsten Häufung von Flugzeugunglücken hat die französische Flugaufsichtsbehörde reagiert: sie veröffentlichte eine "schwarze Liste" an Fluggesellschaften, die in Frankreich weder starten noch landen dürfen.

Frankreich hat nach der jüngsten Häufung von Flugzeugunfällen eine Liste mit verbotenen Fluggesellschaften veröffentlicht. Air Koryo aus Nordkorea, die amerikanische Air Saint- Thomas, International Air Service aus Liberia und Lineas AER aus Mosambik sowie Phuket Airlines aus Thailand seien von dem Start- und Landeverbot betroffen, hieß es auf der Internetseite der zivilen französischen Luftfahrtbehörde DGAC. Die meisten dieser Verbote wurden im vergangenen Jahr ausgesprochen. Das Verbot für Air Koryo geht auf April 2001 zurück. Von der "schwarzen Liste" gestrichen werde eine Fluggesellschaft "sobald sie die technischen Verbesserungen eingeführt hat, um Wartung und Betrieb der Maschinen an internationale Standards anzupassen", hieß es. In ersten Medienkommentaren wurde "Enttäuschung" geäußert. Angesichts der Fülle unsicherer Fluggesellschaften sei diese kurze Liste "ein Tropfen im Ozean", hieß es im französischen Rundfunksender Europe 1.

Mindestens 100 Airlines weltweit erfüllen nach Einschätzung eines französischen Verkehrspolitikers nicht immer die Sicherheitsstandards. Der Abgeordnete François-Michel Gonnot sagte der Zeitung "Le Parisien" am Samstag, dabei handele sich oft um kleine Fluggesellschaften mit nur wenigen Maschinen oder Charterunternehmen, die sich "mehr mit Geldverdienen beschäftigen als mit der Luftfahrt". Solche Probleme gebe es in etwa 40 Ländern, davon drei in Europa: Portugal, Zypern und Ungarn. Gonnot ist Berichterstatter einer Kommission der Nationalversammlung zur Sicherheit im Luftverkehr. Der UMP-Abgeordnete warnte zudem vor veralteten Flugzeugen. Er riet davon ab, in Antonow- oder Iljuschin-Maschinen zu steigen. Auch für McDonnell-Douglas-Jets werde es schwierig, die für eine regelmäßige Wartung notwendigen Ersatzteile zu finden.

Keine Starterlaubnis für ein Flugzeug mit gravierenden Mängeln

Wegen technischer Mängel haben die französischen Behörden einem türkischen Passagierflugzeug am Wochenende die Starterlaubnis versagt. Bei der Inspektion eines Airbus A300-B4 der Fluggesellschaft Fly Air auf dem Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle wurden ein Treibstoffleck und Reifenprobleme festgestellt, wie ein Sprecher der zivilen Luftfahrtbehörde am Sonntag mitteilte. Der Airbus sollte am Samstag mit 160 Passagieren nach Antalya fliegen. Auch nach einer zweiten Inspektion am Sonntag durfte der Jet nicht starten. Es wurde den Angaben zufolge eine kleine undichte Stelle auf der linken Seite des Flugzeugs festgestellt, zudem waren zwei Räder mit nicht passenden Reifen bestückt.

Der türkische Reiseveranstalter Mediades wollte den Passagieren eine Rückerstattung anbieten, wie die Flughafengesellschaft Aéroports de Paris erklärte. Ein Airbus A300 der Fly Air machte in diesem Monat auf dem Flug von Istanbul nach Brüssel eine außerplanmäßige Landung in Budapest, nachdem ein Instrument einen Triebwerksschaden angezeigt hatte. Fly Air wurde 2002 gegründet und befördert nach eigenen Angaben mit elf Maschinen der Typen Airbus A300, Boeing 737-300 und MD-83 rund 1,5 Millionen Passagiere jährlich. Auf der Website des Unternehmens heißt es: "Mit dem Slogan 'Ihre Adresse in der Luft' ist das Hauptziel der Fly Air seinen Gästen eine immer besser werdende Qualität bei den Serviceleistungen zu bieten, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und einen komfortablen und sicheren Flug zu gewährleisten, so dass sich der Fluggast auch zwischen den Wolken wie Zuhause fühlt." Die Airline fliegt nach eigenen Angaben auch Deutschland an.

Die Europäische Union (EU) will ebenfalls bis Jahresende eine Liste europaweit verbotener Fluggesellschaften herausgeben. Die Vorschläge werden zurzeit im EU-Ministerrat und im Europaparlament besprochen, ein Datum für die Einführung steht aber noch nicht fest. Im "schwarzen Monat August" hat es bislang fünf schwere Flugzeugunglücke mit mehr als 330 Todesopfern gegeben.

DPA/AP / AP / DPA