HOME

Hochwasser: Das Wasser steigt nicht mehr

Bei 7,59 Meter stagnierte der Pegel im niedersächsischen Hitzacker, geringfügig unter dem bisherigen Höchststand von Sonntag. Der Scheitel ist offenbar erreicht. Bundeskanzlerin Merkel sagte den Flutopfern derweil Hilfen zu.

Die vom Rekord-Hochwasser der Elbe betroffenen Menschen hoffen auf ein Ende der Flut: In vielen Teilen Niedersachsens soll das Hochwasser am Montag seinen Höhepunkt erreichen, im schleswig-holsteinischen Lauenburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) werden die Höchststände für Dienstag erwartet. Tausende Helfer sind rund um die Uhr damit beschäftigt, Deiche zu sichern. Vielerorts gilt nach wie vor Katastrophenalarm.

Der Wasserstand stagnierte in Hitzacker bei 7,59 und damit geringfügig unter dem bisherigen Höchststand von Sonntag. "Der Scheitel ist da, die Welle läuft jetzt durch", sagte Ingo Peter vom Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirtschaft am frühen Morgen. Am Sonntag war ein Pegelstand von 7,63 Meter gemessen worden - das waren 13 Zentimeter mehr als bei der Jahrhundertflut 2002. Die historische Altstadt ist vollständig überflutet, die meisten Bewohner haben ihre Häuser verlassen und sind bei Freunden oder Verwandten untergekommen.

In Dannenberg waren tausende Helfer die ganze Nacht im Einsatz, um immer neue Sickerstellen abzudichten. In Laasche an der Seege wird die Gesamtlage als kritisch eingestuft, weil die Deichkronen stellenweise nicht hoch genug sind.

Wasserstand von 2002 um 40 Zentimeter übertroffen

In Lauenburg stand das Elbe-Hochwasser in der Nacht bei 9,15 Meter, nur knapp unter dem von Experten vorausgesagten Höchststand von 9,20 Meter. Trotz der eilig errichteten Sandsackwälle hatte das Wasser am Wochenende rund 100 Häuser der historischen Altstadt erreicht. Ein Hotel wurde am Sonntag wegen möglicher Einsturzgefahr vorsorglich evakuiert. Wegen des hohen Wasserstandes musste in mehreren Häusern vorsorglich der Strom abgeschaltet werden. Je länger die Fluten gegen die Mauern drückten, desto größer sei die Gefahr, hieß es. Eine spürbare Entspannung der Lage wird erst zum Wochenende erwartet. Das Wasser stand am Montag mehr als vier Meter höher als normal und übertraf den Wert der Flut vom August 2002 um 40 Zentimeter.

Lauenburgs Bauamtsleiter Reinhard Nieberg sprach von einer entscheidenden Phase. "Wir müssen dafür sorgen, dass in den Häusern, die direkt am Ufer stehen, innen ein genauso großer Wasserdruck herrscht wie außen." Nur so könnten die Mauern entlastet werden. Der Lauenburger Architekt Peter Szymanski warnte noch vor einer weiteren Gefahr: "Die Häuser auf der Südseite der Elbstraße stehen auf Treibsand. Wenn wir öfter solche Fluten bekommen, wird der Sand weggespült, und die Häuser sacken bedrohlich ab. Dann kommt hier alles in Bewegung."

Gefahren für die Deiche

Sie haben Flash deaktiviert oder nicht installiert. Oder Sie benutzen ein iOS-Gerät.

Rekord-Hochwasser in Mecklenburg-Vorpommern geht langsam zurück

Im Kreis Lüneburg hat sich der Pegelstand nach Angaben eines Sprechers bei Neu Darchau auf 7,47 Meter eingependelt. Die problematischen Deichabschnitte würden ständig abgesichert, es gebe aber keine akuten Schwachstellen. Inzwischen seien dort Bundeswehrsoldaten angefordert worden, um andere Einsatzkräfte abzulösen. Insgesamt waren in dem niedersächsischen Hochwassergebiet rund 6500 Helfer im Einsatz.

Das Rekord-Hochwasser der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern geht langsam zurück. Am Montagmorgen wurde in Dömitz ein Pegelstand von 6,58 Meter gemessen, fünf Zentimeter weniger als am Sonntagabend. In Boizenburg sank die Wasserhöhe seit Sonntagabend um zwei Zentimeter auf 6,73 Meter. Dort hatte die Flut am Sonntagmittag mit 6,75 Meter den höchsten Stand seit Beginn der amtlichen Pegelstandaufzeichnungen vor 110 Jahren erreicht. Der Krisenstab rechnet damit, dass das Hochwasser noch mehrere Tage anhalten und nur langsam sinken wird.

Hochwasserscheitel hatte die Prignitz am Wochenende passiert

Die Lage im Hochwassergebiet der Elbe in der Prignitz in Brandenburg ist zwar nach wie vor angespannt, aber die Deiche haben in der Nacht zum Montag gehalten. Während im Süden Brandenburgs der Katastrophenalarm am Wochenende aufgehoben worden war, machen den Einsatzkräften im Norden weiterhin einzelne Sickerstellen zu schaffen.

Auch an der Oder und an der Havel ging das Hochwasser weiter leicht zurück. In der Prignitz war der Wasserstand im Vergleich zu Sonntagmittag um neun Zentimeter auf 7,04 Meter gefallen. Das sind 30 Zentimeter unter dem Höchststand der Jahrhundertflut vom Jahr 2002. Der Hochwasserscheitel hatte die Prignitz am Wochenende passiert. Für Montag wurde erwartet, dass der Wasserstand stündlich um einen Zentimeter fällt.

Merkel stellt Steuererlässe für Betroffene in Aussicht

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte den Betroffenen des Elbe-Hochwassers schnelle und unbürokratische Hilfe zu. Sie sei bereit, über Stundungen von Steuerzahlungen oder auch einen Steuererlass zu reden, sagte Merkel am Sonntag bei einem Besuch in Hitzacker. Bund und Länder müssten gemeinsam überlegen, wie das Voraussage-System und der Hochwasser-Schutz verbessert werden könnten, sagte Merkel weiter. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) kündigte an, das Land werde für die Opfer der Katastrophe fünf Millionen Euro Soforthilfe bereitstellen. Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) appellierte an die Arbeitgeber im Land, Mitglieder von Hilfsorganisationen für den Katastropheneinsatz frei zu stellen. Momentan seien zwar genügend Helfer vor Ort, diese müssten aber irgendwann in der nächsten Zeit abgelöst werden, sagte Schünemann.

DPA / DPA