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Hochwasser in Brandenburg: Oder schwillt schneller an als erwartet

Noch gilt in Brandenburg die niedrigste Alarmstufe 1, doch die Pegel der Oder in Brandenburg steigen schneller als gedacht. Bei Alarmstufe 4 ist nicht sicher, ob die Deiche halten. Derweil zeigt sich das Bundesland solidarisch mit seinen polnischen Nachbarn.

Das Oder-Hochwasser schwillt schneller an als zunächst berechnet. Die höchste Alarmstufe 4 werde früher als erwartet ausgerufen, teilte das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt (Oder) am Dienstag mit. Am Pegel Ratzdorf im Landkreis Oder-Spree werde am Donnerstagvormittag der Richtwert von 5,90 Meter überschritten. Ursprünglich war erst für Freitag damit gerechnet worden.

Dann besteht die Gefahr, dass Deiche und Dämme überflutet werden. Evakuierungen werden vorbereitet. Ab Mittwoch soll zwischen Ratzdorf und der Grenze zu Frankfurt (Oder) Stufe 2 gelten. Eberhard Schmidt vom Hochwassermeldezentrum relativierte gleichwohl übertriebene Befürchtungen: "Die Deiche werden bei Erreichen der Alarmstufe 4 stark beansprucht, aber bei den geschützten Gebieten wird es nicht zu Überflutungen kommen", sagte er. Für Mittwochabend wird die Stufe 3 empfohlen: Ab dann müssen Deiche, Wehre und Wasserläufe ständig beobachtet werden.

Vor allem zwei je fünf Kilometer lange Deichabschnitte in der Neuzeller Niederung sowie zwischen Gartz und Friedrichsthal sind "Wackelkandidaten". "Wir werden uns um diese Schwachstellen kümmern", kündigte Innenminister Rainer Speer (SPD) an. Die beiden Bereiche wurden noch nicht saniert. Sie sind baulich im Zustand von 1950/60. Bei einem Deichbruch dort würde allerdings lediglich eine Siedlung mit Wochenendhäusern überflutet. Nach dem Jahrhunderthochwasser 1997 waren die Deiche fast durchweg von Grund auf saniert worden.

Krisenstab berät über Lage

In Potsdam kam am Dienstag erstmals der Katastrophenschutzstab des Innenministeriums zusammen, um über die Lage zu beraten. Rainer Speer bezeichnete die erwartete Flutwelle als außergewöhnlich.

Der Krisenstab leitet die Hochwassermaßnahmen an der Oder erst ab Alarmstufe 3, derzeit gilt an ersten Flussabschnitten Alarmstufe 1. Der Pegel der Oder lag am Dienstagnachmittag in Ratzdorf 43 Zentimeter über dem Morgen des Vortages. Er ereichte 5,13 Meter und stieg weiter. Der Hochwasserscheitel ist nach Angaben des Landesumweltamtes Frankfurt (Oder) nur noch 100 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Bei Eisenhüttenstadt wurde die Flutung von zwei Poldern vorbereitet.

Brandenburg hilft Polen

Die Katastrophenschutz-Leitung hat zudem entschieden, einem Hilfeersuchen Polens zu folgen: "Wir stellen unserem Nachbarland 600.000 Sandsäcke, fünf Boote und drei Notstromaggregate zur Verfügung", sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Für Polen naht derweil das Ende der schlimmen Tage: In der Nacht zum Mittwoch werde der Hochwasserscheitel auf der Weichsel die Ostsee erreichen, sagte Lukasz Legutko vom Hydrometeorologischen Institut IMGW in Warschau. Am Nachmittag floss die Welle durch Tczew in Pommern etwa 30 Kilometer vor der Danziger Bucht. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 16: In Pulawy fiel ein 13-jähriges Mädchen von einer Brücke in die Weichsel und ertrank.

Seit rund einer Woche befindet sich das obere Einzugsgebiet der Oder unter dem Einfluss eines Tiefdruckgebietes. Das führte zu lang anhaltendem Dauerregen und schweren Überflutungen in Tschechien, Polen und auf dem Balkan.

DPA/AFP/APN / DPA