Hurrikan "Katrina" Die Fluten gehen zurück


Eine Woche nach dem Hurrikan "Katrina" gehen die Wassermassen in der zerstörten Stadt New Orleans erstmals leicht zurück. Der geborstene Damm, durch den die Wassermassen ungehindert in die Stadt strömten, konnte endlich repariert werden.

Eine Woche nach dem Hurrikan "Katrina" gehen die Wassermassen in der zerstörten Stadt New Orleans erstmals leicht zurück. In einigen tiefer gelegenen Stadtteilen sanken die Pegel um mehr als 30 Zentimeter. Ein geborstener Damm, durch das die Wassermassen tagelang ungehindert in die Stadt strömten, konnte am Montagabend repariert werden. Das 60 Meter breite Loch in dem Damm an der 17. Straße konnte mit schweren Sandsäcken gefüllt werden, die von Hubschraubern abgeworfen wurden. Gleichzeitig wurde Wasser aus dem Kanal in den See Ponchartrain zurückgepumpt. Nach dem Dammbruch wurden 80 Prozent der Stadt bis zu sechs Meter tief unter Wasser gesetzt. "Wir sehen jetzt die ersten Fortschritte, die ich eigentlich schon früher erwartet hatte", sagte Bürgermeister Nagin am Montag.

800.000 Haushalte ohne Elektrizität

Fortschritte gab es auch bei der Wiederherstellung der Stromversorgung. Nach Angaben der Stromversorger sind jedoch immer noch mehr als 800.000 Haushalte ohne Elektrizität. Unterdessen gingen Polizisten von Haus zu Haus, um Bewohner zu finden, die noch in New Orleans ausharren. Ihnen schlossen sich Freiwillige an, unter ihnen auch der Schauspieler Sean Penn. Zahlreiche Bewohner widersetzten sich jedoch der Anordnung zur Evakuierung. "Wir haben ihnen gesagt, dass die Stadt zerstört ist", sagte der stellvertretende Polizeichef W.J. Riley. "Es gibt hier keinen Grund zu bleiben, keine Lebensmittel, keine Arbeitsplätze, einfach nichts." Riley schätzte, dass sich noch bis zu 10.000 Menschen in New Orleans aufhalten. Mindestens 155.000 Bewohner wurden aus dem Katastrophengebiet von den Behörden in Sicherheit gebracht, wie das Heimatschutzministerium mitteilte. Die meisten von ihnen wurden in Sammelunterkünfte gebracht, von denen 560 eingerichtet wurden.

246 offiziell bestätigte Todesopfer

Die Zahl der offiziell bestätigten Todesopfer stieg bis Montag auf 246, darunter 160 in Mississippi und 71 in Louisiana. Bürgermeister Ray Nagin schätzt jedoch, dass allein in New Orleans etwa 10.000 Menschen ums Leben kamen. Ungeachtet eines zweiten Besuchs von US-Präsident George W. Bush im Katastrophengebiet dauerte die Kritik am Krisenmanagement der Regierung weiter an. Der erste große Konvoi mit Wasser, Lebensmitteln und Wasser traf erst vier Tage nach dem Hurrikan in New Orleans ein. Bürgermeister Nagin sagte, dass in der Zwischenzeit Einwohner gestorben seien, weil die Hilfe zu spät gekommen sei. Die größte Zeitung im US-Staat Louisiana, die "Times-Picayune", druckte einen offenen Brief an Bush, in dem der Präsident aufgefordert wird, alle Beamten des Katastrophenschutzes (FEMA) zu entlassen.

Bush im Krisengebiet

Eine Woche nach der Hurrikan-Katastrophe hat US-Präsident George W. Bush die betroffenen Regionen erneut besucht und die Hilfsmaßnahmen gewürdigt. Er räumte aber zugleich ein, dass es noch viel zu tun gebe. Der Präsident war wegen der langsamen Washingtoner Reaktion auf die Katastrophe kritisiert worden. Am Sonntag machte das Weiße Haus mit Notstandsregelungen in acht weiteren Bundesstaaten den Weg für die Vergabe von Bundesgeldern für die Flüchtlingshilfe frei.

"Wir haben noch viel Arbeit vor uns", sagte während eines Aufenthalts in einer Notunterkunft in Baton Rouge (Louisiana), in der vor allem Familien mit Kindern untergebracht sind. "Die Regierung tut auf allen Ebenen das Beste, was sie kann." Der Präsident lobte die Hilfsbereitschaft der Amerikaner als "einfach erstaunlich".

Dank für internationale Unterstützung

Bush begrüßte auch die internationale Unterstützung. In einem persönlichen Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder dankte er ihm ausdrücklich für "die enormen Hilfsangebote". Die Bundesregierung und das deutsche Volk hätten großzügig auf die Katastrophe reagiert. Dies sei ein Beweis "für den humanitären Geist und die engen Beziehungen zwischen unseren Ländern", schrieb der Präsident nach dpa- Informationen am Montag.

Angesichts der zehntausende Flüchtlinge machte das Weiße Haus mit der Feststellung eines Notstands in acht weiteren Bundesstaaten den Weg für die Vergabe von Bundesgeldern frei. Dazu gehören Florida, Oklahoma, Georgia und Colorado. Im Bundesstaat Texas, der alleine eine viertel Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat, waren bereits am Samstag mit der Notstandserklärung Bundesgelder freigemacht worden.

Hilfsaktion der ehemaligen Präsidenten

Die ehemaligen Präsidenten George Bush und Bill Clinton starteten in Houston am Montag offiziell die Spendensammelaktion für die Opfer. Mit dem Geld im "Bush-Clinton Katrina Fonds" soll zehntausenden Opfern, die meist ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben und oft keine Versicherungen hatten, Starthilfe gegeben werden. Zahlreiche US-Firmen haben schon Beiträge in Millionenhöhe angekündigt.

Töpfer fordert mehr Unabhängigkeit vom Öl

Nach dem Hurrikan "Katrina" in den USA hat die Umweltbehörde der Vereinten Nationen eine Wende in der globalen Klimapolitik gefordert. "Wir müssen unabhängiger vom Öl werden", sagte der Chef der Behörde, Klaus Töpfer, der Berliner Zeitung. Dies sei wirtschaftlich und umweltpolitisch eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft. Zu einer deutlichen Senkung des Ölpreises werde es seiner Ansicht nach nicht mehr kommen. "Katrina" habe gezeigt, dass die Situation auf den weltweiten Energiemärkten sehr schnell eskalieren könne.

Töpfer habe den Ausbau erneuerbarer Energien, effizientere Kraftwerke, sparsamere Fahrzeuge, neue Treibstoffe sowie verstärkte Anstrengungen beim Energiesparen verlangt, berichtete die Zeitung. Umweltpolitiker und Wissenschaftler hätten seit langem auf die Gefahren des Klimawandels hingewiesen. "Jetzt wird der dramatische Zwang zum handeln für jeden sichtbar. Wir sollten nicht bis zu den nächsten Katastrophen warten." Auch Deutschland müsse seine Anstrengungen zum Klimaschutz verstärken. Umwelt und Wirtschaftswachstum seien dabei kein Gegensatz.

AP/Reuters /DPA


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