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Erstmals in einer Großstadt gesichtet Junger Wolf trabt durch Hannover: Behörden prüfen Abschuss – Kritik von Experten

Dieser Wolf schleicht nicht durch Hannover, sondern lugt hinter einem Baum in einem bayerischen Wildpark hervor (Archivbild)
Dieser Wolf schleicht nicht durch Hannover, sondern lugt hinter einem Baum in einem bayerischen Wildpark hervor (Archivbild)
© Lino Mirgeler / DPA
Ein offenbar junger Wolf ist im Stadtgebiet von Hannover gesichtet worden. Rund acht Kilometer legte der Rüde zurück. Jetzt lässt Umweltminister Olaf Lies einen Abschuss prüfen. Experten halten das für überzogenen Aktionismus.

Ein junger Wolf, der am Dienstag rund acht Kilometer im nördlichen Stadtgebiet von Hannover zurückgelegt hat, beschäftigt derzeit das niedersächsische Umweltministerium und die Experten. An sechs Orten ist der Rüde gesichtet worden, es gibt sogar Handy-Aufnahmen, die zeigen, wie das Tier relativ zügig über den Bürgersteig trabt. Bedrohlich wirkte das keineswegs. "So wie ich dieses eine Video gesehen habe, wie er über den Gehweg getrabt ist, der wollte vorwärts beziehungsweise weg. Ich hatte den Eindruck, der will am liebsten wieder raus aus dem Stadtgebiet", sagte Frank Faß vom Wolfscenter Dörverden dem NDR.

Dennoch zeigt sich das SPD-geführte Umweltministerium entschlossen zu handeln und kündigte an, den Abschuss des Tieres zu prüfen. Dafür bedarf es einer Ausnahmegenehmigung, Wölfe sind streng geschützte Tiere: "Der Minister (Olaf Lies, SPD Anm.d.Red.) sagt auch, 'dass es nicht sein kann, dass wir sagen, naja, ist ja noch mal gut gegangen, gestern ist nichts passiert. Warten wir mal, bis er wieder auftaucht'", teilte eine Sprecherin mit.

Gummigeschosse sind ungeeignet in Wohngebieten

Den Wolf mit Hilfsmitteln wie Gummigeschossen zu vertreiben (im Fachjargon: verbrämen), falls er sich wieder zeigen sollte, hält das Ministerium für nicht umsetzbar. Das sei in Wohngebieten mit Kindergärten nicht angemessen. Die Behörden raten den Menschen, wachsam zu sein. Jeder, der glaube, einen Wolf in der Stadt zu sichten, solle das der Polizei oder dem Wolfsbüro melden. Das wiederum halten auch die Experten vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) für eine gute Idee. "Ja, Monitoring ist wichtig. Je besser die Behörden Bescheid wissen, desto schneller können sie reagieren, falls es ausnahmsweise wirklich mal zu ungewöhnlichem Verhalten kommt", sagte die Wolf-Expertin Marie Neuwald der Zeitung "taz".

Einen schnellen Abschuss sehen der Nabu und andere Experten aber sehr kritisch und warnen vor Panikmache: "Es liegt in der Verantwortung des Ministers, sachlich und bedacht aufzuklären und die Menschen für ein solches auch weiterhin seltenes Zusammentreffen zu sensibilisieren, statt einen Wolf zum Abschuss freizugeben, der keine Bedrohung für den Menschen dargestellt hat", sagte die niedersächsische Nabu-Chefin Monika Maintz der "Neuen Presse".

In Niedersachsen leben 39 Wolfsrudel

Wolfsexperte Faß sieht es genauso: "Ich halte die Entscheidung, diesen Wolf abzuschießen, für übereilt. Ich würde erstmal gucken, was passiert in den nächsten Stunden oder auch Tagen. Zeigt sich der Wolf in dem Gebiet oder im Stadtgebiet allgemein erneut, kommt er immer wieder heran? Wenn ja, würde ich erstmal schauen, warum ist das eigentlich so", sagte er.

In Niedersachsen leben derzeit 39 Wolfsrudel und vier sesshafte Einzeltiere. Das ergibt ungefähr 350 Exemplare. Abschüsse werden immer mal wieder erteilt, aber in der Regel nur, wenn Wölfe Nutztiere wie Schafe reißen und zu einem Problem für die Halter werden. Sollte man einem Wolf begegnen, soll man ruhig bleiben und nicht weglaufen. Mit Schreien und klatschen kann man das Tier gut vertreiben. Wölfe sind in der Regel nicht an Menschen interessiert.

Quellen:NDR, "taz", "Neue Presse".


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