Katastrophe im Golf von Mexiko Ölindustrie zieht gegen Bohrstopp vor Gericht


Der von US-Präsident Barack Obama verfügte sechsmonatige Tiefsee-Bohrstopp ist der Ölindustrie ein Dorn im Auge. Mehrere Firmen wollen vor Gericht das Verbot kippen. Unterdessen gibt es Berichte über einen neuen Ölteppich - dieses Mal vor der Küste des ägyptischen Badeortes Hurghada.

Zwei Monate nach der folgenschweren Explosion einer Bohrplattform im Golf von Mexiko zieht die Ölindustrie gegen ein vorübergehendes Verbot von Bohrungen im Meer vor Gericht. Mehr als ein Dutzend Dienstleister, die ihr Geld im Zusammenhang mit Offshore-Bohrungen verdienen, wollen das sechsmonatige Moratorium kippen, das Präsident Barack Obama im Zuge der Ölpest erlassen hat. Der Anwalt der klagenden Firmen, Carl Rosenblum, sagte: "Die unkontrollierte Machtbefugnis der Regierung hat die gesamte Industrie lahmgelegt". Es ist die erste Klage gegen das von Obama Ende Mai verhängte Moratorium, das zur Schließung von 33 Bohrinseln geführt hat. Der zuständige Richter, Martin Feldman, will bis Mittwoch entscheiden.

Obama will mit dem Moratorium verhindern, dass es zu weiteren Bohrplattform-Unfällen kommt, während eine Regierungskommission noch die Hintergründe der Explosion auf der "Deepwater Horizon" untersucht. Die Ölpest hat sich zur größten Umweltkatastrophe der USA entwickelt und Flora, Fauna, den Tourismus sowie die Fischerei massiv beschädigt. Der britische Ölkonzern BP ist deshalb massiv in die Kritik geraten, Obama steht unter Handlungsdruck. Elf Bundesstaaten an der Ostküste der USA kündigten an, nun gemeinsam gegen BP vorzugehen.

Die US-Regierung hat unterdessen den britischen Ölkonzern BP und seine Partner zum dritten Mal für die Kosten der Bekämpfung der Ölpest zur Kasse gebeten. Die Rechnung für Maßnahmen der Behörden betrage dieses Mal 51 Millionen Dollar, teilte das Weiße Haus mit. Es erinnerte daran, dass BP als Verursacher der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko für die Kosten ihrer Beseitigung aufkommen müsse. Zwei vorherige Rechnungen in Gesamthöhe von 70,89 Millionen Dollar habe der Konzern bereits "in vollem Umfang" bezahlt.

Ölteppich treibt vor ägyptischer Badeküste

Nicht nur im Golf von Mexiko läuft Öl aus, wie nun bekannt wurde, auch vor der Küste des ägyptischen Badeortes Hurghada am Roten Meer treibt nach einem Leck in einer Bohrplattform ein Ölteppich. Auch Urlauberstrände wurden verschmutzt. Ein ägyptischer Regierungssprecher erklärte, die Menge sei "begrenzt", nannte aber keine Einzelheiten. Der Ölteppich sei in der vergangenen Woche entdeckt worden und inzwischen weitgehend eingedämmt, sagte er der amtlichen Nachrichtenagentur MENA zufolge.

Umweltaktivisten wiesen diese Darstellung zurück. Er habe Informationen, dass aus dem Leck wieder Öl austrete, nachdem es seit Donnerstag vorübergehend geschlossen gewesen sei, sagte der Biologe Ahmed el Drubi, Mitglied der Vereinigung zum Umweltschutz in Hurghada (HEPCA), die die Verschmutzung öffentlich gemacht hatte. Einige Inseln mit unberührter Natur seien besonders betroffen, dort seien tote, ölverschmierte Vögel und Meeresschildkröten gefunden worden.

Die Ölgesellschaft in der Hafenstadt Suez erklärte, der Ölteppich habe die Küste in einer Länge von 160 Kilometern verschmutzt. Auch Urlauberstrände seien betroffen. Verursacht wurde die Verschmutzung den Angaben zufolge von einem Leck auf einer Bohrplattform nördlich von Hurghada.

Der Badeort ist eines der wichtigsten Touristenzentren in Ägypten. Die Regierung schwieg tagelang zu dem Ölunfall. Grund dafür ist möglicherweise die Sorge, dass der Ölteppich Touristen verschrecken.

zen/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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