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Saudi-Arabien: 22 Tote bei Terrordrama

Die blutige Geiselnahme Dutzender Ausländer in Saudi-Arabien hat der Ölindustrie einen Schock versetzt. Das Öl-Exportland fürchtet einen Einbruch ausländischer Investitionen.

Die blutige Geiselnahme Dutzender Ausländer in Saudi-Arabien hat der Ölindustrie einen Schock versetzt. Das Öl-Exportland fürchtet einen Einbruch ausländischer Investitionen. Die Sicherheitskräfte nahmen die Verfolgung von drei flüchtigen mutmaßlichen El-Kaida-Extremisten auf, die am Wochenende zunächst zwei Ölfirmen und dann eine von Ausländern bewohnte Anlage in Chobar stürmten. Ein vierter Angreifer wurde bei der gewaltsamen Beendigung des Terrordramas mit insgesamt 22 Toten festgenommen.

Opfer wurden verstümmelt

Spezialeinheiten entschlossen sich am Sonntagmorgen nach rund 25 Stunden zur Stürmung der Wohnanlage "Oasis", weil den Geiseln nach Angaben eines Beraters der saudiarabischen Botschaft in London "Schaden zugefügt wurde". Zeitungsberichten zufolge war aus dem besetzten Gebäude ein Toter geworfen worden, weitere Leichen seien verstümmelt worden.

Ein Überlebender berichtete nach Angaben eines Ermittlers, den Angreifern sei gegen die Freilassung der Geiseln der freie Abzug zugesichert worden. Die Sicherheitskräfte hätten dem zugestimmt, nachdem die Extremisten mit der Tötung von Gefangenen begonnen hätten. Das Innenministerium erklärte dagegen, die Angreifer hätten fliehen können, weil sie Geiseln als menschliche Schutzschilde benutzt hätten.

Der festgenommene Extremist war nach Regierungsangaben der Anführer der Gruppe. Die drei anderen Angreifer flohen nach Berichten der in London erscheinenden Zeitung "Al Hayat" nach Damman und zwangen einen Autofahrer zur Herausgabe seines Wagens.

41 Geiseln wurden befreit

Die Sicherheitskräfte befreiten nach Angaben des Innenministeriums 41 Geiseln. Von den insgesamt 22 Opfern wurden mindestens zehn bereits beim Überfall auf die Ölfirmen getötet, bevor die Angreifer die nahe gelegene Wohnanlage stürmten. Nach Angaben von Überlebenden wurden die Muslime unter den Bewohnern freigelassen. Bei den Opfern handelt es sich um acht Inder, drei Philippiner, drei Saudi-Araber, zwei Srilanker, einen Amerikaner, einen Briten, einen Italiener, einen Südafrikaner, einen Schweden und einen ägyptischen Jungen. 24 Menschen wurden verletzt.

Auf einer islamistischen Web-Site erschien ein Bekennerschreiben, das mit den Worten "El Kaida für die arabische Halbinsel" unterzeichnet war. Weiter wurde eine Tonbandbotschaft verbreitet, deren Sprecher sich als Abdul Asis el Mokrin vorstellt. Dieser leitet nach Erkenntnissen amerikanischer und saudischer Behörden die Aktivitäten der El Kaida auf der arabischen Halbinsel. Der Sprecher warf der Regierung in Riad vor, sie versorge "Amerika mit Öl zu Billigpreisen".

Neuerlicher Druck auf die Ölpreise erwartet

Der saudiarabische Ölminister Ali Naimi traf noch am Sonntag mit Managern westlicher Ölkonzerne zusammen, um dem Eindruck einer zunehmend kritischen Sicherheitslage entgegenzuwirken. Nach Informationen aus Regierungskreisen soll der Schutz von ausländischen Unternehmen verstärkt werden.

An den internationalen Öl-Märkten wurde mit einem neuerlichen Preisanstieg gerechnet. "Es wird sicherlich einen Druck auf die Preise geben", sagte der New Yorker Marktbeobachter Yasser Elguindi von Medley Global Advisors. Die feiertagsbedingte Handelspause in New York und London werde den Märkten aber Zeit geben, besonnen auf die Ereignisse zu reagieren. Der Markt in Tokio reagierte am Montag besorgt.