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Vermisster Schotte Hand im Körper eines Hais gefunden – am Finger steckte ein Ehering

Ein Tigerhai schwimmt durch ein lichtdurchflutetes Gewässer
Ein Tigerhai. Die Tiere gelten als für Menschen gefährlich. Sie sind aber auch selbst potenziell bedroht
© iStockphoto / Getty Images
Auf La Reunion hat sich vermutlich ein tragisches Unglück ereignet. Darauf deuten die menschlichen Überreste hin, die man in dem Körper eines Tigerhais fand.

In den Gewässern um die Insel La Reunion im Indischen Ozean ist ein Hai gefangen worden, der eine abgerissene menschliche Hand verschluckt hatte. Da an einem Finger ein Ehering steckte, stand recht schnell fest, um wessen Überreste es sich handelte: die eines schottischen Touristen, der vor ein paar Tagen beim Schnorcheln in dem französischen Überseegebiet verschwunden war.

Der 44-jährige Mann soll, so meldet es die BBC, zusammen mit seiner Frau auf der Insel zwischen Madagaskar und Mauritius eine Woche lang Urlaub gemacht haben. Zuletzt gesehen worden sei er, als er am Wochenende schnorcheln ging – und nach sehr kurzer Zeit spurlos verschwand.

La Reunion ist mittlerweile die "Insel der Haie"

Ein Einheimischer, der offenbar mit dem Geschehen vertraut ist, erzählte BBC Scotland, dass der Mann nur ein paar Minuten fort gewesen sei, um schwimmen zu gehen. Der Bereich im Wasser sei in großen Teilen abgeschirmt durch ein Riff, so der Inselbewohner. "Es gibt einen schmalen Durchgang zum tieferen Ozean, aber er ist generell sehr gut geschützt durch das Riff", beschrieb er das Gebiet.

Nach zahlreichen, teils tödlichen, Haiangriffen in den vergangenen Jahren wird La Reunion mittlerweile vor allem in Wassersportler-Kreisen die "Insel der Haie" genannt. Die Zeitschrift "Tauchen" beschrieb die Lage in einem Artikel im März dieses Jahres unter der Schlagzeile "Hai-Alarm im Inselparadies La Reunion". Als ein möglicher Grund für die Zunahme der Angriffe, die dieses Gebiet weitaus gefährlicher machten als die Gewässer vor Australien und Nordamerika, wird ein Naturschutzgebiet genannt. Da die Ozeane sonst stark überfischt seien, locken diese Gewässer mit ihrem Artenreichtum die Haie an wie an ein Buffet. Zur Attraktivität für die Tiere trage außerdem eine Fischfarm bei – und die Tatsache, dass Fischer Fangabfälle in die Küstengewässer werfen und damit die Tiere zusätzlich anlockten.

Tourismus versus Artenschutz

Die Haie bringen La Reunion in ein Dilemma. Denn Haiattacken sind zwar schlecht für den Tourismus – andererseits sind etliche Hai-Arten gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Die Tiere regulieren das Ökosystem Meer und erfüllen damit eine wichtige Funktion. Ein massenhaftes Töten von Haien vor La Reunion würde Naturschützer auf der ganzen Welt auf den Plan rufen – und wäre vermutlich katastrophal fürs Image der Insel, die zu Frankreich und damit auch zur Europäischen Union gehört.

Die Gefahr für Wassersportler ist groß: Vor allem in den letzten sechs Jahren nahm die Zahl der Haiangriffe in den Gewässern von La Reunion stark zu: Wikipedia listet seit Ende 2013 insgesamt acht tödliche Attacken der Raubfische auf. Mittlerweile herrschen an den meisten Buchten und Stränden Badeverbote. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe, so die BBC, jüngst die Absicht erklärt, ab dem Jahr 2022 wieder Wassersport auf La Reunion zu erlauben. Allerdings nur, wenn es bis dahin sicher sei.

Die Warnung vor dem Hai ist allgegenwärtig

Auch der Inselbewohner, den die BBC interviewte, wies auf das Problem der zahlreichen Haiangriffe in der Gegend hin: Überall auf der Insel – sogar am Flughafen – werde mit Schildern vor den Raubfischen gewarnt. "Das ist etwas, was wir nicht verstecken", so der Mann. Überall, wo man nicht schwimmen dürfe, seien Verbotsschilder. Das sei an Stränden der Fall, die nicht durch natürliche Riffe geschützt seien. In den Gewässern vor La Reunion seien zudem Boote unterwegs – falls jemand in eine gefährliche Lage gerate.

Was genau im Fall des Schotten passierte und wie es zu dem mutmaßlichen Haiangriff kam, ist ungeklärt. Aus den Presseberichten geht bislang nicht hervor, ob an der Stelle, wo der Mann ins Wasser ging, das Baden erlaubt ist. Kurz nach seinem Verschwinden sei eine großangelegte Suchaktion mit Hubschraubern und Booten gestartet, so die BBC. Mehrere Tage herrschte Unsicherheit, bis im Körper eines Hais, der von der zuständigen Behörde, dem Centre de Securite Requin (CSR), gefangen wurde, die Körperteile gefunden wurden.

Das Tier sei etwa sieben Kilometer von der Lagune entfernt gefangen worden, wo der Mann schwimmen war. Unklar sei, ob der Mann von dem Hai attackiert und getötet wurde - oder ob er ertrank und danach gefressen wurde.

Quellen: BBC, "Tauchen", "Wikipedia"


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