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Nach Atomunfall in Fukushima: Lage in Japan bleibt weiterhin kritisch

Steigende Radioaktivität im Meerwasser, Regen behindert die Sicherheitsarbeiten: Die Situation in dem havarierten Atomkraftwerk von Fukushima bleibt gefährlich. Nach Nicolas Sarkozy will auch Guido Westerwelle Tokio besuchen. Viele Überlebende des Erdbebens harren weiter in Notlagern aus.

Rund drei Wochen nach Beginn der größten Katastrophe der japanischen Nachkriegsgeschichte ist dasDas Atomkraftwerk Fukushima ist weiter außer Kontrolle. Noch immer tritt Radioaktivität aus. Die Strahlung im Meer vor der Atomruine steigt. Die Regierung lehnt jedoch eine weitere Evakuierung ab, obwohl die Internationale Atomenergiebehörde sie empfohlen hatte.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verteidigte in Tokio die Nutzung der Atomenergie. Außenminister Guido Westerwelle will Japan am Samstag besuchen.

Der AKW-Betreiber Tepco hat begonnen, verstrahlte Trümmer mit Kunstharz zu besprühen. Tepco musste die Versuche aber wegen Regens wieder stoppen. Mit dem Kunstharz soll unter anderen die Ausbreitung von radioaktivem Staub gestoppt werden.

Derweil steigt die Radioaktivität im Wasser: Im Meer vor dem AKW seien Jod-Partikel mit einer 4385-fach höheren Konzentration als erlaubt gemessen worden, berichtete die Atomaufsichtsbehörde. Der genaue Weg, wie das radioaktive Jod aus dem Kraftwerk ins Meer kommt, ist nicht klar.

Der französische Präsident Sarkozy traf bei seinem Kurzbesuch in Tokio mit dem japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan zusammen. Die Welt brauche Atomkraft, um den Klimawandel zu bekämpfen, sagte Sarkozy nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Sie könne helfen, den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids zu verringern. Zugleich forderte er, die internationale Gemeinschaft solle über neue Sicherheitsstandards für AKW diskutieren. Er ist der erste ausländische Staatschef, der Japan seit der Atom-Katastrophe besucht.

Ministerpräsident Naoto Kan sagte, das Thema Sicherheit der Atomkraft sollte beim nächsten G-8-Gipfel Ende Mai in Deauville in Frankreich zur Sprache kommen.

Vor Sarkozy war bereits die Chefin des französischen Atomkonzerns Areva, Anne Lauvergeon, mit fünf Experten in Japan eingetroffen. Die Fachleute sollen dabei helfen, hoch radioaktives Abwasser aus der Atomanlage zu entfernen.

Am Samstag reist auch Außenminister Westerwelle nach Tokio. Er besucht derzeit China. Mit dem Kurzbesuch wolle er Deutschlands Solidarität mit dem schwer getroffenen japanischen Volk zum Ausdruck bringen, hieß es aus seiner Umgebung.

Auch Japans Kaiser Akihito stand den Opfern des verheerenden Erdbebens im Nordosten des Landes mit Gesten der Solidarität bei. Erstmals traf er direkt mit Überlebenden zusammen. Zusammen mit seiner Frau Michiko nahm sich der Monarch eine Stunde Zeit, um in der Budokan-Halle der Hauptstadt den dort untergebrachten rund 290 Flüchtlingen Trost zu spenden.

Die Zahl der nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März offiziell für tot Erklärten stieg auf 11 362. Weitere 16 290 Menschen werden noch vermisst.

Am Donnerstag suchte ein weiteres heftiges Nachbeben der Stärke 6,0 die Menschen in der Katastrophenregion heim. Vor allem für die vielen alten Menschen ist es immer anstrengender, auf den harten Lagern in den Notunterkünften auszuharren. Es regnet dort viel, und die Temperaturen liegen morgens immer noch um den Gefrierpunkt.

Inzwischen werden zwar Notbehausungen gebaut. Die reichen aber noch nicht. Viele alte Menschen wollen auch dafür nicht ihre Heimatorte verlassen. Denn sie befürchten, aus ihren sozialen Gemeinschaften gerissen zu werden.

Wegen der hohen Strahlenwerte im 40 Kilometer von Fukushima entfernten Ort Iitate hatte die Atomenergiebehörde IAEA am Mittwoch in Wien geraten, die 7000-Einwohner-Stadt zu räumen. Greenpeace hatte nach eigenen Messungen dringend eine Ausweitung der Evakuierungszone rund um Fukushima von 20 auf 40 Kilometer verlangt.

Es gebe im Moment keine sofortigen Pläne für einen solchen Schritt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Man werde aber ausgehend von IAEA-Daten den Boden um das AKW intensiver auf Strahlen untersuchen.

Unterdessen ist eine weitere deutsche Riesen-Pumpe auf dem Weg zum havarierten Atomkraftwerk. Das Gerät des Pumpenherstellers Putzmeister aus Baden-Württemberg soll bei der Kühlung der Atomruine helfen.

liri/DPA / DPA