HOME

Japan-Katastrophe: Strahlengefahr verhindert Bergung von 1000 Leichen

Das Meerwasser vor dem AKW Fukushima erreicht Rekordstrahlenwerte. Viele Leichen können nicht geborgen werden. Die Ereignisse im Liveticker.

+++ 17.41 Uhr: Stark verstrahltes Grundwasser bei Fukushima +++

Das Grundwasser nahe dem beschädigten Kernkraftwerk Fukushima Eins ist nach Angaben der Betreiberfirma Tepco stark verstrahlt. Bei Reaktorblock 1 wurden 10 000-fach erhöhte Werte von Jod-131 im Wasser entdeckt. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Donnerstag.

+++ 17.37 Uhr: Caesium in japanischem Rindfleisch +++

Die Hiobsbotschaften aus dem japanischen Katastrophengebiet reißen nicht ab. In Rindfleisch aus der Region des havarierten Atomkraftwerks Fukushima fanden Wissenschaftler Spuren von hochradioaktivem Cäsium, wie der AKW-Betreiber Tokyo Electric Power (Tepco) am Donnerstag mitteilte. Die Strahlenbelastung des Rindfleischs sei ungewöhnlich hoch gewesen. Während das krebserregende Jod 131 nach etwa 80 Tagen zerfällt, bleiben Cäsium-Verbindungen mehr als 200 Jahre gefährlich.

+++ 17.24: Japan überdenkt Bau neuer Atomkraftwerke +++

Japan will nach der Atomkatastrophe von Fukushima die Pläne zum Bau von neuen Kernkraftwerken prüfen. Ministerpräsident Naoto Kan regte an, die Vorhaben "grundlegend zu überdenken", wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Donnerstag berichtete. Aktuell befänden sich 14 Reaktoren in Japan im Bau oder in der Planung. Schon jetzt bezieht der Inselstaat mehr als 30 Prozent seiner Energie aus Atomkraft. Es gibt 54 Reaktoren.

Regierungssprecher Yukio Edano sagte, die Energiepolitik müsse nach einer Analyse der Katastrophe von Fukushima vorurteilsfrei analysiert werden. Eine vollständige Abkehr von der Atomkraft ist für das rohstoffarme J

+++15:43 Uhr: 1000 Leichen nicht geborgen+++

Bis zu 1000 Leichen rund um das AKW Fukushima sind laut Polizei nach dem Erdbeben vom 11. März wegen der Strahlengefahr bisher nicht geborgen worden. Die Leichen in der 20-Kilometer-Evakuierungszone seien hoher Strahlung ausgesetzt gewesen, hieß es.

+++14:42 Günstiger Wind für Tokio+++

Der Wind weht günstig für die Millionen-Metropole Tokio, aber am Sonntag dreht er vorübergehend auf Nord. Der größte Teil der radioaktiven Partikel, die aus dem Katastrophenkraftwerk Fukushima frei werden, dürfte weiterhin auf den Pazifik getragen werden, sagten Wetterforscher voraus. Aber ein Teil ziehe nach Angaben des Deutschen Wetterdienst am Sonntag entlang der Küste auch nach Süden und könne die Region Tokio-Yokohama erreichen.

+++12:00 Uhr: Sarkozy verteidigt Atomkraft+++

Nicolas Sarkozy verteidigt bei seinem Besuch in Japan die Atomenergie als wichtiges Instrument zum Klimaschutz. Er ist der erste ausländische Staatschef, der Japan seit der Atom-Katastrophe in Fukushima besucht. Die Welt brauche Atomkraft, um den Klimawandel zu bekämpfen, sagt Sarkozy. Der Präsident trifft in Tokio mit Ministerpräsident Kan zusammen.

Zuhause trifft die Atomenergie aber auf Widerstand: Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN schließt einen einstweiligen Baustopp des neuen "Superreaktors" am Ärmelkanal nicht aus. Der mögliche Aufschub für den ersten Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) in Frankreich sei "eine Fragestellung, eine Überlegung", sagt ein leitender Mitarbeiter der Behörde. Frankreich betreibt an 19 Standorten insgesamt 58 Atomreaktoren, das Land bezieht knapp vier Fünftel seines Stroms aus Kernkraftwerken, soviel wie kein anderer Staat weltweit.

+++11.32 Uhr: Fukushima 1 wird geschlossen+++

Es verwundert, dass diese Nachricht erst jetzt kommt: Japans Ministerpräsident Naoto Kan will Fukushima 1 vollständig stilllegen lassen. Kan sagt bei einem Treffen mit dem Vorsitzenden der kommunistischen Partei Japans, Kazuo Shii, die gesamte Anlage werde stillgelegt. Kan verspricht auch, den geplanten Bau von mindestens 14 neuen Reaktoren bis 2030 zu überprüfen.

+++11.19 Uhr: Deutsche Pumpe auf dem Weg nach Tokio+++

Ein weitere deutsche Riesen-Pumpe ist auf dem Weg zum havarierten Atomkraftwerk Fukushima. Das Gerät des Pumpenherstellers Putzmeister soll bei der Kühlung der Atomruine in Japan helfen. Die 62 Meter lange Pumpe wird am Morgen am Stuttgarter Flughafen in ein Frachtflugzeug vom Typ Antonow 124 verladen. Sie soll in Tokio Mitarbeitern des AKW-Betreibers Tepco übergeben werden.

+++ 10.03 Uhr: Westerwelle will nach Japan reisen +++

Drei Wochen nach der Erdbeben-Katastrophe in Japan will Außenminister Guido Westerwelle an diesem Samstag nach Tokio reisen. Der Kurzbesuch soll im Anschluss an eine China-Reise stattfinden, zu der Westerwelle am Donnerstag in Peking eintraf. Mit dem Aufenthalt wolle der Minister Deutschlands Solidarität mit dem schwer getroffenen japanischen Volk zum Ausdruck bringen, hieß es aus seiner Umgebung.

+++ 10.01 Uhr: Sarkozy trifft in Japan ein +++

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist am Donnerstag als erster ausländischer Staatschef seit der Erdbeben-Katastrophe in Japan eingetroffen. Er wird mit dem japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan zusammentreffen. Dabei will Kan sich laut Medienberichten für die französische Hilfe bei der Bewältigung der Krise bedanken.

Beide Politiker wollen in Tokio darüber sprechen, wie das havarierte Atomkraftwerk in Fukushima unter Kontrolle gebracht werden kann. Vor Präsident Sarkozy war bereits die Chefin des französischen Atomkonzerns Areva, Anne Lauvergeon, mit fünf Experten in Japan eingetroffen. Die Fachleute aus Frankreich sollen unter anderem dabei helfen, hoch radioaktives Abwassers aus der Atomanlage zu entfernen.

+++ 9.28 Uhr: Schweres Nachbeben im Nordosten +++

Die Katastrophenregion im Nordosten Japans ist am Donnerstag erneut von einem starken Nachbeben heimgesucht worden. Die Erschütterung hatte eine Stärke von 6,0, wie der Fernsehsender NHK berichtete. Eine Warnung vor Tsunami gaben die Behörden nicht aus. Auch lagen keine Berichte über mögliche weitere Schäden oder Verletzte in Folge des Nachbebens vor. Der Erdbebenherd lag unter dem Meeresboden vor der Katastrophenprovinz Miyagi. Auch in der etwa 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio gerieten Hochhäuser ins Schwanken.

+++ 8.57 Uhr: Quelle für hohe Radioaktivität im Meer unklar +++

Die genaue Ursache für die extrem hohe Strahlung im Meer vor dem Atommeiler in Fukushima ist weiter unklar. Nach Angaben der Atomaufsichtsbehörde wurden 330 Meter von den Abwasserrohren der Reaktoren 1 bis 4 entfernt Jod-Partikel mit einer 4385-fach höheren Konzentration als erlaubt gemessen. Wie die Radioaktivität ins Meer gelangte, ist noch immer unklar. Der AKW-Betreiber Tepco vermutet, dass das Jod entweder von den Reaktoren selbst oder von beschädigten Brennstäben in den Abklingbecken stammt. Ein Austritt aus den Abwasserrohren sei jedoch noch nicht bestätigt worden, meldete die Nachrichtenagentur Jiji Press.

+++ 8.03 Uhr: Kaltes Wetter setzt Tsunami-Opfern zu +++

Die Menschen im japanischen Katastrophengebiet sind weiter harten Witterungsbedingungen ausgesetzt. Wie der öffentliche Fernsehsender NHK meldet, wird für die kommende Nacht wieder Regen erwartet. Noch immer herrschen Temperaturen am frühen Morgen um den Gefrierpunkt, was das Leben vor allem der vielen alten Menschen in den Notlagern erschwere.

+++ 7.30 Uhr: Sorge im Ausland wächst +++

Auch außerhalb Japans wächst die Sorge vor den Folgen der Reaktorkatastrophe. Während sich die europäischen Häfen auf die Ankunft möglicherweise kontaminierter Frachter aus Japan vorbereiten, erklärte Singapur, die Strahlenbelastung von Kohl aus Japan überschreite teilweise den Grenzwert um das neunfache. Sogar in Milchproben im US-Bundesstaat Washgington fanden US-Behörden "minimale" Radioaktivitätswerte. Die gemessene Strahlung sei jedoch weit davon entfernt, für Menschen gefährlich zu sein.

+++ 7.29 Uhr: Golfer Ishikawa spendet komplettes Saison-Preisgeld +++

Der japanische Golfstar Ryo Ishikawa will sein gesamtes Preisgeld in dieser Saison den Opfern der Naturkatastrophen in seiner Heimat spenden. Dies gab der 19-Jährige am Mittwoch in Tokio bekannt. In der vergangenen Spielzeit hatte die Nummer drei der japanischen Geldrangliste immerhin Prämien in Höhe von umgerechnet 1,2 Millionen Euro eingespielt. Zudem kündigte Ishikawa an, dass er für jedes Birdie (ein Schlag unter Platzstandard) umgerechnet 850 Euro einzahlen will. 2010 waren ihm 341 Birdies gelungen.

+++ 6.15 Uhr: Regen stoppt Besprühen mit Kunstharz +++

Der Plan, die verstrahlten Trümmer von Fukushima durch Kunstharz notdürftig zu versiegeln, ist durch Regen zeitweise vereitelt worden. Durch den Regen werden aber auch radioaktive Partikel in den Boden gespült. Die japanische Regierung erwägt zudem, die Reaktoren mit einem Spezialgewebe abzudecken oder verseuchtes Wasser aus dem Kraftwerk in ein Tankschiff zu pumpen. Bisher konnte man damit aber noch nicht beginnen.

+++ 5.50 Uhr: Japans Atom-Behörde für weitere Evakuierung +++

Nach der UN-Atomenergiebehörde hat sich nun auch die japanische Nuklear-Aufsicht für weitere Evakuierungen um das Katastrophen-AKW Fukushima ausgesprochen. Die Regierung müsse eine Ausweitung der Evakuierungszone erwägen, erklärte die Behörde am Donnerstag. Um das AKW Fukushima I gilt bislang eine Evakuierungszone von 20 Kilometern. Einwohnern in einem weiteren Umkreis von 30 Kilometern wird empfohlen, wegen der Strahlengefahr das Gebiet zu verlassen oder sich nicht im Freien aufzuhalten. Der UN-Atombehörde IAEA zufolge wurden jedoch auch in einem Dorf 40 Kilometer von Fukushima entfernt hohe Strahlungswerte gemessen. Zuvor hatte es geheißen, die japanische Regierung wolle die Schutzzone zunächst nicht ausweiten.

+++ 5.27 Uhr: Strahlen-Grenzwert 4385-fach überschritten +++

Im Meerwasser vor dem havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima nimmt die radioaktive Verseuchung weiter zu. Die Betreibergesellschaft Tepco teilte am Donnerstag mit, dass die Konzentration von radioaktivem Jod den zulässigen Höchstwert um das 4385-fache überschritten habe. Das ist der höchste Wert seit dem Beginn der Katastrophe Mitte März.

+++ 4.30 Uhr: Schutzzone wird nicht ausgeweitet +++

Japan plant vorerst keine Ausweitung der Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima. Es gebe im Moment keine sofortigen Pläne für einen solchen Schritt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Donnerstag. Er reagierte damit auf Empfehlungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Man werde aber ausgehend von IAEA-Daten den Boden um das AKW intensiver auf Strahlen untersuchen, sagte der Sprecher.

+++ 4.22 Uhr: Kaiser spendet Opfern Trost +++

Der japanische Kaiser Akihito steht den Opfern der verheerenden Katastrophe im Nordosten des Landes mit rührenden Gesten der Solidarität bei. Erstmals traf er Überlebende. Zusammen mit seiner Gemahlin Michiko nahm sich der Monarch eine Stunde Zeit, um etwa 290 Flüchtlingen in Tokio Trost zu spenden. Um auf gleicher Augenhöhe mit den Menschen zu sprechen, kniete sich der 77-jährige Kaiser würdevoll vor den Opfern hin und widmete sich ihnen im ruhigen Zwiegespräch. Mitfühlend sprach der beliebte Monarch den Betroffenen Mut zu. Nicht mit großen Worten rührt der Kaiser derzeit sein Volk, sondern mit leisen, bescheidenen Gesten. Um die Bemühungen der Menschen zum Energiesparen zu unterstützen, lässt der Kaiser in seiner Residenz in Tokio jeden Tag für ein paar Stunden den Strom abschalten. Auch ließ das Kaiserpaar Hilfsgelder in die Katastrophenregion schicken, wie japanische Medien berichteten.

+++ 4.14 Uhr: Uno kritisiert Atom-Chaos +++

Nach der japanischen Atomkatastrophe haben die Vereinten Nationen die Informationspolitik der japanischen Behörden und des Kraftwerksbetreibers Tepco kritisiert. "Was im Augenblick für viele am schwersten nachzuvollziehen ist, ist die Frage, wieso Information, deutliche, klare, präzise Information, so schwierig zu bekommen ist", sagte der Leiter der UN-Umweltbehörde UNEP, Achim Steiner, der "Berliner Zeitung".

+++ 1.44 Uhr: Kunstharz versiegelt verstrahlte Trümmer +++

Im havarierten Kernkraftwerk Fukushima haben Arbeiter die Vorbereitungen zur Beseitigung radioaktiv verseuchten Wassers in Turbinengebäuden fortgesetzt. Zuvor war die Chefin des französischen Atomkonzerns Areva, Anne Lauvergeon, mit fünf Experten in Japan eingetroffen, um in der Atomkrise zu helfen. Sie sind auf die Behandlung radioaktiven Abwassers spezialisiert. Die japanische Regierung erwägt verschiedene Notmaßnahmen, unter anderem das Besprühen verstrahlter Trümmer mit Kunstharz, um die Radioaktivität einzudämmen. Auch wird überlegt, die Reaktoren mit Spezialgewebe abzudecken oder radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Kraftwerk in ein Tankschiff auf dem Meer zu pumpen.

dho/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters