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Personenkult um Kim-Familie Brennendes Haus: Nordkoreanerin rettete Kinder statt Diktatoren-Porträts – nun droht Gefängnis

Bilder von Kim Il-Sung und Kim Jong-Il
In Nordkorea sind die Porträts von Kim Il-Sung und Kim Jong-Il omnipräsent. Auch in jedem Haushalt müssen die Bilder hängen.
© Wong Maye-E/ / Picture Alliance
Als das Haus ihrer Familie brannte, rettete eine Nordkoreanerin ihre beiden Kinder – die Porträts der früheren Machthaber der Kim-Dynastie verbrannten. Dafür könnte die Frau jetzt im Arbeitslager landen.

In Nordkorea muss eine Frau rechtliche Konsequenzen befürchten, weil sie bei einem Feuer zuerst ihre Kinder und nicht das Porträt der früheren Staatsoberhäupter Kim Il-Sung und Kim Jong Il aus dem Haus gerettet hatte. Das Nachrichtenportal "Daily NK" berichtet, dass das Ministerium für Staatssicherheit nun gegen die Mutter ermittelt – ihr droht wegen des angeblichen Versäumnisses eine Gefängnisstrafe. 

Dem Bericht zufolge befanden sich die zwei Kinder in dem Haus, als das Feuer ausbrach, die Eltern waren gerade draußen. Ihnen gelang es, die Kinder in Sicherheit zu bringen, die Bilder der verstorbenen Machthaber verbrannten. In Nordkorea herrscht ein so großer Personenkult um die Mitglieder der Familie des Diktators Kim Jong-Un, dass jede mögliche Herabsetzung scharf verfolgt und bestraft wird.

Mutter darf ihre Kinder nicht besuchen

Wie "Daily NK" berichtet, habe ein junger Bauer die Kim-Porträts einer anderen Familie, die im gleichen Haus wohnte, gerettet. Der Mann sei gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden, werde nun in Nordkorea aber wegen seines Einsatzes als Held gefeiert. Die Familie, deren Bilder verbrannten, bekommt hingegen die volle Härte des Regimes zu spüren. Der Mutter droht die Inhaftierung in einem der gefürchteten Arbeitslager.

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Während die Ermittlungen noch andauern, können die Kinder, die in dem Feuer starke Verbrennungen erlitten, kaum versorgt werden. Laut "Daily NK" kann die Familie nicht für die Behandlung mit Antibiotika aufkommen. Die Frau dürfe, solange das Ministerium für Staatssicherheit den Fall untersuche, ihre Kinder auch nicht besuchen. Nachbarn wollten laut dem Bericht der Familie gern finanziell helfen, hielten sich aber zurück, um nicht ebenfalls ins Visier der Polizei zu geraten.

In Nordkorea sind alle Familien dazu verpflichtet, Bilder des Vaters und Großvaters von Kim Jong-Un in ihren Haushalten hängen zu haben. Die Kim-Dynastie regiert seit 1948 in dem stalinistischen Staat und wird deshalb auch als erste "kommunistische Dynastie" bezeichnet. Das aktuelle Staatsoberhaupt Kim Jong-Un hatte 2011 die Führung übernommen – wie schon seine Vorgänger geht er brutal gegen vermeintliche Kritiker vor und lässt sie teils schon wegen kleinster Vergehen in Arbeits- und Umerziehungslagern internieren.

Quelle:"Daily NK"

epp

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