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Notfallseelsorger: Erste Hilfe für die Seele

Die Gefahr eines psychischen Traumas ist für die Heimkehrer aus der Katastrophenregion groß. Für die Notfallseelsorger an den deutschen Flughäfen heißt das vor allem einfach erzählen lassen und zuhören.

Seit die ersten Touristen verstört und geschockt aus den Katastrophengebieten in Südostasien zurückkehren, sind sie unaufhörlich im Einsatz: Die Notfallseelsorger an den Flughäfen in Düsseldorf, Köln oder Frankfurt am Main. Ob die Helfer vom Deutschen Roten Kreuz, der Evangelischen Kirche im Rheinland oder dem Erzbistum Köln, ihre Arbeit ist überall dieselbe: "Wir leisten Erste Hilfe für die Seele und versuchen das Unfassbare aushaltbar zu machen,", sagt Peter Neumann, Koordinator für Feuerwehr und Notfallseelorge im Stadtdekanat Köln.

Erster Schritt zur Verarbeitung der Erlebnisse

Für die Helfer heißt das vor allem Zuhören, oftmals Weinen und einfach erzählen lassen. "Das ersetzt keine tiefe psychologische Betreuung, aber es ist ein erster Schritt, um die furchtbaren Bilder und Erlebnisse aus den Katastrophengebieten zu verarbeiten", sagt der Koordinator, der am Donnerstag mit 20 Seelsorgern den Airbus mit der "fliegenden Intensivstation" der Bundeswehr mit verletzten Touristen aus dem thailändischen Phuket in Köln empfangen soll.

Wie schon bei den mehr als 2.000 Passagieren, die nach Angaben der LTU mit der Fluggesellschaft bislang nach Deutschland heimgekehrt sind, ist auch bei ihnen die Gefahr eines psychischen Traumas groß. "Man läuft Gefahr, die schrecklichen Bilder immer wieder zu durchleben. Wenn irgendwo einfach nur Wasser läuft oder rauscht, kann das schon zu Angstanfällen, Wein- oder Panikattacken führen", erklärt Neumann. Damit klar zu kommen, brauche natürlich Zeit, "doch wenn man nach drei Monaten noch immer noch mit solchen Problemen zu kämpfen hat, sollte man sich unbedingt fachlichen Rat holen - auch darauf machen wir die Rückkehrer aufmerksam, wenn wir mit ihnen reden", sagt der Koordinator aus Köln.

Am Düsseldorfer Flughafen, wo neben den Teams der LTU auch die Evangelische Kirche im Rheinland die Passagiere mit fünf Helfern vor Ort betreut, sind jedoch nicht allein gute und einfühlsame Zuhörer gefragt. Viele der rund 1.600 Passagiere, die hier bis Mittwochnachmittag gelandet sind, bräuchten vor allem auch ganz praktische Hilfe, sagt der Sprecher der Evangelische Kirche Jens Peter Iven. "Sie kommen teilweise mit nichts mehr als ihren Badesachen hier an. Dann müssen zunächst mal Kleider und Unterkünfte besorgt oder Weiterfahrten organisiert werden." Einige seien "wie in Trance". Ein Mann, der seine Frau bei dem Seebeben verloren habe, habe nicht einmal mehr den Schlüssel zu seiner Wohnung besessen. "Er ist aus dem Taucherparadies in der Hölle gelandet".

Enorme Stressfaktoren

Die Stressfaktoren, die auf die Menschen aus den Katastrophengebieten eingestürzt seien, "sind einfach enorm", weiß auch Ursel Meensen, Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) vom Landschaftsverband Nordrhein. Kriseninterventionsteams aus drei bis fünf geschulten DRK-Helfern betreuen Flughäfen in ganz Deutschland, allein auf dem Flughafen Düsseldorf waren in den vergangenen Tagen laut DRK mehr als 40 Helfer im Einsatz. "Die Arbeit ist hart und wird noch schlimmer, denn in den nächsten Stunden werden wohl immer mehr solche Touristen zurückkehren, die auch selbst Angehörige oder Freunde verloren haben," so Meensen.

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen hat für Betroffene und ihre Angehörigen eine kostenlose Telefon-Hotline geschaltet: 0800 777 2244. Die Hotline ist ab Donnerstag, dem 30. Dezember, von 08.00-22.00 Uhr und auch an Wochenenden erreichbar.

Daniela Pegna/AP / AP