Ölpest im Golf von Mexiko Küstenwache nimmt BP in Schutz


Alles nur leere Drohungen: Die USA sind laut Küstenwache im Kampf gegen die Ölpest in Wahrheit auf BP angewiesen. Der Regierung fehle es an Knowhow. Während der Energiekonzern einen neuen Versuch vorbereitet, das Bohrloch zu verschließen, plant der US-Kongress eine drastische Erhöhung der Ölsteuer.

Der Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko kann nach Einschätzung der US-Küstenwache ohne den Ölkonzern BP kaum gewonnen werden. Die US-Regierung verfüge weder über das notwendige Fachwissen noch über die erforderliche technische Ausrüstung, um das lecke Bohrloch in 1500 Metern Tiefe zu schließen, sagte der Chef der Küstenwache, Thad Allen. Drohungen von Innenminister Ken Salazar, BP notfalls die Federführung in der Bekämpfung des Unglücks zu nehmen, bezeichnete Allen als "metaphorisch". "Durch wen sollte BP ersetzt werden?", fragte der Behördenchef. Er sei regelmäßig in Kontakt mit BP-Chef Tony Hayward und dieser verstehe sehr wohl was von ihm verlangt werde und handle auch entsprechend.

Innenminister Salazar hatte BP zuvor mit Konsequenzen gedroht, sollte es dem britischen Konzern nicht endlich gelingen, das Bohrloch zu schließen. "Wenn wir finden, dass sie nicht das tun, was sie tun sollen, werden wir sie aus dem Weg stoßen", sagte der Minister.

"Top-Kill"-Methode soll Bohrloch stopfen

Das Weiße Haus steht zunehmend in der Kritik, weil es wenig Kontrolle über den Kampf gegen das ausströmende Öl habe. Bislang sind alle Versuche des BP-Konzerns gescheitert, die Ölpest einzudämmen. Auch mit Hilfe von Unterwasser-Robotern wurden die Spezialisten dem Öl nicht Herr.

Frühestens am Mittwoch will BP nun einen neuen Versuch starten, das Leck in 1500 Metern Tiefe am Meeresgrund zu verschließen. Schwerer Matsch und Zement sollen dazu in das Bohrloch gefüllt werden. Allerdings gibt selbst BP-Chef Tony Hayward dem "Top Kill" genannten Verfahren nur eine Erfolgschance von 60 bis 70 Prozent. Man müsse "realistisch" in Betracht ziehen, dass die Aktion noch nie versucht worden sei. Schlage sie fehl, gebe es aber noch weitere Optionen, das Bohrloch zu schließen, sagte Hayward.

Bei dem "Top Kill"-Verfahren wird der Schlamm durch das tonnenschwere Sicherheitsventil, das auf dem Bohrloch sitzt, dem ausströmenden Öl entgegen gepumpt. Ist die Aktion erfolgreich, soll die Quelle anschließend mit Zement versiegelt werden. "Wir hoffen, es funktioniert, aber wollen nicht unrealistisch sein", sagte US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano.

Aktionäre reichen Klage gegen BP ein

Unterdessen droht BP auch an einer anderen Front Ungemach. US-Aktionäre haben Klage gegen den Energiekonzern eingereicht. "Das Deepwater-Desaster hat für BP und seine Tochtergesellschaften finanzielle Konsequenzen, die sich auf Milliarden Dollar belaufen. Diese beinhalten die Haftung für den Schaden an Eigentum, kommerziellen Interessen und an der Tierwelt", heißt es in einer am Montag veröffentlichten Klageschrift. Die Katastrophe habe den Marktwert von BP um 40 Milliarden Dollar geschmälert. Das Gerichtsverfahren im US-Bundesstaat Delaware wurde von dem Privatinvestor Robert Freedman und der Verkehrsbetriebsgesellschaft Southeastern Pennsylvania Transportation Authority (SEPTA) angestrengt. BP äußerte sich zunächst nicht zu den Anschuldigungen.

Kongress plant Vervierfachung der Ölsteuer

Derweil bereitet der US-Kongress die Erhöhung der Ölsteuer vor. Nach den Plänen könnte die Abgabe auf 32 Cent pro Barrel steigen, dies wäre eine Vervierfachung. Über einen Zeitraum von zehn Jahren könnten so etwa elf Milliarden Dollar (rund neun Milliarden Euro) zusammenkommen. Das Geld soll in einen von der Küstenwache verwalteten Fonds fließen, der für die Kosten von Reinigungsaktionen in Wasserwegen aufkommt.

Die Explosion einer von dem britischen Konzern BP genutzten Bohrinsel hatte am 20. April ein Leck am Meeresgrund verursacht, aus dem seither mindestens 23.000 Tonnen Öl ausgeströmt sind. Einige Experten gehen davon aus, dass bereits über 40.000 Tonnen Öl ausgetreten sind, mehr als bei der bislang schwersten Ölkatastrophe in der US-Geschichte, der Havarie der "Exxon Valdez". Die Kosten für die Eindämmung der Ölpest und die Entschädigung von Küstenbewohnern belaufen sich nach Angaben von BP schon jetzt auf 760 Millionen Dollar (608 Millionen Euro). Die endgültigen Kosten seien noch nicht abzuschätzen, erklärte der Konzern am Montag.

DPA/APN/AFP DPA

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