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Polen: Hallendach stürzt auf Messebesucher

Bis zu tausend Besucher waren bei einer Brieftaubenausstellung in den Messehallen nahe Kattowitz, als das Dach unter den Schneelasten zusammenbrach. Einem Polizeisprecher zufolge starben "mehrere Dutzend" Menschen, mehr als 100 wurden verletzt.

Beim Einsturz des Daches einer Messehalle im oberschlesischen Kattowitz sind am Samstag "einige Dutzend" Menschen getötet worden. Das berichtete ein Behördensprecher am Abend im polnischen Nachrichtensender TVN 24. Mehr als hundert Verletzte wurden bislang in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Der polnische Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz machte sich auf den Weg zum Unglücksort. In der Halle, einer Stahlkonstruktion, hielten sich zum Zeitpunkt des Unglücks zwischen 500 und 1000 Besucher einer Brieftaubenschau auf. Viele sind noch verschüttet.

Angehörige der Messebesucher eilten ebenso zum Unglücksort wie Rettungskräfte und freiwillige Helfer. Einigen gelang es, per Mobiltelefon Kontakt mit den Eingeschlossenen aufzunehmen. "Eines unserer größten Probleme ist die Kälte", sagte Jaroslaw Wojtasik, Sprecher der Feuerwehr in Kattowitz. Bei Temperaturen von minus 15 Grad droht die nächtliche Suche nach Verletzten zum Wettlauf mit der Zeit zu werden. Die Retter versuchten von zwei Seiten der zusammengebrochenen Halle zu den Verschütteten vorzudringen. Durch Löcher, die in das Dach geschweißt wurden, versorgen sie die Eingeschlossenen mit heißen Getränken.

Chaotische Szenen

Der Nachrichtensender TVN 24 zeigte Bilder von teils chaotischen Szenen. Im dichten Schnee brachten Rettungskräfte Verletzte in Sicherheit, mehrere Menschen hatten blutende Wunden am Kopf. Feuerwehrmänner hantierten mit Räumgerät, Spezialkräfte mit Sonargeräten und Suchhunden seien unterwegs zum Unglücksort, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Die deutsche Regierung versuchte am späten Abend zu klären, ob auch Deutsche zu den Opfern zählen. Die Botschaft in Warschau und das Generalkonsulat in Breslau seien in Kontakt mit den örtlichen Behörden, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin auf Anfrage. "Über mögliche deutsche Opfer liegen derzeit keine Erkenntnisse vor", sagte sie. Die ARD hatte berichtet, unter den hunderten Verschütteten könnten auch Deutsche sein.

Zahlreiche Vorfälle

Auf der internationalen Messe "Taube 2006", die noch bis Sonntag dauern sollte, stellten auch Brieftaubenzüchter aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und der Ukraine aus. Die Messe hat jedes Jahr mehr als 12.000 Besucher. Die eingestürzte Halle ist mit einer Länge von 150 Metern die größte auf dem Kattowitzer Messegelände.

Das Unglück erinnert an die Tragödie im bayerischen Bad Reichenhall am 2. Januar. Als das schneebedeckte Dach der Eissporthalle einbrach, kamen dort 15 Menschen ums Leben. In den vergangenen Tagen hatte es in Polen bereits mehrere Fälle gegeben, in denen Dächer von Supermärkten oder Einkaufszentren unter dem Druck der Schneedecke nachgaben - die Gebäude konnten jedoch rechtzeitig evakuiert werden.

DPA / DPA