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Trauriger Rekord Reporter ohne Grenzen: 488 Journalisten sitzen weltweit im Gefängnis – so viele wie noch nie

Mann wird von Polizeibeamten hinter Gitterzaun abgeführt
Der japanische Reporter Yuki Kitazumi (l) wird nach seiner Berichterstattung von der Polizei in Myanmar verhaftet
© AP / DPA
Sie berichten über Missstände und wandern dafür ins Gefängnis: Immer mehr Journalisten sitzen weltweit in Haft. Hauptverantwortlich sind dafür die Regierungen in China, Myanmar und Belarus.

Noch nie saßen weltweit so viele Journalisten im Gefängnis wie in diesem Jahr. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hervor. Nur weil sie ihre Arbeit getan haben sind laut RSF derzeit insgesamt 488 Medienschaffende eingesperrt – 428 Männer und 60 Frauen (Stand: 1. Dezember). Das sind 20 Prozent mehr als noch im letzten Jahr, wie die Reporter-Organisation in ihrer Jahresbilanz der Pressefreiheit vom Donnerstag resümiert.

"Dieser außergewöhnliche Anstieg willkürlicher Inhaftierungen ist hauptsächlich auf drei Länder zurückzuführen, deren Regierungen dem Wunsch ihrer Bürger nach Demokratie gleichgültig gegenüberstehen", schreiben die Autoren der Studie – China, Myanmar und Belarus. Mit 127 hat China die meisten Gefangenen, die wegen ihrer Berichterstattung festgenommen wurden. Es folgen Myanmar mit 53, Vietnam mit 43, Belarus mit 32 und Saudi-Arabien mit 31. 

Immer mehr Journalistinnen landen im Gefängnis

Die Zahlen spiegeln wider, wie skrupellos sich autoritäre Machthaber weltweit verhielten, so die RSF-Autoren. Der sprunghafte Anstieg sei auch die Folge neuer geopolitischer Machtverhältnisse, in denen diese Regime zu wenig Gegenwind bekämen. In Myanmar, wo das Militär am 1. Februar 2021 durch einen Putsch die Macht zurückerobert habe, säßen aktuell 53 Journalisten im Gefängnis. Vor einem Jahr waren es noch 2 gewesen. In Belarus, wo Präsident Alexander Lukaschenko im August 2020 seine umstrittene Wiederwahl erreichte, sitzen nun 32 Journalisten hinter Gittern, 7 waren es vor einem Jahr.

Auch die zunehmende Kontrolle Chinas über Hongkong habe zu einer Verschärfung der Lage geführt: Dort sei das nationale Sicherheitsgesetz als Vorwand für die Inhaftierung von derzeit mindestens 10 Journalisten genutzt worden. Zuvor sei Hongkong durch seinen Sonderstatus noch ein regionales Vorbild für die Achtung der Pressefreiheit gewesen.

Der Frauenanteil unter den inhaftierten Medienschaffenden hat sich laut RSF seit 2017 fast verdoppelt. Waren es damals noch rund 6,6 Prozent, sind es inzwischen 12,30 Prozent. Insgesamt seien seit Beginn der RSF-Zählung noch nie soviele Frauen wegen journalistischer Arbeit eingesperrt gewesen. Belarus hat sogar mehr weibliche als männliche Medienleute in seinen Gefängnissen: 15 Männer, 17 Frauen. Reporter ohne Grenzen griff einige Fälle als besonders besorgniserregend heraus. Zu ihnen zählt der Wikileaks-Gründer Julian Assange, dem im Falle einer Auslieferung in die USA bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft drohen.

Mexiko und Afghanistan bleiben gefährlichste Länder

Zugleich sei aber die Zahl der aufgrund ihrer Arbeit getöteten Medienschaffenden mit 46 so niedrig wie seit fast 20 Jahren nicht mehr, heißt es in dem Bericht. Dies lasse sich durch die nachlassende Intensität der Konflikte und Kriege in Syrien, im Irak und im Jemen erklären.

Die  gefährlichsten Länder seien erneut Mexiko mit sieben und Afghanistan mit sechs getöteten Journalistinnen und Journalisten. Nach Angaben der Organisation wurden 65 Prozent der 2021 getöteten Medienschaffenden gezielt ermordet. 

Weltweit gelten derzeit mindestens 65 Medienschaffende als entführt, zwei mehr als im vergangenen Jahr. Nahezu alle Fälle betreffen die selben Länder wie im vergangenen Jahr, nämlich Syrien, Irak und den Jemen. Die einzige  Ausnahme bilde der in Mali entführte französische Journalist Olivier Dubois, der im April entführt worden war.

les DPA AFP

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