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Dokument aus der NS-Zeit: Schindlers Liste wird für 2,4 Millionen Dollar versteigert

Sie rettete im Zweiten Weltkrieg mehr als 1200 Juden vor der Deportation in ein Vernichtungslager: Schindlers Liste. In den USA wird nun eine Originalkopie des Dokuments versteigert. Das Auktionshaus rechnet mit einem "außergewöhnlichen" Interesse. 

Ein Exemplar von Schindlers Liste liegt auf einem Tisch

Von Schindlers Liste gibt es noch sieben Exemplare. Nur eines davon befindet sich in Privatbesitz und wird jetzt versteigert

Schindlers Liste ist eines der bekanntesten Schriftstücke des Zweiten Weltkriegs. Mit dem heute historischen Dokument rettete der Industrielle Oskar Schindler während der NS-Zeit insgesamt mehr als 1200 Juden vor der Deportation in Konzentrationslager, indem er sie als Arbeiter für seine Rüstungsbetriebe anforderte. 

Eines der insgesamt noch sieben existierenden Exemplare kommt nun in den USA unter den Hammer - und könnte einen stattlichen Preis erzielen. Das Anfangsgebot für die laut dem US-Auktionshaus "Moments in Time" derzeit einzige Liste in Privatbesitz beläuft sich demnach auf 2,4 Millionen Dollar, umgerechnet knapp 2,3 Millionen Euro.

Auktionshaus rechnet mit "außergewöhnlichem" Interesse

Bei dem 14-seitigen und auf den 18. April 1945 datierten Dokument handelt es sich laut Gary Zimet, Chef des Auktionshauses, um eine Kopie der Originalliste, wie er dem englischen "Guardian" berichtete. Es soll die Namen von 801 männlichen Juden führen, die nach Schindlers Anforderung aus dem KZ im polnischen Plaszow in dessen Fabrik in Brünnlitz (heute Tschechien) verlegt wurden und so vermutlich dem sicheren Tod entkamen. Das Dokument soll einst dem Neffen von Itzhak Stern, Buchhalter Oskar Schindlers, gehört haben, der die Listen damals neben anderen abgetippt hatte.

"Ich war verblüfft, als ich die Liste das erste Mal in den Händen hielt", sagte Zimet dem Bericht zufolge. Er gehe davon aus, dass es für das Dokument eine "außergewöhnlich" hohe Nachfrage geben werde. 

Oskar Schindler kosteten Rettungsmaßnahmen ein Vermögen

Schindler, der vor dem Krieg als Agent für den Nachrichtendienst der Wehrmacht tätig war und später der NSDAP beitrat, betrieb ab 1939 zunächst nahe Krakau eine Emailwarenfabrik, die er mit jüdischen Zwangsarbeiter betrieb und von der er sich gute Geschäfte versprach. Allerdings missfiel dem Unternehmer, wie grausam die Nationalsozialisten die Menschen behandelten und entschied sich, diese entgegen seiner finanziellen Interessen zu retten.

Als 1944 die Rote Armee auf Krakau vorrückte und damit auch sein Fabriklager geräumt werden musste, bat Schindler das NS-Regime, sein Unternehmen, das längst auch Rüstungswaren produzierte, nach Brünnitz verlegen zu dürfen. Obwohl ihm von der SS nur 1000 Arbeiter genehmigt wurden, schaffte es Schindler gemeinsam mit seiner Frau Emilie durch Bestechungsgelder, Geschenke sowie durch durch List und Täuschungsmanöver insgesamt rund 1200 Menschen auf die Liste zu setzen. Nur so entgingen diese der Verlegung in eines der Vernichtungslager.

Schindler selbst gab später an, mehr als 2,6 Millionen Reichsmark für die Rettungsmaßnahmen investiert zu haben, den Verlust seiner Betriebe nach Kriegsende nicht eingerechnet. Eine Historikern schätzte Schindlers Gesamtaufwand auf eine heutige Kaufkraft von umgerechnet 26 Millionen Euro.

Die Geschichte Oskar Schindlers, der 1974 verstarb, und seiner Arbeiter wurde 1993 von Steven Spielberg in "Schindlers Liste" filmisch aufgearbeitet. Der Film erhielt sieben Oscars.


mod