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25 Jahre "Schindlers Liste": Kino verspricht AfD-Mitgliedern freien Eintritt - doch die Partei ist empört

Ein Kino zeigt den Film "Schindlers Liste" zu dessen 25-jährigen Jubiläum. AfD-Mitglieder haben dabei kostenlosen Eintritt zur Vorstellung. Die Partei fühlt sich auf die Füße getreten - und die Polizei ist aufgrund zahlreicher Drohungen bereits alarmiert.

Kino: Schindlers Liste für AfD-Mitglieder kostenlos

Trotz all dem Hass, der dem Kino "Cinexx" in Rheinland-Pfalz entgegen geworfen wird, sind die AfD-Mitglieder weiterhin herzlich eingeladen, sich die Vorstellung von "Schindlers Liste" anzusehen. Es bleibt abzuwarten, ob von der Partei tatsächlich jemand erscheint (Symbolbild).

DPA

Mitglieder der AfD haben es außerhalb ihres Metiers in der Regel nicht einfach. Überall werden die Ellbogen gegen sie ausgefahren, natürlich im Rahmen der demokratischen Möglichkeiten. Nun aber widerfuhr ihnen mal etwas "Gutes", denn das Kino "Cinexx" im rheinland-pfälzischen Ort Hachenburg hat netterweise jedes Mitglied der Partei zu einer kostenlosen Filmvorstellung eingeladen. Dies berichtete "Bento".

Grund genug eigentlich, um sich über die unerwartete Freundlichkeit gegenüber der Partei zu freuen. Das passiert aber nicht. Stattdessen empört sich die AfD, und im Internet wird massiv gegen das Kino gehetzt.

Wieso? Das erklärt der Blick auf den Filmtitel. Die Betreiber des Kinos luden nämlich zum 25-jährigen Jubiläums des Hollywood-Knallers "Schindlers Liste" ein - bekannterweise ein monumentaler Film über die Verbrechen und Geschehnisse in Nazi-Deutschland. 

Ist dies also irgendwie als ein kleiner Seitenhieb auf die rechtspopulistische Partei zu verstehen? Der AfD-Ableger aus dem mehr als 200 Kilometer entfernten Paderborn (und nicht nur der) hält die Aktion jedenfalls für "ein Beispiel für die Diskriminierung und Verleumdung Andersdenkender", wie sie in einem mittlerweile gelöschten Posting schrieb.

Wollte das Kino wirklich alle AfD-Mitglieder verunglimpfen?

Doch wollten die Kinobetreiber wirklich mit dieser Einladung alle Mitglieder der Partei als Nationalsozialisten abstempeln? In einem Statement des Kinos heißt es: "Unser Ansinnen ist eindeutig nicht die Ausgrenzung oder Diffamierung der AfD, dass sich so viele stark angegriffen fühlen ist nicht unsere Absicht und für uns unverständlich. Wir behaupten überhaupt nicht, AfD Wähler seien Nazis – ob sie geschichtliche Aufklärung benötigen, liegt in ihrem eigenen Ermessen. Nach unserer Einschätzung lässt das AfD Parteiprogramm allerdings doch stark auf eine Verharmlosung der damaligen Ereignisse schließen. [...] Mit der Aktion möchten wir einen Ort zum Gespräch anbieten. Nach dem Film wird es dazu die Möglichkeit geben." 

Man sehe das Kino als Ort der Begegnung, Filme würden gesellschaftliche Diskussionen anregen, ließ man verlauten. Auch habe man einen Bildungsauftrag, im Hause "Cinexx" in Hachenburg gibt es Veranstaltungen solcher Art öfter: Mit Migranten, Schulklassen, Kitas und Frauenhäusern gebe es in ihrem Haus oft ähnliche Veranstaltungen, sagte die Programmverantwortliche Karin Leicher auf Nachfrage von "Bento". Einmal im Monat zeigt das Cinexx auch aktuelle "unterrichtsrelevante Filme" für Pädagoginnen und Pädagogen, ebenfalls mit freiem Eintritt. Über solche Gratisangebote hätten sich die Menschen aber bisher nicht beschwert.  

Einladung zur Filmvorstellung löst handfesten Shitstorm aus

Seit der Bekanntmachung der Aktion sieht sich das Kino nun einem heftigen Shitstorm aus dem rechten Milieu ausgesetzt. Droh-Mails und Videos tauchten auf, Gewalt wurde offen angedroht: "Verfickte Schweineköpfe" oder "Rotfaschisten" wurden sie geschimpft, sagte Leicher zu "Bento". Das wurde so eklatant, dass Leicher am 31. Dezember die Polizei einschaltete.

Die Vorstellung selbst soll am 27. Januar stattfinden. Das ist nicht zufällig gewählt, sondern markiert den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Außerdem: "Schindlers Liste" feiert 25-jähriges Jubiläum der deutschen Erstaufführung. Ob Polizei während der Veranstaltung anwesend sein wird, ist bisher unklar. Erst müssen die Drohungen gesichtet werden. Und ob dann am Ende wirklich AfD-Mitglieder kommen und sich den Film ansehen, das wird sich noch zeigen. Die Zeichen stehen schlecht. 

Quellen: "Bento", "Der Westen", "Hamburger Morgenpost"

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wlk