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Ungewöhnliche Zermürbungstaktik "Genug ist genug": Schulbus-Entführer gibt frustriert auf, weil ihn die Kinder mit Fragen löchern

Ein typisch amerikanischer School Bus in gelber Farbe
Weit kam ein Busentführer in South Carolina nicht - nach nur vier Meilen hatten ihn knapp 20 Schulkinder mit ihren Fragen zermürbt (Symbilbild)
© Erwin Wodicka / Picture Alliance
Er konnte offensichtlich nicht mehr: In den USA haben 18 Kinder den Entführer ihres Schulbusses quasi zur Aufgabe gezwungen. Wie? Indem sie den Mann einfach Löcher in den Bauch fragten.

Spezialkräfte, Verhandlungsexperten, jede Menge Sanitäter: Gerade Busentführungen sind in der Regel mit einem Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften verbunden. In South Carolina jedoch nahm ein solcher Vorfall ein ziemlich ungewöhnliches – und glücklicherweise zudem unblutiges – Ende. Wie Kenneth Corbin, Fahrer eines Anfang Mai entführten Schulbusses, dem US-Sender abc News jüngst in einem Interview verriet, waren es die anwesenden 18 Schulkinder höchstpersönlich, die den Entführer quasi zur Aufgabe zwangen – indem sie ihn mit ihren Fragen nach nur wenigen Minuten zur Verzweiflung gebracht hatten.

Der Entführer, ein am Fort Jackson stationierter Armeeauszubildender, hatte den Bus laut Polizei am Morgen des 5. Mai mit einem Sturmgewehr bewaffnet in seine Gewalt gebracht, um, so die Ermittlungen, in seine gut 1000 Kilometer entfernte Heimat New Jersey zu flüchten. Den Angaben zufolge befahl der 23-Jährige dem Fahrer zunächst in die nächste Stadt zu fahren, anschließend habe er die verstreut sitzenden Schüler aufgefordert, sich im vorderen Teil des Busses zu versammeln. Ein verhängnisvoller Fehler. 

Busentführer wird Fragen-Salve zu viel

Denn statt in Angst zu erstarren, fingen die Kinder sogleich an, den Entführer mit Fragen zu löchern. Schon auf die erste Frage, ob er ein Soldat sei, habe der Mann nur zögernd mit "Ja" geantwortet, so Corbin. Die Kinder ließen nicht locker. "Warum machst du das?", hakten sie nach, bekamen aber keine Antwort. Also ging es laut Corbin weiter: "Wirst du uns verletzen?" (Antwort: "Nein."), "Wirst du unseren Busfahrer verletzen?" (Antwort: "Nein, ich werde dich aus dem Bus rausschmeißen."). Offensichtlich zu viel für den gestressten Mann.

Er denke, so der Busfahrer "in seinem Kopf machte etwas klick und er sagte: 'Genug ist genug'". Vermutlich habe der Entführer gespürt, dass weitere Fragen kommen würden. Er habe ihn schließlich aufgefordert den Bus zu stoppen. "Als sie anfingen, ihn zu befragen, schien es ihn zu frustrieren, weil sein Hauptziel darin bestand, in die nächste Stadt zu kommen", so Corbins Erklärung für die abrupte Aufgabe. "Ich glaube, wir waren da ungefähr vier Meilen unterwegs." 

Busfahrer nennt Schulkinder "meine Helden"

Der Verdächtige wurde laut dem Sender Wis News noch am selben Tag festgenommen, er sitzt inzwischen in Haft. Wie sich herausstellte, war das von ihm bei seiner Flucht entwendete M4-Sturmgewehr zwar nicht geladen, dennoch müsse sich der 23-Jährige bald fast zwei Dutzend Anklagen stellen, heißt es. Darunter Entführung in 19 Fällen sowie weitere Einzelfälle von bewaffnetem Raub mit einer tödlichen Waffe sowie das Tragen einer Waffe auf einem Schulgelände. 

Eine weiße, blonde Frau in weißem Abendkleid und mit goldenen Ohrringen schaut ernst in die Kamera

Busfahrer Corbin, den Berichten zufolge für derartige Situationen speziell geschult, zeigte sich rückblickend erleichtert – vor allem aber stolz auf seine kleinen Fahrgäste: "Es war so offensichtlich, dass sie eine wertvolle Fracht waren, und ich musste einfach alles tun, um sie sicher und gesund aus dem Bus zu bekommen." Und weiter: "Es schien, als würden sie das Gleiche mit mir machen, und deshalb bezeichne ich sie als meine Helden."

Quellen:Interview abc News / ABC News / Wis News

mod

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