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Taifun "Haiyan": Einer der stärksten Stürme aller Zeiten wütet auf den Philippinen

Er ist der weltweit bisher heftigste Sturm des Jahres und zählt zu den vier stärksten Wirbelstürmen, die je gemessenen wurden. Auf den Philippinen schlägt Taifun "Haiyan" eine Schneise der Verwüstung.

Der mächtigste Taifun seit etwa drei Jahrzehnten ist am Freitag über die Philippinen hereingebrochen. Hunderttausende Menschen waren vor "Haiyan" aus ihren Häusern und den Küstenregionen geflohen. Mehr als 680.000 Menschen mussten ihre Häuser in Küstengebieten oder anderen gefährdeten Regionen verlassen, wie die Behörde für Katastrophenschutz mitteilte. 22 Provinzen seien betroffen. Der Taifun wirbelte mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometer in der Stunde, berichtete ein Wetterdienst. Andere Quellen sprachen sogar von Böen von bis zu 379 Stundenkilometern.

"Haiyan" erreichte die Küste in der Provinz Eastern Samar, rund 650 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Manila. In der Region fielen Strom und Telefone aus. Über das Ausmaß von Schäden und die Zahl der Opfer lagen deshalb zunächst keine umfassenden Angaben vor. Kurz, nachdem der Wirbelsturm die Küste erreicht hatte, meldete die Regierung drei Tote und sieben Verletzte. Zwei der Opfer seien von Stromschlägen getötet worden, sagte Eduardo Del Rosario, der Leiter der Behörde für Katastrophenschutz. Der dritte Tote, ein zweijähriger Junge, wurde vom Blitz getroffen. Die Behörden befürchten, dass der Sturm auf dem Weg über den asiatischen Inselstaat weitere Menschen tötet. Die meisten Verletzten kamen durch umherfliegende Trümmer zu Schaden.

Katastrophale Zerstörungen erwartet

In der Region und in Nachbarprovinzen waren Schulen und Behörden geschlossen geworden. Zwölf Flughäfen stellten den Verkehr ein, ebenso die Fährhäfen. Der Katastrophenschutz richtete zahlreiche Notunterkünfte ein.

Er erwarte "katastrophale" Zerstörungen in dem Fischerort Guiuan, der als erster auf "Haiyans" Weg lag, sagte der US-Meteorologe Jeff Masters vom Wetterdienst Weather Underground.

Guiuan war unmittelbar nach dem Eintreffen des Taifuns von der Außenwelt abgeschnitten. In der benachbarten Stadt Tacloban wurden Straßen überschwemmt und Häuser zerstört. Vor dem Sturm waren landesweit mehr als 125.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Schulen blieben geschlossen, hunderte Flüge wurden gestrichen. Auf der Insel Bohol, wo seit einem Erdbeben im Oktober mit mehr als 220 Todesopfern zahlreiche Menschen noch immer in Zeltstädten leben, mussten tausende Menschen in Notunterkünfte gebracht werden.

Heftigster Sturm des Jahres

"Haiyan" gehört mit Spitzen-Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometer pro Stunde laut Deutschem Wetterdienst (DWD) zu den vier heftigsten Taifunen, die je gemessen wurden. "Die Böen können über 360 Kilometer pro Stunde erreichen. Damit ist dieser Taifun der stärkste, der jemals auf Land getroffen ist", sagte DWD-Meteorologe Christian Herold am Freitag in Offenbach.

Zum Vergleich: Das Orkantief "Christian" vor einigen Wochen in Deutschland brachte Windgeschwindigkeiten von 190 km/h in Böen. "Im Vergleich zu diesem Taifun war das ein Kindergeburtstag", sagte Herold.

Die Lage auf den Philippinen sei sehr kritisch: "Es wird verbreitet schwere Schäden geben, und im Freien ist man dort wirklich nirgends mehr sicher." Dazu kämen kräftige Niederschläge und Fluten.

Nachdem "Haiyan" seinen Höhepunkt bereits erreicht habe, ziehe er nun weiter Richtung Westen aufs offene Meer. Dort werde er sich abschwächen und vermutlich am Sonntag Vietnam erreichen. "Dann wird er aber bei weitem aber nicht mehr so schlimm sein", sagte Herold.

"Haiyan" ist der weltweit bislang heftigste Sturm dieses Jahres. Die Philippinen werden jedes Jahr von rund 20 heftigen Stürmen getroffen. Dabei kommen regelmäßig zahlreiche Menschen ums Leben.

anb/DPA/AFP / DPA