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Streit um Hinweisschilder "Fliegendes Spaghettimonster" gewinnt gegen Kirchen in Brandenburg

Rüdiger Weida  hat einen langen weißen Bart und ist gekleidet wie ein Pirat
Rüdiger Weida von der "Kirche des fliegenden Spaghettimonsters" neben dem Hinweisschild für die "Nudelmesse" in Templin. Das Foto entstand 2016, der Streit hatte schon zwei Jahre vorher begonnen
© Patrick Pleul/ / Picture Alliance
Im brandenburgischen Templin tobt seit Jahren ein Streit, der jetzt ein Ende hat. Sehr zur Freude einer Spaß-Religion. Die "Pastafari" dürfen offiziell mit Schildern für ihre "Nudelmessen" werben.

Gestartet sind die Anhänger der "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" ursprünglich in den USA als Satirebewegung. Inzwischen machen die Mitglieder dieser Spaß-Religion aber weltweit immer wieder mit ernstzunehmenden juristischen und politischen Auseinandersetzungen von sich reden. Der jüngste Streit wurde in Templin Ende Oktober von den Abgeordneten im Rathaus entschieden – zu Gunsten einer Handvoll "Pastafari".

Denn an den Einfahrten zu der 16.000-Einwohner-Stadt im Norden Brandenburgs dürfen sie künftig ihre Hinweisschilder für ihre sogenannte Nudelmesse anbringen, die demzufolge freitags vormittags um 10 Uhr stattfindet. Auch die Hinweise auf Gottesdienste der katholischen und der evangelischen Kirche sowie der evangelischen Freikirche sind an den Ortseingängen angeschlagen – genau daran hatte sich der Streit entzündet.

Denn die "Spaghettimonster"-Jünger gehören keiner Kirche an und sind als Religionsgemeinschaft hierzulande nicht anerkannt. Die "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V." ist, wie der Name es schon sagt, ein Verein. Die Bewegung versteht sich eigenen Angaben zufolge als eine Weltanschauung.

Knappes Votum für Schilder des "Fliegenden Spaghettimonsters"

Die Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung erfolgte vor etwas mehr als einer Woche – und die Entscheidung findet inzwischen auch international vereinzelt Beachtung. Eine Handvoll Pasta-Jünger mit erfundenen religiösen Riten siegt gegen alteingesessene Kirchen und andere Gegner des skurrilen Vereins. Das hat schon was.

Der Streit in Templin tobt seit 2014 und landete auch schon vor Gericht, zeitweise hatten die "Spaghettimonster"-Anhänger ihre "Gottesdiensthinweise" unter die der regulären Kirchen gehängt, was ihnen untersagt wurde. Als Kompromissvorschlag hatte Templins Bürgermeister angeregt, die Schilder an den Masten anzubringen, an denen auch auf die Städtepartnerschaften des Ortes hingewiesen wird. Bei dieser Lösung wird es nach der Entscheidung der Stadtverordneten wohl bleiben.

Erstaunt und ein bisschen belustigt berichteten lokale und überregionale Medien seit Jahren immer wieder über den Streit. Diesen focht auf Seiten der Templiner "Pastafari" vor allem ein Mann namens Rüdiger Weida aus, alias "Bruder Spaghettus", inzwischen 70 Jahre alt und seines Zeichens Satiriker, Blogger und Aktionskünstler, der auf Fotos ein bisschen wie ein Pirat aussieht – auch dies ist ein Erkennungsmerkmal der Nudel-Gläubigen.

Er, seine Frau und sein Sohn bilden den Templiner Verein hauptsächlich, wie aus Berichten über den Fall hervorgeht. Man kann bei der brandenburgischen Spaghettimonster-Bewegung also nicht von einem Phänomen in kirchlichen Dimensionen sprechen. Aber sie ist medienwirksam, was offenbar auch den örtlichen Politikern der Linken und der Fraktion Uckermärker Heide gefiel. Denn diese brachten den Antrag für die Erlaubnis der Hinweistafeln ein, dem schließlich zugestimmt wurde. Unter anderem, weil die Lokalpolitiker dieser Parteien der Ansicht sind, Templin habe durch den Fall einen "erheblichen Bekanntheitsgewinn erhalten". Außerdem könne der Ort mit der Genehmigung eines solchen Schildes Toleranz und Weltoffenheit ausdrücken.

Medienpräsent sind sie wirklich, die "Pastafari". Es gab Gerichtsverfahren, in denen es darum ging, ob Anhänger auf Passfotos mit Nudelsieb auf dem Kopf abgebildet werden dürfen. Wenn es nach den "Spaghettimonster"-Jüngern geht, wird der Streit um die Frage von Weltanschauung und "religiöser" Kopfbedeckung irgendwann vom Bundesverfassungsgericht oder dem Europäischen Gerichtshof entschieden. 2015 ging eine Meldung um die Welt, wonach die "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" in Neuseeland Trauungen vornehmen darf.

Der Krach in der kleinen Stadt Templin war also auch Ausdruck eines globalen Phänomens. Die Entscheidung zugunsten des Hinweisschilds wurde mit einem denkbar knappen Votum getroffen: zehn Ja-Stimmen, acht Gegenstimmen und vier Enthaltungen. Vertreter der anerkannten Kirchen hatten zuletzt erheblichen Widerstand geleistet und den Nudeljüngern vorgeworfen, andere Religionen zu verunglimpfen und mit religiösen Symbolen, Texten und Riten Schindluder zu treiben.

"Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" bedient sich religiöser Elemente

Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen: Viele Bausteine der "Nudelmesse" erinnern an liturgische Elemente anderer Religionen: Es gibt eine Nudel-Kommunion und auch eine Lesung vom Nudelholz, bei dem man unwillkürlich an die Torarolle erinnert wird. Zudem kennen die "Pastafari" Feiertage wie das Passtahfest, den Ramendan oder den Garfreitag – Anklänge an das Judentum, den Islam und das Christentum sind vermutlich beabsichtigt und polarisieren.

Dass manche religiöse Menschen die "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" nicht witzig finden, liegt auf der Hand. Und so wird die Meldung von der Entscheidung des Templiner Schilderstreits wohl nicht die letzte dieser schrägen Spaß-Religion sein.

Quellen: Stadt Templin, "Heise Online", "Hans-Albert-Institut", "Market Research Telecast" "MOZ.de", "Sat1 Frühstücksfernsehen"

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