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Parteien: FDP laufen die Mitglieder weg, Grüne holen auf

Nicht nur bei den Umfragewerten, auch bei den Mitgliederzahlen schwächelt die FDP. Mit dem Schwund müssen die Liberalen allerdings nicht allein leben. Nur eine Partei verzeichnete Zulauf.

Die im Umfragetief steckende FDP hat in diesem Jahr auch den Rückhalt tausender Parteimitglieder verloren und wird laut "Frankfurter Rundschau'" (FR) zum Jahreswechsel voraussichtlich von den Grünen überholt. Allein bis Ende Juni ging die Zahl der FDP-Mitglieder um knapp 3000 auf 60.181 Mitglieder zurück, wie ein Sprecher der Liberalen am Samstag bestätigte. Die Grünen zählten Mitte Dezember 59.727 Mitglieder.

Die Mitgliederentwicklung in mehreren Bundesländern deute darauf hin, dass sich der Negativtrend bei der FDP im zweiten Halbjahr fortgesetzt habe, berichtete die "FR" am Samstag. "Erkenntnisse, dass es deutliche Mitgliedergewinne gegeben hat, liegen uns nicht vor", sagte FDP-Sprecher Wulf Oehme der Zeitung.

Grüne gewinnen 650 Mitglieder

Die Mitgliederentwicklung für das ganze Jahr 2012 werde die Partei im Januar, voraussichtlich aber nicht mehr vor dem Dreikönigstreffen veröffentlichen, sagte Oehme der Nachrichtenagentur AFP. Die Partei warte noch die Zahlen aus den Landesverbänden ab. Im brandenburgischen Templin sei beispielsweise in jüngster Zeit die halbe Ortsgruppe - sechs Personen - ausgetreten. In Peitz bei Cottbus habe es aber auch eine Neugründung gegeben. Die Partei hofft nun auf 2013: Es sei nahezu Tradition, dass es in Wahljahren einen deutlichen Zuwachs gebe, um den liberalen Gedanken zu stärken. Laut "FR" hatte die FDP schon 2011 mehr als 5000 Mitglieder verloren.

Außer der FDP verzeichneten dem Bericht zufolge auch CDU und SPD in diesem Jahr rückläufige Mitgliederzahlen. Die SPD, die nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen zur Jahresmitte kurzzeitig die CDU überholt hatte, lag demnach Ende November mit 477.803 Mitgliedern wieder hinter der CDU mit 478.810 Mitgliedern. Die Grünen verbuchten nach 59.074 Mitgliedern Ende 2011 einen Zuwachs von 650 Mitgliedern.

Der Parteienforscher Oskar Niedermayer begründete den Mitgliederrückgang bei den Liberalen damit, dass niemand "zu den Verlierern gehören" wolle. Für eine Trendwende müsse "sehr viel klarer werden, für was die Partei überhaupt steht", sagte er der "FR". Auch ein Wechsel an der Parteispitze könne helfen. "Die Bürger nehmen Philipp Rösler als Politiker nicht ernst", sagte Niedermayer.

Rösler richtet Blick auf Niedersachsen-Wahl

FDP-Parteichef Philipp Rösler hatte am Freitag offengelassen, ob er sich im kommenden Jahr erneut um das Amt des Parteivorsitzenden bewerben will. "Jetzt konzentrieren wir uns erst mal auf Niedersachsen", sagte er mit Blick auf die Landtagswahl am 20. Januar. Bei der Niedersachsen-Wahl gehe es darum, "dass wir nicht nur in den Landtag hineinkommen, sondern dass wir in Regierungsverantwortung verbleiben", sagte Rösler. Personaldebatten lehnte er zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) trieb hingegen die Debatte um die Zukunft von Parteichef Rösler weiter voran. Es sei "ein Zeichen von innerparteilicher Demokratie", wenn sich auf dem FDP-Bundesparteitag im Mai mehrere Kandidaten um das Amt des Bundesvorsitzenden bewerben würden, sagte das FDP-Präsidiumsmitglied dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Die FDP müsse mit dem "stärkstmöglichen Führungsteam" in die Wahl gehen, forderte Niebel.

Sowohl in Niedersachsen als auch im Bund liegt die FDP in den meisten Umfragen unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde. Mehrere FDP-Politiker hatten in den vergangenen Tagen Zweifel erkennen lassen, ob Rösler als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl geeignet sei. Niebel hatte bereits gesagt, der Parteichef müsse nicht zugleich Spitzenkandidat sein.

tkr/DPA/AFP / DPA