Transrapid-Unglück Aufräumen, identifizieren, ermitteln


Nach dem Unglück auf der Transrapid-Teststrecke gehen die schwierigen Aufräumarbeiten weiter. Experten versuchen, den 23 Leichen die richtigen Namen zuzuordnen. Und die Polizei analysiert den Funkverkehr vor dem Unglück.

Einen Tag nach dem schweren Unglück auf der Transrapid-Versuchsstrecke im Emsland sind die Aufräumarbeiten am Samstagmorgen wieder aufgenommen worden. Wie Polizeisprecher Achim van Remmerden sagte, stehen aber vor allem die Identifizierung der insgesamt 23 Toten sowie die Ermittlungen zur Unfallursache im Laufe des Tages im Vordergrund. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, der nach der Katastrophe seine China-Reise abgebrochen hatte, will sich am Vormittag vor Ort ein Bild vom Geschehen machen. Nach den Worten des Polizeisprechers werden die Aufräumarbeiten mehrere Tage in Anspruch nehmen. Van Remmerden betonte aber, in den Trümmern der verunglückten Magnetschwebebahn und des ebenfalls an der Kollision beteiligten Werkstattwagens befänden sich nach menschlichem Ermessen keine Toten mehr. Es werde auch niemand mehr vermisst. Bis zum Freitagabend wurden alle 23 Toten geborgen. Außerdem waren bei dem Unfall zehn Menschen zum Teil schwer verletzt worden.

Ebenfalls bereits am Morgen begannen die Experten vor Ort wieder mit der Spurensicherung. Von deren Verlauf sollte auch abhängen, wann die Magnetschwebebahn geborgen werden kann, wie Polizeisprecher Ewald Temmen in Lathen sagte. Nach seinen Worten wird im Lauf des Samstags auch ein Sachverständiger zur Unterstützung der Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei erwartet. Auch die Identifizierung der Leichen wird von externen Fachleuten unterstützt. Den Polizeiangaben zufolge sind die Namen der Opfer zwar bekannt, es stand aber noch die Zuordnung zu den geborgenen Leichen aus.

Noch keine genaueren Erkenntnissen gab es laut van Remmerden über die Unglücksursache. Justizbehörden und Betreiberfirma gehen aber nach ersten Ermittlungen von menschlichem Versagen aus, da der Transrapid für die Testfahrt keine Freigabe hätte erhalten dürfen, solange sich die Arbeitsplattform noch auf der Strecke befand. Die mit gut 30 Menschen besetzte Magnetschwebebahn war auf der Versuchsstrecke mit etwa 170 Stundenkilometern ungebremst in den Werkstattwagen gerast, in dem sich zwei Mitarbeiter der Anlage befanden. Sie schob sich unter die Arbeitsplattform, die auf das Dach des Zuges geschleudert wurde. Der zerstörte Zug blieb auf dem Fahrweg stehen.

Die Bergung der Opfer war deshalb schwierig, weil die Trasse in etwa vier Metern Höhe auf Betonständern verläuft. Die Feuerwehr setzte Leitern und Kräne ein, um an den Zug zu kommen.

Daten des Funkverkehrs beschlagnahmt

Mit dem Werkstattwagen wird die Strecke einmal am Tag von Ästen und Dreck gereinigt. Laut Staatsanwaltschaft darf der Transrapid erst losfahren, wenn der Arbeitswagen die Strecke wieder verlassen hat. Dies melden die Mitarbeiter auf dem Werkstattzug per Telefon, wie es hieß. Die Daten über den Funkverkehr zwischen Zug und Fahrdienstleitung wurden von den Ermittlern beschlagnahmt.

Bereits am Freitagabend war Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Unglücksstelle gefahren und hatte den Angehörigen der Opfer ihr Beileid ausgesprochen. "Ich möchte durch meine Anwesenheit zeigen, dass meine Gefühle bei den Menschen sind", sagte sie. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sprach ebenfalls vor Ort von einem "tragischen und grausamen Unfall".

AP AP

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