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Wali Scharfschütze aus Kanada kämpft in der Ukraine: "Wenn die Zeit kommt, werde ich nicht zögern"

Scharfschütze Wali kämpft in der Ukraine
Scharfschütze Wali will die Ukraine unterstützen (Symbolbild)
© PeopleImages / Getty Images
Er nennt sich nur Wali – und war als Scharfschütze bereits in Afghanistan sowie im Kampf gegen den IS im Einsatz. Kurz nach Kriegsbeginn hat sich der Kanadier auf die Reise in die Ukraine gemacht, um das angegriffene Land zu unterstützen.

"Die Zeit ist gekommen, um an die Front zu gehen", schrieb der Mann, der sich nur "Wali" nennt, am 27. Februar auf seine Facebook-Seite. Drei Tage zuvor war in der Ukraine Krieg ausgebrochen, weil Russland das Land angegriffen hatte. Die Entscheidung des Kanadiers stand schnell fest: Er wollte seine Fähigkeiten in den Dienst der Ukraine stellen und gegen die russischen Truppen kämpfen.

Ein Freund aus der Ukraine habe ihn angerufen und um Hilfe gebeten, erzählte Wali dem kanadischen Fernsehsender CBC. Er musste nicht lange überlegen. Für ihn war klar: "Ich muss helfen. Hier werden Leute bombardiert, nur weil sie Europäer sein wollen und nicht Russen", sagte er. Seitdem ist er im Kriegsgebiet unterwegs und dokumentiert seine Einsätze auf der Facebook-Seite "La Torche et l'Épée" – auf Deutsch: "Das Schwert und die Fackel".

Ukraine: Scharfschütze Wali folgt dem Ruf der Regierung

Nach seiner Ankunft in der Ukraine kam er zusammen mit anderen ausländischen Kämpfern zunächst in einem verlassenen Haus unter. Die Männer wurden von einer ukrainischen Spezialeinheit kontrolliert, das Misstrauen der einheimischen Soldaten habe sich aber schnell gelegt, so Wali: "Wir wurden rasch Freunde." Eindrücklich beschreibt er die Zustände vor Ort, das Land gleite "in eine wahre Apokalypse ab". Die Bevölkerung suche Zuflucht in Kellern und Notunterkünften, vieles erinnere ihn an den Zweiten Weltkrieg.

Die Menschen in den von Krieg und Gewalt betroffenen Gebieten in der Ukraine brauchen unsere Hilfe. Die Stiftung stern arbeitet mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen, die von uns geprüft wurden. Wir leiten Ihre Spende ohne Abzug weiter. Über diesen Link kommen Sie direkt zu unserem Spendenformular.
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Was genau seine Aufgaben sein werden und wo er eingesetzt wird, verrät der Soldat auf seiner Facebook-Seite nicht. Am 10. März vermeldete er lediglich, dass die Vorbereitungen für seinen Einsatz begonnen hätten: "Wir müssen Infos sammeln, wo ist der Feind, wie können wir vorrücken?" Mehr Einzelheiten könne er aber nicht preisgeben, so der Kanadier. "Ich mag den Gedanken, Menschen umzubringen, nicht. Aber wenn die Zeit kommt, den Abzug zu betätigen, werde ich nicht zögern", sagte er der britischen Zeitung "Daily Mail". Er habe sich wie "ein Feuerwehrmann, der den Alarm hört", gefühlt, beschreibt Wali seine Entscheidung, in den Krieg für ein fernes Land zu ziehen.

Dazu ist der 40-Jährige auch bereit, Opfer zu bringen. Möglicherweise wird er den Geburtstag seines kleinen Sohnes verpassen. Seine Ehefrau war davon nicht besonders begeistert: ""Sie können sich vorstellen, was sie gesagt hat und wie sie denkt", sagte Wali zu CBC. Der ehemalige Elitesoldat wohnt in Québec und arbeitet mittlerweile als Programmierer. Nach dem russischen Einmarsch folgte er aber dem Ruf der ukrainischen Regierung, die Ausländer mit Kampferfahrung um Unterstützung bei der Verteidigung des Landes gebeten hatte.

Erfahrung in Afghanistan und im Kampf gegen den IS

Wali gehörte dem 22. Regiment der kanadischen Armee an und war zweimal in Afghanistan im Einsatz. Nach zwölf Jahren verließ er 2015 die Armee, meldete sich aber als Freiwilliger, um im Irak als Freiwilliger gegen den IS zu kämpfen.

Medien hatten berichtet, dass er der kanadische Scharfschütze sei, der 2017 einen IS-Kämpfer aus mehr als 3,5 Kilometern Entfernung ausgeschaltet und damit einen Weltrekord aufgestellt hatte. Der Kanadier verweist solche Behauptungen in einem Facebook-Post hingegen ins Reich der "Legende" und gibt sich ganz bescheiden: "Ich bin bei weitem nicht der beste Scharfschütze", meint er: "Ich bin nur ein guter Soldat." 

Quellen: "La Torche et l'Épée" auf Facebook / CBC / CNN / "Daily Mail"

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