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Unglück: Zweiter Flugzeugabsturz innerhalb von zwei Tagen

In Venezuela ist ein Flugzeug mit 160 Menschen an Bord abgestürzt. Der Funkkontakt zur Maschine war abgerissen, nachdem der Pilot Triebwerksprobleme meldete. Die meisten Passagiere an Bord der McDonnell Douglas - einem als zuverlässig geltenden Flugzeugtyp - waren Touristen.

Zweites schweres Flugzeugunglück innerhalb von zwei Tagen: Eine kolumbianische Passagiermaschine ist in Venezuela mit 160 Menschen an Bord abgestürzt. Venezolanische Journalisten berichteten von der Unglücksstelle, die Rettungsmannschaften hätten keine Überlebenden gefunden. Zunächst seien nur rauchende Trümmerteile des Fluges mit der Nummer WCW-708 gefunden worden.

Der Pilot der Maschine der kolumbianischen West Caribbean Airways habe um 3.07 Uhr (Ortszeit) noch Notrufe absetzen können, in denen er von Problemen in einem der beiden Triebwerke berichtete. Dann sei ein Triebwerk ausgefallen, sieben Minuten später auch das zweite. Danach brach der Funkkontakt zu dem Flugzeug ab.

Die Maschine vom Typ McDonnell Douglas MD-82 war am frühen Morgen in eine bewaldete Gebirgsregion im Nordwesten des Landes in der Nähe der Grenze zu Kolumbien gestürzt, nachdem sie Probleme mit beiden Triebwerken hatte.

Schwierige Such- und Rettungsarbeiten

Nach Angaben des Direktors der Luftfahrtbehörde Venezuelas, Franciso Pàez, wurden die Such- und Rechtungsarbeiten in der Region durch schlechte Witterung behindert. Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Panama nach Martinique auf den Antillen.

Der französische Präsident Jacques Chirac hat "mit großer Bestürzung" auf den "schrecklichen Flugzeugabsturz" in Venezuela reagiert. Dabei sei "eine große Zahl von Franzosen ums Leben gekommen", sagte Chirac nach Angaben des Präsidialamtes in Paris.

Bei den Passagieren des kolumbianischen Flugzeugs handelte es sich um Bürger der zu Frankreich gehörenden Antilleninsel Martinique, die sich auf dem Rückweg von einem Urlaub in Panama befanden. Die achtköpfige Besatzung stammte aus Kolumbien.

Am Flughafen Martiniques, wo das Flugzeug landen sollte, wurde ein Krisenstab eingerichtet, um sich um die Familienangehörigen der Opfer zu kümmern. Dutzende Menschen, die die Passagiere abholen wollten, wurden am Flughafen in einen abgeschirmten Sonderteil gebracht. Manche von ihnen waren in Tränen aufgelöst.

80er Jahre Flugzeug

Das zweistrahlige Düsenflugzeug vom Typ McDonnell Douglas gehört zu den zahlreichen Varianten in der erfolgreichen und weit verbreiteten MD-80-Familie. Es bietet bis zu 172 Passagieren Platz, die abgestürzte Maschine der West Caribbean Airways war für 155 Fluggäste ausgestattet.

Hersteller waren die McDonnell-Douglas-Werke in Long Beach, Kalifornien, die 1997 von Boeing übernommen wurden. Die MD-80 wurde 1977 konzipiert und gilt als erfolgreichste Variante der DC-9-Reihe. Besonders Anfang der 80er Jahre war sie sehr gefragt.

Die MD-80-Baureihe gilt als sehr zuverlässiges Flugzeug, das allerdings auch in der Vergangenheit von schweren Unfällen nicht verschont blieb. Inzwischen haben viele Fluggesellschaften begonnen, Maschinen dieses Typs auszumustern und gegen moderne vom Typ Airbus A 320 oder Boeing 737 zu ersetzen. Vor allem in den USA ist die MD-80-Familie auch heute noch viel im Einsatz.

Die Gesellschaft West Caribbean Airways war 1998 gegründet worden und hatte ihren Flugbetrieb 2000 aufgenommen. Die regionale Fluglinie hat ihren Sitz in der kolumbianischen Großstadt Medellín. Erst am 26. März dieses Jahres waren bei dem missglückten Start einer Maschine der Fluggesellschaft von Providencia in Kolumbien die beiden Piloten und sechs der zwölf Passagiere ums Leben gekommen.

DPA/AP / AP / DPA