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Unwetter: Nordseeküste rüstet sich für Sturmflut

Ein Orkan mit Geschwindigkeiten von bis zu 105 Stundenkilometern hat sich über Europa zusammengebraut: In Norddeutschland droht Sturmflut, im Hafen von Rotterdam wurden die Fluttore geschlossen, der Schiffsverkehr eingestellt.

Mehrere Länder an der Nordseeküste bereiten sich auf die erste schwere Sturmflut des Herbstes vor. An der deutschen Nordseeküste, in den Niederlanden und in Großbritannien wird mit schwerem Sturm und Überschwemmungen der Küstenregionen gerechnet. Meteorologen warnen vor Stürmen mit Orkanböen von mehr als 100 Stundenkilometern und einer schweren Sturmflut. Im Laufe des Tages werden Wasserstände von bis zu zweieinhalb Metern über dem mittleren Hochwasser erwartet, sagte Maria Boethling vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg am Freitagmorgen. Als erstes soll die Flut Borkum gegen 10.30 Uhr erreichen.

Im Osten Englands wurden tausende Menschen aufgerufen, sich vor möglicherweise schweren Überschwemmungen durch die Sturmflut in der Nordsee in Sicherheit zu bringen. In manchen Regionen bestehe weiter "extreme Lebensgefahr", warnte die Umweltbehörde. Mehrere hundert Häuser in Küstennähe seien gefährdet, erklärten die Behörden am Freitagmorgen. Fast 1000 Menschen verbrachten die Nacht zum Freitag in Notunterkünften. Auch das Themse-Flutwehr nahe der britischen Hauptstadt London wurde geschlossen.

In der Nacht erwartete Sturmflut blieb aus

Die Niederlande haben zum ersten Mal überhaupt das 1997 fertiggestellte Sturmflutwehr vor dem Rotterdamer Hafen wegen des hohen Wasserstandes geschlossen. Die beiden jeweils 210 Meter langen getrennten Flügel des riesigen Bauwerks wurden um Mitternacht in den Schifffahrtsweg geschwenkt. Die Sperrung soll nach Behördenangaben bis Freitagabend dauern.

Der schwere Herbststurm hatte in der Nacht zum Freitag Teile der norwegischen Öl- und Gasförderung lahmgelegt. Wie der Rundfunk in Oslo berichtete, wurde die Produktion eingestellt, um die Plattformen auf See bei Gefahr sofort evakuieren zu können.

In der Nacht zum Freitag war die erwartete Sturmflut an der deutschen Nordseeküste ausgeblieben. Der höchste Wasserstand sei in Bremen mit 1,32 Metern über dem mittleren Hochwasser erreicht worden, sagte BSH-Expertin Beothling. "Der Wind war viel schwächer als wir erwartet haben." Nach Angaben des DWD fegte der Wind mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern über die Küste hinweg. Außerdem brachte "Tilo" teilweise heftigen Regen nach Norddeutschland.

DPA / DPA