Welt-Katastrophen-Bericht Naturkatastrophen fordern 250.000 Opfer


Hurrikans, Überschwemmungen und vor allem der Tsunami in Südostasien haben 2004 die Zahl der Opfer durch die Gewalt der Natur in die Höhe schnellen lassen. 2005 könnte die Zahl noch weiter ansteigen.

Bei weltweit 719 Naturkatastrophen sind im vergangenen Jahr insgesamt rund eine Viertel Million Menschen ums Leben gekommen. Dies ist die höchste Opferzahl der letzten drei Jahrzehnte, wie aus dem Welt-Katastrophen-Bericht des Internationalen Roten Kreuzes für das Jahr 2004 hervorgeht. Die hohe Opferzahl ist in erster Linie auf den Tsunami am 26. Dezember zurückzuführen. Bessere Informationen hätten Tausende Menschenleben retten können.

Ohne die Flutwelle im Indischen Ozean hätte es weltweit 25.000 Naturkatastrophen-Opfer gegeben, eine der niedrigsten Zahlen seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen. Die bislang höchste Zahl von 500.000 Katastrophen-Opfern wurde im Jahr 1970 erreicht, als allein die Sturm- und Flutkatastrophe in Bangladesch Hunderttausenden das Leben kostete. Sechs Jahre später wurden bei schweren Erdbeben in China rund 240.000 Menschen getötet.

Die 20 schlimmsten Katastrophen 2004

Gutes Katastrophenmanagement in Kuba

In seinem Bericht hob das Rote Kreuz die Bedeutung funktionierender Frühwarnsysteme hervor. Als beispielhaft wurde das Katastrophenmanagement in Kuba zitiert, wo im vergangenen Jahr zwei Millionen Menschen vor dem Hurrikan "Charley" in Sicherheit gebracht wurden. Obwohl "Charley" im Westen Kubas 70.000 Häuser zerstörte, war die Zahl der Opfer mit vier Toten deutlich geringer als in anderen Karibikstaaten. Im kommunistischen Kuba sind Evakuierungsanordnungen anders als in vielen Nachbarstaaten verbindlich, zu ihrer Umsetzung werden öffentliche Verkehrsmittel bereitgestellt.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, forderte die Regierung auf, den Aufbau von Frühwarnsystemen als wichtigen Teil der Entwicklungspolitik zu begreifen. Entwicklungsländer seien zehn Mal stärker von Naturkatastrophen betroffen.

Mehr Mittel für Soforthilfe nötig

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sagte, angesichts der wachsenden Zahl von Naturkatastrophen müssten auch die Mittel für Soforthilfe aufgestockt werden. Das Geld dürfe nicht zu Lasten der Mittel für die Armutsbekämpfung gehen. Die SPD-Politikerin lobte den Einsatz des DRK und der internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften bei der Tsunami-Katastrophe. Dank schneller, professioneller Hilfe sei in der Unglücksregion nach dem Tsunami niemand an Seuchen gestorben, sagte Wieczorek-Zeul.

Die Verwüstungen der Wirbelstürme "Rita" und "Katrina" im Süden der USA hätten gezeigt, dass Katastrophenschutz auch in den reichsten Ländern der Erde nicht problemlos funktioniere. Umso schwieriger sei die Situation in Entwicklungsländern, in denen Armut und schnelles Bevölkerungswachstum dazu führe, dass von Überschwemmungen und Erdrutschen gefährdete Gebiete besiedelt würden.

2005 könnte sturmreichstes Jahr werden

Die Menschen in Mittelamerika werden regelmäßig von Unwettern heimgesucht. Tropenstürme und Hurrikans richten Verwüstungen an und führen zu zahlreichen Opfern. Auf die mexikanische Küste steuern jedes Jahr zwischen Juni und November Hurrikans zu.

2005 könnte nach Einschätzung von Meteorologen das bislang sturmreichste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Sieben Wochen vor dem Ende der offiziellen Hurrikansaison zeichnet sich immer stärker ab, dass der bisherige Rekord von 21 tropischen Stürmen im Jahre 1933 eingestellt wird. Bislang wurden in diesem Jahr 19 Tropenstürme gezählt, zehn davon erreichten Hurrikanstärke. "Es würde mich sehr wundern, wenn es dabei bleibt", sagte Hurrikanexperte Thomas Sävert vom Wetterdienst Meteomedia. "Denn in den Tropen ist weiterhin einiges los."

Derzeit beobachten die Meteorologen bereits wieder zwei verdächtige tropische Tiefs, eines bei Kuba und ein weiteres mitten auf dem Atlantik. Mindestens eines davon könnte sich zu einem Tropensturm entwickeln. Die beiden noch übrig gebliebenen Namen auf der Liste für Tropenstürme sind "Vince" und "Wilma". Danach müssten die Namen nach dem griechischen Alphabet als Notlösung herhalten.

DPA/AP AP DPA

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