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Wetter: Erst Blitz und Sturm, nun Schafskälte

Auch zum Pfingstende blieb das Wetter in Deutschland extrem. Überall im Land kam immer wieder zu Unwettern, drei Bauarbeiter wurden vom Blitz erschlagen. Im Schwarzwald sank die Temperatur um 20 Grad, es fiel Schnee. "Schafskälte" nennen Meteorologen das Phänomen.

Verspätete Eisheilige oder verfrühte Schafskälte? Im Südwesten Deutschlands sind die Temperaturen am Pfingstwochenende um bis zu zwanzig Grad gefallen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes lagen am Pfingstmontag auf dem Feldberg im Schwarzwald vier Zentimeter Neuschnee. In der Nacht hatte es angefangen zu schneien, die Temperatur fiel auf unter null Grad. Ein Sprecher des Wetterdienstes schloss nicht aus, dass auch in den Höhenlagen der Schwäbischen Alb Schnee fallen könnte.

Während das Thermometer am Freitag und Samstag oft noch Temperaturen von mehr als 30 Grad zeigte, erreichten die Werte am Montag in Baden-Württemberg meist nur knapp zehn Grad. Ungläubige Spaziergänger mussten am Montag am Feldberg ihre Autos vom Schnee befreien und sich mit warmer Kleidung und Regenschirm gegen das ungemütliche Nebel-Wetter rüsten.

Blitz tötet drei Menschen

Sturm, Blitz und Regen haben das ganze Wochenende über für schwere Schäden und sogar Tote gesorgt: Bei einem Gewitter in Brandenburg sind am Sonntag drei Bauarbeiter vom Blitz erschlagen worden. Die Männer hatten unter einem Bagger Schutz gesucht, wie die Polizei in Luckenwalde mitteilte. Ihr 40-jähriger Kollege überlebte den Unfall mit schweren Verletzungen. Heftige Gewitter mit starkem Regen, Hagel und Sturm wüteten am Wochenende in weiten Teilen Deutschlands und richteten Schäden an. Der Unfall in Brandenburg ereignete sich am Sonntagnachmittag in einem Windpark in Werbig im Kreis Teltow-Fläming. Der 40-jährige Überlebende konnte mit seinem Mobiltelefon die Rettungskräfte alarmieren und wurde mit schweren Verletzungen auf die Intensivstation eines nahe gelegenen Krankenhauses gebracht. Zwei der Getöteten waren 48 beziehungsweise 43 Jahre alt. Die Identität des dritten Opfers war zunächst unklar. Laut Polizei führten die Männer für eine sächsische Baufirma Armierungsarbeiten an den Windanlagen aus.

Dem Deutschen Wetterdienst zufolge gab es am Sonntag vor allem in der Osthälfte heftige Gewitter. In Oberbayern schlug ein Blitz in ein landwirtschaftliches Anwesen in Bad Kohlgrub ein. Bei dem anschließenden Brand erlitten drei Bewohner leichte Rauchvergiftungen, wie die Polizei mitteilte. Es entstand ein Schaden von 200.000 Euro.

Eine große Gewitterfront war schon am Samstag von Frankreich aus über Deutschland hinweggefegt: In Thüringen überschwemmten Schlammlawinen die Hauptstraßen zweier Dörfer, auch zahlreiche Keller liefen voll, wie die Polizei berichtete. Die Feuerwehr war stundenlang im Einsatz. Starke Gewitter gab es auch in Berlin, Hessen und Rheinland-Pfalz. Das Unwetter am Samstagabend deckte in Berlin-Wilmersdorf ein Haus ab. Das Dach beschädigte einige Autos. Bäume knickten um, Äste brachen ab und Keller liefen voll. Eine S-Bahn-Strecke im Stadtteil Schöneberg war wegen eines umgestürzten Baumes unpassierbar. Die Fanmeile vor dem Brandenburger Tor wurde vorübergehend evakuiert. Dort hatten sich zum DFB-Pokal-Finale mehrere zehntausend Menschen versammelt, rechtzeitig vor Spielbeginn durften die Besucher aber wieder auf das Gelände. Auch der Karneval der Kulturen in Kreuzberg konnte am Sonntag wie geplant stattfinden. Wegen eines heftigen Gewitters in Mainz musste ein Festival früher beendet werden, rund 2.000 Besucher wurden vorübergehend in einer Zitadelle und einem Jugendhaus untergebracht. Zwtl:

Bahn mit Problemen

Probleme bei der Bahn Die Bahn berichtete von fast bundesweiten Problemen wegen umgestürzter Bäume und herabgefallener Äste, die Schienen und Oberleitungen blockierten. Das Unternehmen verstärkte nach eigenen Angaben schon vor den Gewittern ihre mobilen Einsatzteams, so dass es höchstens zu Verspätungen von eineinhalb Stunden kam. Nicht weiter fahren konnte ein ICE auf der Strecke Frankfurt am Main Richtung Fulda, nachdem er auf einen umgefallenen Baum aufgefahren war. Die 60 Fahrgäste wurden in Bussen weitertransportiert.

Die Gewitter hatten sich laut Deutschem Wetterdienst in der schwülen Luft mit Höchsttemperaturen bis zu 31 Grad gebildet. Besonders in den Mittelgebirgen nördlich des Mains regnete es dabei 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter, an einigen Orten sogar bis 35 Liter, unter anderem in Wernigerode in Sachsen-Anhalt. Bereits am Freitagabend war eine Unwetterfront mit Sturm, Starkregen, Blitz und Donner über Teile Deutschlands weggezogen und hatte erhebliche Schäden verursacht. Der Mai verabschiedet sich laut den Meteorologen mit einem Temperatursturz weit unter die 20-Grad-Marke und Dauerregen.

Die Schafskälte kommt

Wenn der Juni naht, kommt oft auch die so genannte Schafskälte. Der Kälteeinbruch Anfang oder Mitte des Monats mit Schneefall bis in die mittleren Lagen ist nach Angaben von Meteorologen nicht ungewöhnlich. In diesem Jahr verursachten Kaltluft-Vorstöße aus Nordwesten schon in den letzten Mai-Tagen einen starken Temperaturrückgang verbunden mit unbeständigem, regnerischem Wetter. Die Tagestemperaturen können bis auf zehn Grad fallen.

Diese Kälteperiode wird Schafskälte genannt, weil die Schafe Anfang Juni meist zum ersten Mal nach dem Winter frisch geschoren werden und dann frierend auf den Wiesen stehen. Der Kälteeinbruch im Juni gehört wie die Eisheiligen im Mai zu den so genannten Singularitäten, wie diese Witterungsregelfälle meteorologisch genannt werden. Statistisch gesehen gibt es in mindestens vier von fünf Jahren Schafskälte in Mitteleuropa.

DPA/AP / AP / DPA