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Wohnhausbrand in Ludwigshafen: Türkei schickt eigene Ermittler

Nach dem Hausbrand in Ludwigshafen schaltet sich nun auch die türkische Regierung ein. Eigene Ermittler sollen untersuchen, ob das Haus möglicherweise von Rechtsextremen angezündet wurde. Die Polizei hat einen ersten Hinweis auf Brandstiftung.

Nach der Feuerkatastrophe in Ludwigshafen gibt es einen ersten Hinweis auf Brandstiftung. Ein türkisches Mädchen, das sich bei Ausbruch des Brandes in dem betroffenen Gebäude aufhielt, berichtete einem Reporter, sie habe einen fremden Mann gesehen: "Der hat mit einem Feuerzeug ein Stöckchen angezündet und das dann neben dem Kinderwagen in den Flur geworfen."

Erdogan fürchtet rechtsextremen Hintergrund

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan forderte eine rasche Aufklärung des Unglücks. Zugleich beschloss die türkische Regierung, eigene Ermittler nach Ludwigshafen zu entsenden. Erdogan sagte in Ankara, Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu werde nach Ludwigshafen reisen. Der Minister werde begleitet von vier türkischen Polizeiexperten, um die Brandursache zu untersuchen. "Wir wollen, dass der Vorfall so schnell wie möglich aufgeklärt wird", sagte Erdogan.

Der Ministerpräsident erwägt nach eigenen Angaben, selbst nach Ludwigshafen zu reisen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Erdogan äußerte seine Sorge, dass es sich um Brandstiftung handeln könnte. "Wir wollen kein zweites Solingen erleben", sagte der türkische Politiker: "Wir hoffen, dass der Vorfall nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun hat." In Solingen war 1993 ein von Türken bewohntes Haus von Jugendlichen angezündet worden. Fünf Mädchen und Frauen starben.

Zahl der Toten könnte noch steigen

Die zuständige Sonderkommission der Polizei geht nach eigenem Bekunden dem Hinweis auf Brandstiftung nach. Die Aussage des Mädchens könne derzeit noch nicht bewertet werden. Klarheit über die Brandursache könnte die Arbeit der Spurensicherung bringen. Nach Polizeiangaben ist aber noch völlig offen, wann die Brandexperten das einsturzgefährdete Gebäude betreten können.

Bei dem Brand waren am Sonntag neun Menschen getötet und 60 verletzt worden. Am Dienstag befanden sich noch immer elf Menschen in Krankenhäusern, vier davon mit schwersten Verletzungen, wie die Polizei berichtete. Die Feuerwehr erklärte, das Feuer sei vermutlich im weitgehend aus Holz gefertigten Treppenhaus des Gebäudes ausgebrochen und habe sich von dort aus innerhalb weniger Minuten über das komplette Haus ausgebreitet. Polizeisprecher Michael Lindner schloss nicht aus, dass es noch weitere Opfer geben könnte: "Wir hoffen aber, dass wir nicht noch mehr Tote finden." Die Feuerwehr setzte einen Kran ein, um das Dach des Hauses abzutragen und ins Innere vorzustoßen.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, machte sich persönlich ein Bild vom Brandort. Kolat dankte anschließend für die Hilfsbereitschaft zahlreicher Menschen aus ganz Deutschland. Dies sei ein großer Trost für die Hinterbliebenen.

AP / AP