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Extrem-Wetter: Brutale Minuswerte in den USA: Dieses Phänomen ist der Auslöser für die "arktische Kälte"

Eine rekordverdächtige Kältewelle hat große Teile der USA im Griff. Temperaturen von fast minus 40 Grad werden gemessen, Behörden haben Angst um das Wohl ihrer Bürger. Was steckt hinter der Extrem-Kälte?

Extreme Wetterlage: Mehrere Tote durch Kältewelle in den USA – Grund dafür ist der Polarwirbel

Es muss schon sehr kalt sein, damit ausgerechnet Donald Trump den von ihm geleugneten Klimawandel beschwört: "Was zum Teufel ist mit der Erderwärmung los? Bitte komm schnell zurück, wir brauchen dich", spottet der US-Präsident auf Twitter. Tatsächlich könnte das Phänomen laut Experten mit der Erderwärmung zusammenhängen, diese These muss allerdings noch weiter untersucht werden.

Die frostigen Fakten: Eisige Temperaturen mit rekordverdächtigen Minuswerten habe weite Teile der USA im Griff. In der Nacht zum Donnerstag wurden vor allem im Mittleren Westen extreme Temperaturen von fast minus 40 Grad Celsius gemessen. Der Nationale Wetterdienst (NWS) sowie Ärzte und Nothelfer warnten am Mittwoch (Ortszeit) vor "lebensbedrohlichen" Bedingungen. Mindestens drei Bundesstaaten riefen den Katastrophenfall aus. Bis zum Mittwoch starben bereits acht Menschen an den Folgen der Kälte, wie der Sender ABC berichtete (lesen Sie hier mehr zu dem Thema).

Warum sucht das Extrem-Wetter den Mittleren Westen der USA heim? Und woher kommt die Kälte?   

Das steckt hinter dem Extrem-Wetter in den USA

In Kürze: Grund für die Kältewelle ist arktische Luft, die sich von dem normalerweise um den Nordpol kreisenden sogenannten Polarwirbel, ein Band kalter Westwinde, gelöst hat. Wird der Wirbel geschwächt, kann die Luft in niedrigere Breiten entweichen. 

In Gänze: Der massive Wintereinbruch wird durch den sogenannten Polarwirbel verursacht. Das ist ein gigantische Ansammlung sehr kalter Luft, die in 20 bis 25 Kilometern Höhe um den Nordpol kreist. Im Winter misst sie üblicherweise etwa minus 70 Grad Celsius. Normalerweise wird sie vom Jetstream - einer starken Windströmung in höheren Luftschichten - über der Arktis gehalten. Dieser aber kann "flattern" oder sich abschwächen - und der Polarluft den Weg nach Süden eröffnen. "Gelegentlich bewegt sich der Polarwirbel quasi in Kurven und genau das passiert gerade", erläutert US-Experte Ben Kirtman, Professor an der Rosenstiel School of Marine and Atmospheric Science in Miami. Wenn dieser Wirbel stark schwanke, könne "eine große Kaltluftblase sehr weit nach Süden vordringen". Einer dieser Kaltlufströme hat die USA erreicht.

Erfahrungswerte: Ungewöhnlich ist dieser Vorgang nur bedingt. "Der Jetstream weist immer Wellenbewegungen auf", so Kirtman. Angetrieben wird er wesentlich von dem Temperaturunterschied zwischen kalten Polen und warmen Tropen. Je stärker das Gefälle, desto kräftiger ist der Jetstream - und desto besser hält er auch den Polarwirbel stabil. So ist es zumindest in der Theorie, in der Praxis sind die Dinge noch etwas komplizierter: Denn auch ein zu starker Jetstream kann dem Fachmann zufolge instabil werden. Auch dies führt eventuell dazu, dass der Starkwindgürtel und der Polarwirbel Wellen werfen, erklärt Kirtmann.

Rolle des Klimawandel: In der Theorie gibt es vielleicht eine Verbindung zum Klimawandel - aber noch keine eindeutigen Antworten. Bekannt ist, dass sich die Arktis im Zuge des Klimawandels doppelt so schnell erwärmt wie der übrige Planet. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass dadurch die Temperaturdifferenz zwischen Polen und Tropen sinkt. Das könnte zu einer Abschwächung des Jetstreams führen und diesen anfälliger für Schwankungen machen. In der Folge könnte es zu häufigeren oder weitreichenderen Polarlufteinbrüchen in südlicheren Regionen kommen.

Doch der Kälteschock ist fast überstanden. Bis Sonntag sollen die Temperaturen vielerorts um mehr als 30 Grad Celsius klettern und fast 20 Grad Celsius plus erreichen. Dann müssen die Amerikaner "nur" noch einen starken Kreislauf beweisen.

fs / Kerry Sheridan / DPA / AFP