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Wetter in Deutschland Feuerwehr appelliert wegen Unwetter-Einsätzen: "Wir verleihen keine Geräte und haben auch keine Sandsäcke"

Heftiges Unwetter in Landshut: Wasser hat nach starkem Regen die Innenstadt überflutet
Heftiges Unwetter in Landshut: Wasser hat nach starkem Regen die Innenstadt überflutet
© Claudia Hagn / DPA
Auch am Dienstag war die Feuerwehr in einigen Teilen Deutschlands wegen heftiger Unwetter im Dauereinsatz. Doch nicht immer handelte es sich um Notfälle. Die Freiwillige Feuerwehr Landshut hat daher einen wichtigen Appell veröffentlicht.

Während Millionen Deutsche am Dienstagabend in Ruhe das EM-Spiel Deutschland gegen England im Fernsehen schauten, hatten Rettungskräfte vielerorts alle Hände voll zu tun. Unwetterartige Gewitter mit Starkregen und Sturmböen sorgten in weiten Teilen Deutschlands in der Nacht zum Mittwoch für chaotische Zustände. In zahlreichen Städten und Regionen von Schleswig-Holstein bis Bayern mussten Feuerwehren und andere Hilfskräfte zu unzähligen Einsätzen wegen überfluteter Keller und Straßen sowie umgestürzter Bäume ausrücken. In Großstädten wie Frankfurt am Main, Düsseldorf und Dortmund mussten Retter jeweils auf hunderte Notrufe reagieren.

Im bayerischen Landshut ging es schon kurz vor Anpfiff los: Starkregen, Blitz und Donner zogen über der Stadt auf. Die Freiwillige Feuerwehr zählte allein bis Mitternacht mehr als 500 Einsätze, musste zwischenzeitlich auch Feuerwehr- und THW-Kräfte aus benachbarten Landkreisen anfordern, um der Lage Herr zu werden. Zu Spitzenzeiten dürften bis zu 350 Rettungskräfte im Einsatz gewesen sein, heißt es.

Feuerwehr Landshut wegen Unwetter im Dauereinsatz

Straßen verwandelten sich in Sturzbäche, Schlammlawinen rollten die Hänge hinunter, Keller liefen voll und Bäume stürzten um. Bilder und Videos von überfluteten Straßen und Autos, die bis zur Hälfte im Wasser standen, machten in den sozialen Netzwerken die Runde. Sogar ein kompletter Straßenzug musste gesperrt werden, weil mehrere Fahrzeuge weggeschwemmt wurden.

Auch am Morgen dauerten die Aufräumarbeiten noch an. Viele Straßen waren noch verschlammt, einige Keller standen immer noch voller Wasser, weshalb die Feuerwehr die Bevölkerung bat, sich an Absperrungen zu halten und keine Fahrten in verschlammte Bereiche mit unterspülten Straßen zu riskieren.

Doch die Feuerwehr Landshut hat noch eine ganz andere, sehr eindringliche Bitte: "Wägen Sie beim Notruf ab, ob es sich wirklich um einen Einsatz für die Feuerwehren handelt".

Denn nicht alle Notrufe, die bei den Rettungskräften zu den Unwettern eingingen, waren tatsächlich auch Notfälle. Schon am Vortag hatte sich daher die Feuerwehr dazu in einem langen Facebook-Eintrag geäußert und aufgeklärt, wann genau die Feuerwehr zum Einsatz kommt.

Feuerwehr Landshut mit eindringlichem Appell

Nämlich nur, um "Gefahr für Leib und Leben abzuwenden. Bei technischen Hilfeleistungen wie Wasser im Keller oder auch umgestürzter Bäume auf Privatgrundstücken unterstützt die Feuerwehr, wo sich Bürger nicht mehr selbst helfen können, beziehungsweise wo Gefahr im Verzug ist", heißt es. Zwar gäbe es keine feste Regeln für eine Mindestwassermenge in Gebäuden, doch die Pumpen und Sauger der Einsatzkräfte seien nicht ausgerichtet, um nur bei einigen Zentimetern Wasser zum Einsatz zu kommen. "Hier kommt dann der Punkt, wo sich Bürgerinnen und Bürger – so mühsam es auch sein mag – selbst helfen müssen".

So falle das "Entfernen weniger Zentimeter Wasser, das Reinigen und Zusammenwischen von Kellern, größeren Räumlichkeiten sowie auch von Verkehrsflächen" nicht mehr in die Zuständigkeit der Feuerwehr. Auch Sandsäcke und Geräte zur Schadensbeseitigung würden nicht verliehen. "Bei den in den Feuerwachen lagernden Sandsäcken handelt es sich um Mengen, die für akute Notfälle bereitgehalten werden müssen". Grundsätzlich solle man im Falle eines Unwetterschadens vor dem Notruf abwägen, "ob es sich wirklich um einen Einsatz der Feuerwehr handelt".

Feuerwehr reinigt keine Keller

Dass die Feuerwehr keine Keller reinigt, machte auch am Dienstag der Feuerwehrkommandant in Neukirchen am Inn im Landkreis Passau klar, der nicht nur auf dankbare Bürger traf.  "Einige meinen, die Feuerwehr übernimmt den Hausmeisterdienst", erklärte er im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Demnach hätten sich Leute beschwert, weil die Feuerwehrleute nach dem Auspumpen den Keller nicht gewischt hätten oder Terrassen und Parkplätze nicht saubergemacht wurden. "Natürlich nicht. Die Feuerwehr hilft in Notlagen. Bei dreckigen Einfahrten müssen die Leute selber Hand anlegen, in den Baumarkt fahren und sich einen Gartenschlauch kaufen", so Vogl.

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Genauso sieht es auch Nikolaus Höfler, Vorstand des niederbayerischen Bezirksfeuerwehrverbands, der in dem Bericht ebenfalls zu Wort kommt. "Es gibt Personen mit erhöhtem Anspruchsdenken. Der Ton ist rauer geworden. Leute motzen auch schneller, wenn sie an einer Unfallstelle warten müssen" und weiter: "Vielleicht halten einige die Feuerwehr für selbstverständlich. Und das ist sie ganz sicher nicht. Wenn ich nachts ausrücke, in den Einsatz gehe, Verantwortung übernehme, dann kann das alles sein. Aber nicht selbstverständlich."

Quellen:  Freiwillige Feuerwehr Landshut, BR, DPA

jek

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