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Wikileaks-Gründer: Assange in London festgenommen

Für den Vormittag hatte Julian Assange einen Termin bei Scotland Yard vereinbart. Als der Wikileaks-Gründer auf dem Revier erschien, wurde er festgenommen.

Die britische Polizei hat den Wikileaks-Gründer Julian Assange festgenommen. Scotland Yard teilte am Dienstag mit, Assange habe sich der Polizei in London gestellt. Der 39-jährige Australier sei "gemäß einem europäischen Haftbefehl um 10.30 Uhr verhaftet worden" und müsse im Laufe des Tages vor Gericht erscheinen. Der Richter entscheide dann über eine mögliche Auslieferung Assanges an Schweden.

Anwältin Jennifer Robinson sagte dem australischen Sender ABC, Assange werde gegen eine Auslieferung an Schweden juristisch vorgehen, weil danach eine Auslieferung an die USA drohe. Und eine Auslieferung an die USA sei eine "echte Bedrohung für einen fairen Prozess".

Die britischen Behörden hatten am Montag einen neuen Haftbefehl aus Schweden erhalten, wo Assange wegen Vergewaltigungsvorwürfen von der Justiz gesucht wird. Auch die internationale Polizeibehörde Interpol hatte den Gründer der Internet-Enthüllungsplattform auf die Fahndungsliste gesetzt. Assange bestreitet die Vorwürfe. Einen ersten Haftbefehl aus Schweden konnten die Briten wegen dessen Unvollständigkeit nicht vollstrecken.

Mit der spektakulären Enthüllung geheimer diplomatischer Dokumente sorgt Wikileaks seit Monaten weltweit für Schlagzeilen. Am 28. November begann die Internetplattform mit der Veröffentlichung von mehr als 250.000 US-Depeschen, in denen Diplomaten dem Außenministerium in Washington Einschätzungen über ihre Gastländer mitteilten oder über geheime Verhandlungen berichteten.

Wikileaks macht weiter

Die Verhaftung hat vordergründig nicht mit den Enthüllungen zu tun. Den Anlass für die weltweite Fahndung gaben im August zwei Schwedinnen: Ihren Angaben nach soll Assange (39) mehrmals ungeschützten Sex verlangt und gegen ihren Willen durchgesetzt haben. Mit geschütztem Sex wären sie nach Medienberichten einverstanden gewesen.

Das Enthüllungsportal Wikileaks will nach eigenem Bekunden auch nach der Festnahme von Assange weitere Geheimdokumente publik machen. Die nächste Veröffentlichung geheimer Dokumente des US- Außenministeriums werde sogar noch mehr Papiere als üblich enthalten, kündigten die Wikileaks-Aktivisten über den Online-Dienst Twitter an. "Die heutige Aktion gegen unseren Chefredakteur Julian Assange wird unsere Arbeit nicht beeinträchtigen." Die Gruppe wolle die Webseite von London und anderen Orten aus betreiben, sagte eine Wikileaks-Sprecherin.

swd/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters