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Kolumne Winnemuth: Todes-Tinder

1867 Menschen stehen in meinem Adressbuch. Wer soll eine Nachricht bekommen, wenn ich sterbe? Und was will ich mit dem Rest?

Von Meike Winnemuth

Meike Winnemuth überlegt, wen man beim Tod benachrichtigt

Wer soll alles eine Nachricht erhalten, wenn man stirbt? Diese Frage stellt sich Meike Winnemuth.

Eigentlich wollte ich mir dieses Thema für den Sommer aufheben, aber warum nicht jetzt, in den Frühling passt es genauso gut: mein Tod. Mein, beeile ich mich hinzuzufügen, nicht unmittelbar bevorstehender Tod, der aber doch früher oder später eintreten wird, vorzugsweise später. Die Frage, die sich für mich daraus in den letzten Tagen ergeben hat: Wen könnte mein Tod interessieren?

Wie viele Sitzplätze hat eigentlich der Kölner Dom?

Es ist nämlich so: Zusammen mit meiner besten Freundin habe ich jüngst endlich mal all das erledigt, was man in der Regel über Jahrzehnte vor sich herschiebt. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung – alles unangenehme Mehrsilbige ist jetzt ausgefüllt, unterschrieben und abgeheftet, nur eins stand noch aus: eine Kontaktliste derjenigen Personen, die im Falle eines Falles benachrichtigt werden sollten. Freundes- und Bekanntenkreise sind inzwischen so divergent, dass sie sich nur noch minimal überschneiden. Erlebt habe ich das bei meinem letzten runden Geburtstag: Es kamen Leute aus allen Sedimentschichten meines Lebens, die sich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal begegnet sind, da hätte niemand die Nummer des anderen gewusst. Meine beste Freundin hat die Kontaktdaten meiner Eltern und meines ältesten Freundes, das war’s aber auch schon.

Also die Liste. Wer soll drauf? Die ersten 20, 30 Positionen waren schnell gefüllt. Enge Freunde natürlich, Verwandte, Menschen, die von meinem Ableben unmittelbar betroffen sind (stern-Ressortleiter zum Beispiel, die sich ansonsten vergebens fragen müssten, wo der verdammte Text denn schon wieder bleibt). Und wer noch? Habe ich wen vergessen? Ich begann, mein digitales Adressbuch durchzugehen. 1867 Einträge. Hui, könnte eng werden bei der Trauerfeier. Wie viele Sitzplätze hat eigentlich der Kölner Dom?

Das eigene Telefonbuch unter der Fragestellung "Wer könnte es wissen wollen?" durchzusehen ist hochinteressant. Es ist eine Art Todes-Tinder: In 98 Prozent aller Fälle habe ich innerlich nach links gewischt: Nee, der nicht, die nicht – und wer ist noch mal schnell Dennis, kein Nachname, nur eine Handynummer? Ich bin zu alt, um einen Dennis mit Handynummer zu kennen. Ich stieß auf vier Hansens, die ich alle nicht zuordnen kann, fünf Hoffmanns, von denen nur Klaus mir was sagt; bei den Brauns kenne ich immerhin alle vier. Keiner davon wird um mich weinen. Alte Lieben, was ist mit denen? Einem schickte ich eine Mail, es kam keine Antwort; ich schätze, damit ist das dann auch geklärt. Wisch nach links.

Alte Lieben, was ist mit denen? 

Adressbücher sind anders als früher, als man noch sorgsam die Namen in schwarze Büchlein eintrug und fluchte, wenn der Platz für S voll war, Museen der flüchtigen Begegnungen: Leute, denen ich vielleicht einmal im Leben begegnet bin – ein Vormieter, diverse Reisebekanntschaften, die Frau, der ich meine alten Gartenstühle per Ebay-Kleinanzeige geschenkt habe –, stellen das Füllmaterial, die könnte man sofort löschen, ebenso den Empfangschef vom Argyle Hotel am Sunset Boulevard, das längst anders heißt.

Andererseits: Es war schön damals im Argyle Hotel, als es noch Argyle Hotel hieß, und die Nummer hatte mir der Krimiautor James Ellroy zugesteckt ("Gruß von mir, der gibt Ihnen ein gutes Zimmer") – will ich diese Erinnerungen wirklich löschen? Und wer immer Ludovica Cofrancesco Goffredi ist: Die muss doch allein des Namens wegen drinbleiben, nicht?

Ergebnis: Ich sitze immer noch hier, blättere in meinem Adressbuch – und denke längst nicht mehr über meinen Tod nach, sondern über mein langes, wunderbar flüchtiges, anscheinend prallvolles Leben.

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Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.