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Studie Die Erbschaft entscheidet, ob Millennials gut leben können oder knausern müssen

Reiche Eltern führen zu reichen Kindern - in einem neu dagewesenen Maßstab. 
Reiche Eltern führen zu reichen Kindern - in einem neu dagewesenen Maßstab. 
© Visualspace / Getty Images
Noch nie wurde so viel vererbt wie heute. Doch der Segen ist höchst ungleich verteilt: Die einen können sich dank Erbe ein luxuriöses Leben leisten, die anderen werden abgekoppelt, sagt eine britische Studie.

In allen Industrieländern ist der Traum vom massenhaften Aufstieg ganzer Schichten ausgeträumt. Tatsächlich besteht die begründete Annahme, dass die Millennials, also die in den 1980er-Jahren Geborenen, nicht das Einkommensniveau der vorhergehenden Generationen erreichen. Und dies, obwohl Einkommen und Reichtum auf nationaler Basis nach wie vor wachsen.

In Großbritannien hat das Institute for Fiscal Studies (IFS ) genauer hingeschaut, was es für diese Generation bedeutet, wenn einerseits das Arbeitseinkommen im Generationenvergleich stagniert oder sogar abnimmt, umgekehrt aber das Kapital, das vererbt wird, permanent zunimmt. Die Fragen stellen, heißt sie praktisch beantworten: Die Bedeutung von "Erbschaft" beziehungsweise Zuwendungen an die späteren Erben zur Lebenszeit nimmt zu.

Nie wurde mehr geerbt als heute

Wer in den 1960ern Jahren geboren wurde, konnte durchschnittlich neun Prozent seines Lebenseinkommens als Erbe erwarten, bei den in den 1980er-Jahren Geborenen sind es dagegen schon 16 Prozent. Tendenz weiter steigend. Für die Generation als Ganzes mag es noch erfreulich sein, dass sie von den Altvorderen soviel hinterlassen bekommt, wenn die steigende Zahl des Erbanteils nicht mit stagnierenden Einkommen verbunden wäre. Doch weil die jüngeren Generationen kein höheres Einkommen erzielen, wird das Gesamtvermögen der Menschen zunehmend vom Vermögen ihrer Eltern und nicht von ihrem eigenen Einkommen bestimmt.

David Sturrock, ein leitender Forschungsökonom der IFS und einer der Autoren der Studie, sagte: "Diese Trends bedeuten, dass Erbschaften in Zukunft an Bedeutung gewinnen und die Kluft zwischen denjenigen, die reiche Eltern haben, und denjenigen, die arme Eltern haben, noch größer wird. Die wachsende Bedeutung von geerbtem Reichtum wird eine tief greifende gesellschaftliche Veränderung sein, eine mit besorgniserregenden Folgen für die soziale Mobilität."

Habenichtse und frohe Erben

Innerhalb der Millennials tun sich nämlich große Gräben auf zwischen denen, die in bedeutender Menge erben und denen, die nichts oder wenig von ihren Eltern zu erwarten haben. Bei in den 1960ern Geborenen stellt sich die Erbschaft so dar: Die ärmeren Gruppen verbesserten ihr Lebenseinkommen per Erbe nur um 2 Prozent, die reicheren um 17. Zwanzig Jahre später, bei den Millennials, kommen auch die ärmeren Gruppen auf einen Zuwachs – auf 5 Prozent. Bei den Wohlhabenderen steigt er dagegen auf 29 Prozent. Fast ein Drittel des Lebenseinkommens stammt dann aus dem Erbe.

Prozente sind dabei nur die halbe Wahrheit. Denn wenn es um Miete, Hauskauf und Lebensstil geht, zählen Pfund beziehungsweise Euro. In absoluten Zahlen ist der Unterschied noch weit größer, weil die Bezugsgröße "Lebenseinkommen" im unteren Drittel der Bevölkerung weit niedriger ist als beim oberen Drittel.

Müssen Erben die Miete weiter zahlen?

Booster des Lebensstils

Der Erbschaftseffekt wird große Auswirkungen auf das Leben haben. Das Institut geht davon aus, dass die Höhe eines zu erwartenden Erbes Sparrate, Lebensstil und Konsumentscheidungen ein Leben lang beeinflusst. Die wohlhabenden Erben aus der Millennial-Gruppe werden ein Drittel der zu erwartenden Erbschaft im Voraus ausgeben. Zu ihrem höheren selbsterzielten Einkommen tritt dann das erwartete Erbe als Turbo hinzu. In der Londoner Times schreibt eine Autorin bitter in einem Kommentar, dass alle ihre Bekannten, die einen Gutteil ihres Einkommens nicht in die Miete stecken, ihre Immobilie mit der "Mama und Papa"-Bank zumindest teilfinanziert hätten. Sie hatte dieses Glück nicht.

Da heute meist in der gleichen sozialen Gruppe geheiratet wird, dürften viele Paare zudem gleich zwei glückliche Erbschaften auf sich vereinen, während andere zwei Mal eine Niete ziehen.

Quelle: Institute for Fiscal Studies 

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