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Greenpeace-Untersuchung: Blattsalate enthalten immer noch Pestizidrückstände

Bei einer Greenpeace-Untersuchung von Kopfsalat und Rucola aus Supermärkten und Discountern sind 29 von 36 Proben mit Rückständen von Pestiziden belastet gewesen.

Viele Salate aus Deutschlands Supermärkten sind einer Untersuchung zufolge mit Pestiziden belastet. Bei einer Stichprobe seien in 29 von 36 Kopfsalat- und Rucola-Proben Rückstände von Pestiziden entdeckt worden, erklärte die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Dienstag. Der Industrieverband Agrar (IVA) nannte die Warnung vor einem Verzehr von Salaten im Winter "überzogen", es handle sich lediglich um eine Stichprobe.

In über zwei Drittel der Proben sei die Pestizid-Belastung so hoch gewesen, dass die Salate für Greenpeace "nicht empfehlenswert" seien, erklärte die Umweltschutzorganisation. Das untersuchende Labor fand demnach in drei Proben einzelne Pestizide, die die zugelassenen Höchstmengen überschritten. Die Ware hätte so nicht verkauft werden dürfen. Bei einem Salat sei sogar die sogenannte Akute Referenzdosis überschritten worden - in diesem Fall kann schon eine Mahlzeit gesundheitsgefährdend sein, insbesondere bei Kindern. Greenpeace erstattete in diesem Fall nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen die betroffene Supermarktkette.

"Es ist gar keine Frage: Drei Höchstmengen-Überschreitungen sind genau drei Höchstmengen-Überschreitungen zuviel", erklärte der IVA. Daher jedoch von einem gesunden Lebensmittel wie Salat abzuraten, sei überzogen. Die gesetzlichen Grenzwerte seien keine toxikologischen Höchstwerte, sondern Handelsnormen, die mit sehr hohen Sicherheitsfaktoren berechnet seien. Im Industrieverband Agrar sind Unternehmen vertreten, die Geschäfte auf den Feldern Pflanzenschutz, Schädlingsbekämpfung und Biotechnologie machen.

Kritisch ist nach Angaben von Greenpeace, dass zunehmend mehrere Pestizide eingesetzt würden, um das Überschreiten der Höchstmenge bei einzelnen Stoffen zu vermeiden. "Auf einigen Salatblättern werden bis zu 15 verschiedene Pestizide gefunden, bei Rucola sind es bis zu sechs", erklärte die Umweltschutzorganisation. Auch Wirkstoffe, die in der EU nicht zugelassen seien, hätten die Labore nachgewiesen. Zudem enthielten viele Proben stark erhöhte Nitratwerte. Nitrate können sich laut Greenpeace im Körper in krebserzeugende Nitrosamine umwandeln.

"Im Winter sind Blattsalate Risikoprodukte: Sie werden in Treibhäusern zumeist überdüngt und stark gespritzt", erklärte der Chemieexperte von Greenpeace, Oliver Santen. Besonders stark belastet ist demnach Ware aus Italien und Belgien, deutsche und spanische Proben hätten besser abgeschnitten. Eine Alternative seien zwar Produkte aus Bioanbau, doch hätten die Supermärkte im Untersuchungszeitraum gar keine Bio-Kopfsalate angeboten.

Die Stichprobe stammt aus Einkäufen von Greenpeace-Mitarbeitern, die im Januar in Supermärkten in Hamburg, Köln/Bonn, Dresden, München und im Raum von Frankfurt am Main Kopfsalate und Rucola erstanden. Geprüft wurden die Salate von einem Speziallabor, auffällige Befunde überprüfte den Angaben zufolge ein zweites Labor.

Die ernährungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ulrike Höfken, forderte eine zügige Festlegung von Summenhöchstwerten für Pestizide und deren Abbauprodukte. Die Einzelbetrachtung der Wirkstoffe führe zu einem "verharmlosenden Zerrbild" der tatsächlichen Belastung, kritisierte sie in Berlin.

AFP/APN