Klimafreundlich essen Von Huhn, Ei und CO2


Auch bei der Ernährung kann man auf die CO2-Bilanz achten - insbesondere bei Fleisch und Geflügel, für dessen Produktion viel Energie verbraucht wird. Beim Geflügel zeigt sich wieder einmal: klimafreundlich ist zugleich auch gesund.
Von Corinne Benzing

Bio-Hähnchen

Die Hähnchen mit Bio-Siegel können unter freiem Himmel laufen, flattern, scharren und auf Stangen sitzen. Gemäß der europäischen Öko-Verordnung haben sie mehr Platz als die Artgenossen in Käfighaltung.

Im Stall dürfen maximal zehn, im Freilauf nur vier Hähnchen pro Quadratmeter Fläche gehalten werden. Das Futter der Öko-Hähnchen muss ökologisch angebaut worden sein, nur fünf Prozent des Futters dürfen die Betriebe aus konventionellem Anbau ersetzen. Dadurch gelangen beim Futteranbau weniger umweltbelastende Pestizide in den Boden. Wachstumsfördernde Stoffe, Antibiotika oder Hormone sind nur erlaubt, wenn die Tiere krank sind - nicht vorbeugend. Die Emissionen beim Transport sind etwa die gleichen.

Bio-Hähnchen leben relativ lange, denn sie müssen beim Schlachten mindestens 150 Tage alt sein. Konventionell gezüchtete Hähnchen werden dagegen oft schon nach fünf bis sechs Wochen geschlachtet. Weil Bio-Hähnchen länger gehalten wurden und mehr gefressen haben, sind sie oft schwerer und in der Regel teurer als konventionelle. Bisher stammt weniger als ein Prozent der Hähnchen aus ökologischer Haltung. Geflügel ist eine gute Quelle für B-Vitamine und Eisen, enthält aber auch gesättigte Fette, die den Spiegel des ungünstigen LDL-Cholesterins erhöhen können.

Eier aus Käfighaltung

Über 80 Prozent aller deutschen Eier werden in Käfighaltung erzeugt. Seit diesem Jahr sind in Deutschland "ausgestaltete Käfige" vorgeschrieben, in der EU ab 2012. Diese müssen mit einem Nest, Sitzstange und Einstreu ausgestattet sein.

Die Hühner haben dabei jeweils 750 cm2 Platz - etwa die Größe eines DINA4-Blattes. 2012 wird die Käfighaltung hierzulande aus Tierschutzgründen komplett verboten. Das könnte zur Folge haben, dass dann mehr Eier aus dem Ausland importiert werden und so mehr Treibhausgase durch Transport erzeugt werden. Denn zurzeit isst jeder Deutsche vier bis fünf Eier pro Woche.

Trotz des negativen Tierschutzaspektes hat Käfighaltung Vorteile. Zum Beispiel ist sie hygienischer. Freiland-Legehennen tragen durch den Auslauf mehr Keime in den Stall ein. In der Freilandhaltung wird für jedes Ei mehr Futter benötigt als für ein konventionelles Ei - also auch mehr Anbaufläche. Das liegt daran, dass sich die Legehennen mehr bewegen und die Temperaturen in der Freilandhaltung schwanken.

In der Intensivhaltung wird Kraftfutter zugefüttert, auch Antibiotika dürfen prophylaktisch gegeben werden. Oft werden dem Futter auch Carotinoide beigemischt, um den Dotter schön gelb zu färben. Weil diese sich möglicherweise in der menschlichen Netzhaut anreichern können, ist die Zugabe durch die EU jedoch stark eingeschränkt.

Ansonsten enthalten Eier hochwertiges Protein, die Vitamine A, E und solche der B-Gruppe - allerdings auch gesättigte Fette, die den Cholesterinspiegel ungünstig beeinflussen können.

stern.de präsentiert diese Woche alle Bereiche unserer Nahrung im Hinblick auf ihre Klimabilanz

Teil 1 - Fleischgenuss ohne CO2-Reue

Teil 2 - Von Huhn, Ei und CO2

Teil 3 - Butter bei die Fische

Teil 4 - Weizen ohne Klima anzuheizen

Sind die Eier vom Markt besser als die aus dem Supermarkt?

Auch auf dem Markt sollte man darauf achten, aus welcher Haltungsform die Eier stammen. Direkt vom Hof oder Markt sind die Eier meistens am frischesten. Wenn sie von Bauern aus der Umgebung stammen, ist der Kauf dieser Eier auch ökologisch besser, da sie keine langen Transportwege hinter sich haben. Bei allen Emissionen, die ein gekühltes Hähnchen vom Ei bis zum Supermarkt erzeugt, macht der Transport allerdings nur einen Anteil von etwa zwei Prozent aus.

Wie gesund sind Eier und Geflügelfleisch?

Im Schnitt sollte man nicht mehr als drei Eier pro Woche essen, diese Menge hat so gut wie keine Auswirkungen auf den Cholesterin-Spiegel.

Hühnchen ist - wie Putenfleisch - von Natur aus eher kalorienarm - vorausgesetzt, man paniert und frittiert es nicht und lässt die fette Haut auf dem Teller liegen.

Welche Waren sind unter Umweltgesichtspunkten empfehlenswert?

Mit gutem Gewissen kaufen kann man Geflügel und Eier von regionalen Herstellern, die nach ökologischen Kriterien gezüchtet wurden. Kritisch sollte man bei allen Fertigprodukten und Wurstsorten sein, die Geflügelfleisch enthalten, und bei Grillhähnchen vom Stand. Sind diese Produkte nicht mit einem Bio-Siegel gekennzeichnet, ist davon auszugehen, dass die Tiere aus Käfighaltung stammen.

Nicht nur die Haltungsart der Tiere ist hier unklar, oft kommt das Geflügel aus dem Ausland. Vom Züchter über die Schlachterei und Verarbeitung bis zum Supermarkt hat es dann einen langen Weg hinter sich - mit entsprechendem Ausstoß an Treibhausgasen.

Ist Bio besser?

In Sachen Tierschutz für Hahn, Henne & Co. lohnt sich Bio, denn sie wachsen artgerecht auf, bevor sie auf unserem Teller landen. Bio-Geflügelfleisch enthält durch die weniger intensive Mast anteilmäßig weniger Fett und Wasser, dafür aber mehr hochwertiges Eiweiß. Beim Grillen verliert das herkömmliche Hähnchen deshalb auch mehr Volumen: 20 Prozent, im Gegensatz zum Bio-Hendl, das nur um 15 Prozent schrumpft.

Bei Eiern wird derzeit davon ausgegangen, dass der Nährwert bei konventioneller und Öko-Haltung vergleichbar ist. Bei Hühnern sind die Treibhausgasemissionen der ökologischen Haltung nur etwas niedriger als bei der konventionellen Haltung.


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