Klimafreundlich essen Weizen ohne Klima anzuheizen


Dass für die Erzeugung von Bio-Getreide und -Hülsenfrüchten in der Regel weniger Pestizide eingesetzt werden, hat sich schon herumgesprochen. Doch wie steht es um ihre Öko-Bilanz? Fällt bei ihrer Produktion tatsächlich weniger CO2 an? Eine Analyse.
Von Maren Wernecke

Roggen (als Brotgetreide)

Roggen ist ein ziemlich anspruchsloses Getreide, das auch auf mageren, sandigen Böden wächst. Der Einsatz von Düngemitteln ist nur mittelmäßig hoch, auch der Pestizideinsatz hält sich in Grenzen. Im Vergleich zu Obst und Gemüse aber ist der Energieeinsatz und der Ausstoß an Treibhausgasen bei der Produktion relativ hoch: Nach einer Studie der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig werden 330 Gramm Kohlendioxid frei, um ein Kilo Roggen zu erzeugen.

Bei Weizen sind es 310 Gramm. Für den Kunden ist leider im Laden oft nicht erkennbar, woher die Körner stammen - Transportwege quer über den europäischen Kontinent können also nicht ausgeschlossen werden. Wenngleich die Chancen nicht schlecht stehen, heimisches Getreide zu finden: Deutschland ist der drittgrößte Roggenproduzent der Welt.

Roggen-Vollkorn ist sehr ballaststoffreich, enthält mehr Eisen als Weizen, außerdem viel Kalium, Magnesium und verschiedene B-Vitamine.

Dosen-Mais

Der Mais, der aus der Dose kommt, ist Zuckermais und wird vor allem in den USA angebaut. Damit er schön weich ist, wird er unreif gepflückt - ein großer Teil der Körner bleibt dabei zurück. Lebensmittel-Mais wird in der Regel in Monokulturen angebaut, was den Boden auslaugt und Erosionen fördert. Zudem werden für hohe Erträge große Mengen an energieaufwändig produzierten mineralischen Dünger benötigt.

Da der Zuckermais feucht geerntet wird, muss er sofort verarbeitet werden. Auch das kostet Energie: Abgefüllt in Dosen, wird der Mais auf über 100 Grad Celsius erhitzt. So werden Keime abgetötet und der Mais lange haltbar gemacht. Auch die Produktion der Dose verursacht einen kleinen Teil der Energiekosten. Kommt der Dosen-Mais aus Übersee, verschlechtert der lange Transportweg die Öko-Bilanz weiter - wenngleich der Transportabschnitt mit dem Schiff die Umwelt verhältnismäßig wenig belastet.

An sich ist Lebensmittel-Mais gesund. Er enthält viel Magnesium und B-Vitamine. Durch den Verarbeitungsprozess allerdings geht ein Teil der wertvollen Inhaltsstoffe verloren. Das Risiko, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln zu verzehren, ist gering.

stern.de präsentiert diese Woche alle Bereiche unserer Nahrung im Hinblick auf ihre Klimabilanz

Teil 1 - Fleischgenuss ohne CO2-Reue

Teil 2 - Von Huhn, Ei und CO2

Teil 3 - Butter bei die Fische

Sind Klassiker aus dem Bioladen, wie Buchweizen, Amaranth oder Quinoa umweltfreundlich?

Diese Pflanzensorten zählen zu den so genannten "Pseudocerealien": Anders als Weizen oder Roggen sind sie keine Gräser, werden aber wie Getreide verwendet. Sie werden in Deutschland selten angebaut, eignen sich aber ausgezeichnet, um die Fruchtfolgen auf den Feldern aufzulockern: Indem sie zwischen anderen Anbausorten als eine Art zeitlichen Distanzhalter dienen, bilden sie einen Puffer für Krankheiten. Abgesehen davon haben Amaranth und Quinoa einen hohen Ernährungswert und können unseren Speiseplan sehr gut ergänzen. Sie enthalten viele hochwertige Eiweiße und (anders als Weizen etwa) wenig Allergene.

Spart es Energie und Emissionen, Getreide selbst zu mahlen und Brot zu Hause zu backen?

Nein. Die Energieeffizienz größerer Mühlen und Backbetriebe ist kaum zu überbieten. Zwar sind die Zutaten für ein Brot oder die Fertigbackmischung billiger als das fertige Produkt aus der Bäckerei. Aber drei bis vier Stunden Strom für den Ofen oder den Brotbackautomaten kosten schließlich auch eine Menge Energie.

In welcher Form kauft man Hülsenfrüchte am besten? Frisch? Trocken? Oder gar aus der Dose?

Frische Erbsen, Bohnen oder Linsen sind immer zu empfehlen, weil hier keine Energie für die Verarbeitung anfällt. Allerdings kann man auch trockene Ware in Tüten mit gutem Gewissen kaufen: Der Energieaufwand für Trocknung und Verpackung ist gering. Dazu kommt: Trockene Hülsenfrüchte lassen sich einfach und lange lagern, Transporte mit dem Flugzeug werden überflüssig. Aber wer die Umwelt schonen will, verzichtet auch hier auf Dosenware.

Welche Waren sind unter Umweltgesichtspunkten empfehlenswert?

Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen oder Linsen haben den großen Vorteil, dass sie auf dem Acker Stickstoff aufnehmen und nicht wieder abgeben. Stickstoff ist ein Hauptbestandteil von Düngemitteln, da es die Pflanzen zum Wachstum anregt. Allerdings wird Stickstoff, der nicht von der Pflanze aufgenommen wird, irgendwann zu Lachgas umgewandelt - ein Treibhausgas, das rund 200 Mal schädlicher ist als Kohlendioxid.

Unter Getreide sind vor allem alle selteneren Sorten empfehlenswert, die auch regional angebaut werden, wie zum Beispiel Roggen und Dinkel. Diese Sorten sind nicht anspruchsvoll und werden nur wenig gedüngt. Dadurch ist ihre Stickstoff-Bilanz besser. Auch der Einsatz an Pestiziden ist relativ gering. Außerdem eignen sich diese Sorten ähnlich wie Hülsenfrüchte, um die Fruchtfolge aufzulockern.

Ist Bio besser?

Der Energiebedarf für ökologisch erzeugten Weizen und Roggen ist etwa ein Drittel geringer als bei konventionellem Getreide. Das wirkt sich positiv auf die Öko-Bilanz aus. Ansonsten hat ökologisch erzeugter Weizen einen geringeren Eiweißgehalt und zeichnet sich durch etwas schlechtere Backeigenschaften aus. Dafür kann der Anteil an essentiellen Aminosäuren (Eiweißbausteinen) höher sein. Manche Bio-Getreidesorten weisen teilweise einen höheren Mineralstoffgehalt auf.

Regelmäßige Untersuchungen der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel zeigen, dass einheimisches Getreide praktisch keine Rückstände an Pestiziden aufweist - das gilt allerdings auch für konventionell erzeugte Ware. Giftige Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen können sowohl in biologisch als auch in konventionell erzeugten Lebensmitteln vorkommen, zum Beispiel im Weizen oder Roggen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker