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Preisanstieg und Hitzewelle Indien stoppt Export von Weizen – mit sofortiger Wirkung

Weizenernte in Indien
Um die Ernährung im eigenen Land zu sichern, hat Indien einen Exportstopp für Weizen beschlossen
© ABACA / Picture Alliance
Um die Ernährung im eigenen Land zu sichern, hat Indien den Export von Weizen mit sofortiger Wirkung gestoppt. Die Welthungerhilfe warnt von einer Verschärfung der globalen Hungerkrise.

Am Mittwoch noch hatte Indiens Staatssekretär Sudhanshu Pandey jede Einschränkung des Weizenexports ausgeschlossen. Nun aber stoppt das Land die Ausfuhr mit sofortiger Wirkung. In einer Regierungserklärung heißt es, dass der sprunghafte Anstieg der Weltmarktpreise die Ernährungssicherheit Indiens und der angrenzenden Länder bedrohe.

Dabei sollte Indien als zweitgrößtem Weizenproduzent eine wichtige Rolle im Kampf gegen die globale Hungerkrise zukommen. Bisher sind rund ein Drittel der weltweiten Weizen- und Gerstenexporte auf Russland und die Ukraine – die "Kornkammern der Welt" – entfallen. Seit Beginn des Krieges ist die Ausfuhr stark zurückgegangen, die Preise daraufhin auf ein Rekordhoch gestiegen. Die Einfuhrpreise haben laut Statistischem Bundesamt ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht (stern berichtete).

Indien wollte zehn Millionen Tonnen Weizen exportieren 

Die Lieferengpässe haben in etlichen Entwicklungsländern, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent, zu Versorgungsengpässen und Hungerkrisen geführt. Indien war vor dem Krieg nur für ein Prozent des weltweiten Weizenexportes verantwortlich. Für 2023 hatte Indien jedoch angekündigt, zehn Millionen Tonnen Weizen exportieren zu wollen. Das Land habe laut "Tagesschau" geplant, die Versorgungslücken zu schließen und neue Märkte in Europa, Afrika, Asien zu erschließen.

"Derzeit hat Indien mehr als genügend Vorräte von Reis und Weizen zum Export", zitierte die "TAZ" Devindra Sharma, Experte für Ernährungspolitik aus dem indischen Punjab, im März. Inzwischen hat sich die Situation verändert. Um den Preisanstieg im eigenen Land in den Griff zu bekommen, hält Indien das Getreide nun doch zurück. Hinzu kommt die historische Hitzewelle, die für großflächige Ernteausfälle auf dem Subkontinent führen könnte. Nach Angaben des indischen Wetterdienstes hatten Nordwest- und Zentralindien den heißesten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 122 Jahren erlebt. Landwirte rechnen teilweise mit einer Halbierung der Erträge.

Mit dem Exportstopp schließt sich Indien einer Reihe von anderen Staaten an, die seit Beginn des Krieges die Ausfuhr bestimmter Lebensmittel gestoppt haben. Die Zahl der Länder, die Exportbeschränkungen verhängt haben, ist nach Angaben des "International Food Policy Research Institute" in Washington von drei auf 16 gestiegen. Die davon betroffenen Ausfuhren entsprechen 17 Prozent der Kalorienmenge, die mit dem weltweiten Lebensmittelexport einhergeht. Die Welthungerhilfe beobachtet die Entwicklungen mit Sorge und warnt vor einem "noch drastischeren Anstieg" der Zahl von hungernden Menschen. Derzeit leiden etwa 800 Millionen Menschen auf der Welt an Hunger.

Quellen: "International Food Policy Research Institute", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Tagesschau", "TAZ"

lhi

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