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Fragen und Antworten

Forscher-Coup in China: Was die Klon-Affen für den Menschen und unsere Gesundheit bedeuten

Man hört die Nachricht, man stutzt, man beginnt zu grübeln: Erstmals wurden erfolgreich Affen geklont. Steht damit der erste geklonte Mensche praktisch vor der Tür? Die wissenschaftliche Sensation wirft viele Fragen auf.

Natürlich: Sie sind süß anzuschauen, wie sie da in ihrem Glaskasten herumtollen, doch für viele Menschen sind sie trotzdem Monster: Zhong Zhong und Hua Hua, die beiden Javaneräffchen, die als erste erfolgreich geklonte Primaten in die Geschichte eingehen werden. Den wissenschaftlichen Erfolg, dies mit der leicht abgewandelten, vom Klonschaf "Dolly" bekannten Methode erreicht zu haben, reklamieren Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai für sich - durch die Veröffentlichung in der Fachzeitschrift "Cell". Dass es sich überhaupt um einen Fortschritt handelt, diese Ansicht wird längst nicht jeder teilen.

Denn so niedlich die Äffchen auch sein mögen, dass sie überhaupt existieren, macht vielen Menschen Angst. Zu groß sind die Fragen, die sich stellen: Wird es schon bald Menschenklone geben? Wie werden wir mit diesen Menschen umgehen? Wie kommen wir dazu, auf diese Weise "Gott zu spielen"? Was tun wir den Tieren da an? Aber auch: Dürfen wir schweres Leid kranker Menschen und ihrer Angehörigen zulassen, wenn uns das Klonen die Möglichkeit gibt, dies zu lindern oder gar zu beseitigen? Einige vorläufige Antworten auf Fragen, die sich nun so drängend stellen:

Wird es schon bald Menschen-Klone geben?

Obwohl die geklonten Affen wie der Mensch zu den Primaten zählen, ist damit nicht zu rechnen. Komplexe Lebewesen zu klonen, ist kompliziert und mit vielen ethischen Fragen belastet. Auch die Geburt der Javaneräffchen Zhong Zhong und Hua Hua steht am Ende einer langen Reihe erfolgloser Versuche. Gelungen ist dies den chinesischen Forschern nun durch einen "molekularbiologischen Kniff", von dem aber bisher nicht bekannt ist, dass er schon einmal erfolgreich nachvollzogen werden konnte. Trotzdem: "Die Wahrscheinlichkeit, dass es [das Klonen von Menschen, die Red.] technisch möglich werden könnte, die ist sicherlich größer geworden", sagt Rüdiger Behr vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen im Interview mit "NDR Info".


Darf man überhaupt Menschen klonen?

Dass es in irgendeinem Labor irgendwo auf der Welt versucht (werden) wird, davon kann man ausgehen. Der Klon-Erfolg bei lässt diese Befürchtung vieler Menschen größer werden. Aus ethischer Sicht verbietet sich das Klonen von Menschen grundsätzlich - "und es wird auch global gesehen meiner Einschätzung nach überwiegend sehr kritisch gesehen", so DPZ-Wissenschaftler Behr. In Deutschland ist das entsprechend im Embryonenschutzgesetz geregelt und schon der Versuch mit Haft- und Geldstrafe belegt. Das Gleiche gilt für das Vermengen von Erbinformationen, aus denen Chimären oder Hybride, also Mischwesen, entstehen könnten - egal, ob lebensfähig oder nicht.

Ist das Klonen von Tieren unbedenklich?

Keineswegs. Schon allein die Anzahl der Versuche, in denen in China mit lebendem "Material" hantiert wurde, zeigt das. Im aktuellen Fall entstanden aus 127 Klon-Versuchen 109 Embryos, von denen aber nur 79 in ein Leihmutter-Tier übertragen werden konnten. Daraus entstanden lediglich sechs Schwangerschaften und geboren wurden mit Zhong Zhong und Hua Hua schließlich zwei Äffchen. Ob die beiden noch leben, ist zudem trotz der gezeigten Fotos und Videos unklar. Die chinesischen Forscher machten dazu keine Angaben. "Klontiere sterben oft kurz vor oder nach der Geburt, so dass sie Schmerzen empfinden und schwer leiden", stellte der Deutsche Tierschutzbund zum aktuellen Fall in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" fest. Hinzu komme, dass Primaten sinnesphysiologisch so hoch entwickelt seien, dass sie "mehr als andere Tiere unter derartigen Versuchsdurchführungen" leiden, sagte Verbandssprecherin Lea Schmitz. "Wir lehnen das Klonen von Tieren strikt ab."

Warum wird überhaupt geklont?

Die Vorstellung, auf diese Weise die identische Kopie eines geliebten Menschen bekommen zu können, den man verloren hat - das ist Science Fiction. Auch die Produktion ganzer Armeen von identischen, hochgezüchteten menschlichen "Kampfmaschinen" gehört ins Reich der Phantasie. Das Klonen von Tieren wird zumeist mit dem Erkenntnisgewinn über das Erbgut im Allgemeinen, vor allem aber mit dem Kampf gegen unheilbare Krankheiten begründet und gerechtfertigt. Auch die Reproduktion von einzelnen Organen zu Transplantationszwecken ist denkbar. Strittig ist, ob all' das auch für den aktuellen Fall gelten darf. "Die Forscher räumen selbst ein, dass eine Verbesserung der Methode möglich gewesen wäre", sagte Peter Dabrock, Vorsitzender des Ethikrats, in der "Berliner Zeitung". "Warum hat man das nicht zunächst bei Nagern und anderen Tierarten, die weniger leiden, präzisiert?" Dabrock hat den Verdacht, dass es China vor allem um Vorteile im wissenschaftlichen Wettbewerb mit den USA geht. Darauf weise auch die Namenswahl für die Äffchen hin. "Zhonghua" bedeutet soviel wie "chinesische Nation".

Wie hilft der Klon-Erfolg bei Affen der Medizin?

Durch das Klonen von Affen lassen sich gute sogenannte "Krankheitsmodelle" für den Menschen entwickeln. "Der Mensch und die nicht-menschlichen Primaten, also die Affen, sind biologisch gesehen recht nah verwandt und dementsprechend haben Affen recht viele Eigenschaften, die auch wir Menschen haben", so Rüdiger Behr zu NDR Info. Eine Untersuchung dieser Eigenschaften lasse gut begründete Rückschlüsse auf den Menschen zu. Mit Hilfe der in China angewandten Klon-Methode könnte man in der Erbsubstanz einheitliche Tiere generieren, wodurch man sehr gute, überprüfbare Aussagen im Hinblick auf Erkrankungen des Menschen bekommen könnte, so Behr.

Rechtfertigt der medizinische Erfolg das Leiden der Tiere?

Das ist eine Gewissensfrage, die sich nicht abschließend beantworten lässt. Auf der einen Seite steht das Leiden der Tiere und das Sicherheben des Menschen über andere Lebewesen, auf der anderen Seite großes Leid von Menschen, das sich vermeiden oder beenden ließe. "Man muss für jeden einzelnen Fall ganz genau überlegen, ob das Ziel, dieses Verfahren rechtfertigt", sagt DPZ-Mann Behr. "Wenn man mit Hilfe solcher Affen-Modelle eine Krankheit besser verstehen und möglicherweise zukünftig auch heilen könnte, (...), könnte ich persönlich zu der Einschätzung kommen, dass die Anwendung dieses Verfahrens bei Affen sinnvoll sein könnte."

mit Material von / DPA / AFP