Kommentar Schüler brauchen ordentliches Essen!

Viele Schulen bieten kein vernünftiges Mittagessen an
Viele Schulen bieten kein vernünftiges Mittagessen an
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Falsche Rezepte aus Berlin: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will im Schulunterricht das Fach Ernährung einführen. Schöne Worte. Viel dringender wäre, nicht das Fach, sondern an den Schulen selbst vernünftige Ernährung einzuführen.
Von Doris Schneyink und Catrin Boldebuck

Klar, viele Kinder sind zu dick, ernähren sich schlecht, brauchen mehr Bewegung. Doch erstens ist es sehr kompliziert, ein neues Fach einzuführen. Wer soll es unterrichten und wie soll das noch in den ohnehin schon überfrachteten Stundenplan passen? Und zweitens würde ein solches Fach überhaupt nichts bringen. Wir alle wissen, wie man sich gesund ernährt. Was fehlt, ist ein vernünftiges Angebot an den Schulen. So bestellen sich hungrige Gymnasiasten in Nordrhein-Westfalen mittags Pizza vom Lieferservice, weil sie bis um 14 Uhr und länger Unterricht haben. Schuld ist ein verdichteter Stundenplan, weil das Abitur in acht Jahren durchgezogen wird. Statt eine Kantine mit ordentlichem Mittagessen anzubieten, verbieten Schuldirektoren den Pizza-Service. Eine bequeme Haltung.

Bildungs-Politiker, Verbraucherminister Horst Seehofer und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt haben ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht: Sie müssen flächendeckend Ganztagsschulen mit vernünftigem Essens- und Bewegungsangeboten einrichten, statt die Verantwortung auf Eltern und Kinder abzuwälzen. Wir brauchen nicht mehr Wissen über gute Ernährung, wir brauchen eine warme Mahlzeit an den Schulen. Fordern kann man viel - vor allem, wenn man eigentlich gar nicht zuständig ist. Denn was an Schulen gelehrt werden soll, fällt nicht ins Ressort von Seehofer und Schmidt.


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