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Entdeckung in der Atmosphäre "Bislang bedeutendste Entwicklung": riesiger Hype um Lebensspuren auf Venus

Wissenschaftler haben auf der Venus möglicherweise Hinweise auf Leben entdeckt.


In den Schwefelwolken des Planeten stießen sie auf das Gas Monophosphan. Die Verbindung wird auf der Erde von Mikroorganismen erzeugt, zum Beispiel in Sümpfen und Reisfeldern. Der Fund könnte darauf hindeuten, dass es einmal Leben auf dem Planeten gab oder noch gibt. O-TON ITZIAR DE GREGORIO, THE EUROPEAN SOUTHERN OBSERVATORY'S HEAD OF THE OFFICE FOR SCIENCE: "Wenn sich herausstellt, dass das Monophosphan in der Atmosphäre tatsächlich von Mikroorganismen produziert wird, dann müssten das Organismen sein, die sich an extreme Umweltbedingen angepasst haben. Sie müssten extremen sauren Bedingungen widerstehen, denn die Atmosphäre der Venus besteht zu einem großen Teil aus Schwefelsäure. Solche extremophilen Organismen wurden auch schon auf der Erde gefunden." Die Venus ist der Planet in unserem Sonnensystem, der der Erde am nächsten ist. Er ist eingehüllt in eine Atmosphäre aus giftigen Gasen. Sie sorgen für einen sich selbst verstärkenden Treibhauseffekt. Auf der Oberfläche herrschen daher bis zu 470 Grad Celsius. Die Wissenschaftler nehmen aber, dass der Planet vor hunderten Millionen Jahren durchaus erdähnliche Bedingungen geboten haben könnte.
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Venus ist ein Planet mit voll ausgebildetem Treibhauseffekt und gilt daher als lebensfeindlich. Trotzdem wurden nun Hinweise auf Lebensspuren entdeckt. Als "bislang bedeutendste Entwicklung" feiert das die Nasa. Doch der zweifelsfreie Nachweis steht aus.

Wer hätte gedacht, dass Pinguine einmal im Fokus der Suche nach außerirdischem Leben stehen könnten? Aber in einem unendlichen Kosmos dürften auch die Möglichkeiten unendlich sein und daher hat ein Stoffwechselprodukt winziger irdischer Bakterien, von denen man weiß, dass sie im Kot von Pinguinen zuhause sind, den Alien-Jägern einen regelrechten "Schock" versetzt. Die Rede ist von einem seltenen und giftigen Gas namens Monophosphan. Und eine Forschergruppe um die britische Astronomin Jane Greaves hat dieses Gas in der Atmosphäre unseres Nachbarplaneten Venus entdeckt. Wie es dahin kommt, ist ein Rätsel. Da wir es aber nur als Stoffwechselprodukt kennen, also – vereinfacht gesagt – als Ergebnis eines biologischen Vorgangs, ist die Aufregung groß.

Zur Klarstellung: Man muss nicht unbedingt "grüne Männchen" finden, um zu belegen, dass wir nicht allein im Universum sind. Auch der Nachweis von Mikroorganismen wäre der Beleg dafür, dass sich Leben nicht nur auf der Erde, sondern praktisch überall im Universum entwickeln kann – und zwar immer dort, wo die Bedingungen stimmen. Die dichte Treibhaus-Atmosphäre von Venus wäre einem da sicher nicht als erstes eingefallen, aber nach der jüngsten Entdeckung kann man das nun zumindest nicht mehr ausschließen. Außerdem: Auch in äußeren Schichten der Atmosphäre unseres Planeten wurden schon mikrobische Lebensformen entdeckt – von der Nasa in rund 12.000 Kilometern über der Erde. Das war vor zehn Jahren, wie Nasa-Chef Jim Bridenstine eilends erinnert hat.

"Behaupten nicht, Leben auf Venus gefunden zu haben"

Die US-Raumfahrtagentur hält dementsprechend die Entdeckung von Phosphingas auf der Venus für den bisher größten Fortschritt in der Suche nach möglichem außerirdischen Leben. Der Fund sei die "bislang bedeutendste Entwicklung bei der Suche nach Belegen für Leben außerhalb der Erde", schrieb Bridenstine auf Twitter.

"Wir behaupten nicht, dass wir Leben auf der Venus gefunden haben", sagte Sara Seager, Ko-Autorin der in der Fachzeitschrift "Nature Astronomy" veröffentlichten Studie, und nahm so während einer Pressekonferenz am Montag etwas den Fuß vom Gas. Aber, so die Wissenschaftlerin vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT): "Wir haben das Gas Monophosphan detektiert, dessen Herkunft ein Geheimnis ist."

Wie kommt Monophosphan in die Atmosphäre?

Letzteres vor allem deshalb, weil das in dem Gas vorhandene Phosphor stark mit anderen Stoffen reagiert und daher in der Venus-Atmosphäre rasch wieder verschwinden sollte. Dass es sich dennoch nachweisen lässt, deutet darauf hin, dass es offenbar immer wieder neu entsteht. Doch wieso? Auf chemische oder geologische Weise? Ein solcher Mechanismus ist der Wissenschaft bisher nicht bekannt. Daher bleibt im Moment nur die äußerst spannende, wenn auch immer noch theoretische Frage: Könnte es sein, dass Mikroorganismen in 50 bis 70 Kilometern Höhe über der Venus-Oberfläche das Monophosphan durch ihren Stoffwechsel immer wieder erzeugen – so wie es auch auf der Erde geschieht?

Eine Frage, die nach einer Antwort verlangt. Und so ist Venus nun auf der Rangliste jener Himmelskörper im Sonnensystem, auf denen Leben möglich sein könnte, ein ordentliches Stück nach oben gerückt, wie Sara Seager am Montag sagte. Eine Aussage, die darauf hinauslaufen wird, dass unser innerer Nachbarplanet künftig häufiger Besuch von irdischen Sonden bekommen wird. Denn um wirklich herauszufinden, was da in der Venus-Atmosphäre vor sich geht, wäre es von Vorteil, den Planeten zu besuchen, um Messungen vor Ort vorzunehmen, schreibt die Forschergruppe in ihrem Fachartikel. Die indische Isro und die russische Roskosmos haben für 2023 und 2026 schon Missionen in Vorbereitung. Dabei wird es nun vermutlich nicht bleiben. Venus, wir kommen!

Quellen:"Nature Astronomy"; "Scientific Reports"; Twitter-Account Jim BridenstineNasa Solar System Exploration; Nachrichtenagenturen AFP und DPA


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