HOME

Mysterium Sonne: Nasa-Satellit soll Sonnenstürme beobachten

Sonnenstürme können Funknetze, Navigationssysteme und sogar Stromnetze außer Gefecht setzen. Ein neuer Satellit, den die US-Raumfahrtbehörde Nasa am 9. Februar in den Orbit schießt, soll die Entstehung solcher Stürme klären.

Die Sonne ist der Erde von allen Sternen am nächsten - und doch stellt sie für Wissenschaftler immer noch ein großes Rätsel dar. Das soll sich bald ändern. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa startet am 9. Februar von Cape Canaveral in Florida mit einer Atlas-V-Rakete das "Solar Dynamics Observatory" (SDO). Es startet im Rahmen eines neuen Programms der Nasa mit dem Titel "Living With a Star" (Leben mit einem Stern). Dieser erste Satellit einer neuen Generation soll dazu beitragen, die schwankende Sonnenaktivität besser zu verstehen. Die Sonne überschüttet immer wieder die Erde mit gigantischen, elektrisch geladenen Gaswolken. Solche Sonnenstürme können schwere Schäden anrichten. Sie bedrohen Kommunikationssatelliten, Navigationssysteme und Stromnetze. Außerdem beeinflussen sie das Weltraumwetter.

Der Satellit wird alle zehn Sekunden eine Aufnahme von der Sonne machen. Pro Tag wird er 1,5 Terabyte Daten zur Erde funken: eine gigantische Menge. Es sind fast 50mal mehr wissenschaftliche Daten als bei jeder anderen Nasa-Mission. Der Satellit überwacht auch die ultraviolette Strahlung und die Magnetfeldschwankungen der Sonne. Zudem kann er mit einem kombinierten Seismik- und Magnetfelddetektor ins Innere des Gestirns sehen. So sollen Frühwarnungen vor den gefährlichen Sonnenstürmen möglich werden. Denn über die Ursachen des Sonnenzyklus weiß man nicht viel.

Das Schwanken der elektromagnetischen Sonnenstrahlung nennt man Sonnenaktivität. Sie entsteht durch die Magnetfelder und -strömungen der Sonne. Ein Maß für ihre Aktivität ist die Zahl der Sonnenflecken. Das sind dunkle, kühlere Stellen auf der Sonnenoberfläche, die durch lokale Störungen im Magnetfeld entstehen. Die Sonnenaktivität baut sich nach ruhigen Phasen langsam auf, bis Gas sich explosionsartig in Eruptionen entlädt. Diese Eruptionen können elektrisch geladene Sonnenstürme auslösen, die das Magnetfeld der Erde stören. Wie sich die gespeicherte magnetische Energie in die kinetische Energie der Sonnenstürme verwandelt, ist Wissenschaftlern bisher ein Rätsel.

Dieser Zyklus wiederholt sich etwa alle elf Jahre. Die Intensität eines Sonnenzyklus oder den Höhepunkt der Aktivität vorherzusagen, ist nicht leicht. Denn die maximale Anzahl der Sonnenflecken in einem Jahr lässt sich erst im Nachhinein bestimmen. Der letzte Höhepunkt trat wahrscheinlich zwischen 2001 und 2002 auf.

Es gibt Anzeichen dafür, dass eine längere Periode der Inaktivität für längere Winter auf der Erde sorgen könnte. Ob das stimmt, und wie intensiv der nächste Sonnefleckzyklus sein wird, soll das Satellitenobservatorium beantworten. Es wird mindestens fünf Jahre lang die Erde umkreisen, um die Sonne jederzeit beobachten zu können. Nachdem der ursprüngliche Starttermin Ende 2009 wegen technischer Probleme verschoben werden musste, soll das Programm nun endlich beginnen.

DPA / DPA