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Rakete "Shenzhou 8": Deutschland und China gemeinsam im All

China zeigt auch im Weltraum Stärke - mit deutscher Beteiligung. Der Start eines chinesischen Raumschiffes mit deutschem Gerät an Bord soll der Anfang intensiver Kooperation sein. Experten sehen ein politisches Signal und einen Imagegewinn für China.

Mit dem Start des Raumschiffs "Shenzhou 8" haben China und Deutschland eine neue Raumfahrtkooperation begonnen. Als "Shenzhou 8" Dienstagmorgen Ortszeit mit einem großen Feuerschweif ins All startete, jubelten die Mitglieder der deutschen Delegation am Raumfahrtbahnhof Jiuquan in Nordwestchina: "großartig", "bestens", "wie im Bilderbuch". Es gab kräftig Beifall, als das "Magische Schiff" in der dunklen Wolkendecke entschwand und auf dem Weg ins All seine Raketenstufen abwarf.

Als erstes Land arbeitet Deutschland mit dem Flug von "Shenzhou 8" wissenschaftlich mit der jungen und ehrgeizigen Raumfahrernation zusammen. Kernstück der Kooperation ist die deutsche Versuchsanlage "Simbox", mit der die Auswirkungen der Schwerelosigkeit erkundet werden. Ein "bahnbrechendes erstes Kooperationsprojekt", schwärmte der Leiter für Weltraumforschung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Peter Preu, der eigens in die Wüste Gobi gereist war.

"Ich bin sicher, dass wir erst am Anfang einer noch intensiveren Kooperation stehen", sagte Preu. Um die Forschung unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit und unter Weltraumstrahlung bei künftigen "Shenzhou"-Missionen fortzusetzen, wurde schon im Frühjahr ein gemeinsamer Lenkungsausschuss für konkrete Planungen eingesetzt. "China will sehr gerne weiter mit den Deutschen und anderen Europäern kooperieren - durchaus auch in die Richtung von Astronautentraining", berichtete Preu.

Chinas Raumstation bald Nachfolger der ISS?

"Politisch ist die Kooperation äußerst wichtig", sagte Dean Cheng, China- und Raumfahrtexperte bei der US-Denkfabrik Heritage Foundation in Washington. "Dass Experimente anderer Länder mitgenommen werden, ist ein Zeichen für deren Vertrauen und Interesse in Chinas Raumfahrtprogramm." Ähnlich äußerte sich die Expertin Joan Johnson-Freese vom US Naval War College. Die deutsche Versuchsanlage an Bord von "Shenzhou 8" demonstriere "sicherlich, dass China von den meisten anderen Ländern als Raumfahrernation akzeptiert ist".

"Dass die USA - vor allem durch den Kongress und weniger die Regierung - weiter versuchen, Chinas Aktivitäten im All zu isolieren, funktioniert eindeutig nicht", sagte Johnson-Freese unter Hinweis auf den politischen Widerstand in den USA, auf das chinesische Raumfahrtprogramm zuzugehen. "Es könnte China vielmehr angetrieben haben." Wenn die Zeit der internationalen Raumstation ISS abläuft, wäre China um 2020 die einzige Nation, die über einen Außenposten im All verfügt. "Das wäre de facto der Nachfolger der ISS."

Andockmanöver ist eine Premiere für China

Bevor China aber seine großen Pläne vorantreiben kann, muss das Andockmanöver zwischen "Shenzhou 8" und dem Weltraummodul "Tiangong 1" gelingen. "Wenn man bedenkt, dass China so etwas noch nie gemacht hat, würde ich es als ein ziemlich schwieriges Manöver einschätzen", sagte der US-Experte Cheng. Geschwindigkeit und Richtung des Raumschiffes und die Position des "Himmelspalastes" müssten genau kalkuliert werden. "Dann müssen sie andocken, und die Verbindung muss sicher sein, so dass beide eine Weile zusammen um die Erde reisen können."

Bevor "Shenzhou 8" zur Erde zurückkehrt, wird ein zweites Kopplungsmanöver geplant. "Alles nur ferngesteuert und mit dem Wissen, dass jeder Fehler wahrscheinlich nicht nur die eigene Karriere beendet, sondern auch Gerät im Wert von einigen Hundert Millionen US-Dollar in Gefahr bringt", so Cheng. Die Nervosität sei sicher groß. "Chinas erster Andockversuch wird live im Fernsehen übertragen, was sehr riskant und noch nicht dagewesen ist", sagte Yuan Jiajun von Chinas Raumfahrtprogramm laut Staatsmedien. "Wie mit der Lupe werden die Menschen in der ganzen Welt zuschauen."

Andreas Landwehr, dpa / DPA
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