Raumfähre "Discovery" Heikle Reparatur im All


Die Nasa will auf Nummer sicher gehen: Da nicht abzuschätzen ist, wie gefährlich die Füllstoffschäden am Hitzeschild für den Wiedereintritt der "Discovery" in die Erdatmosphäre sind, hat sich die Nasa für eine Reparatur im All entschlossen. Die schwierige Prozedur beinhaltet allerdings Risiken.

Erstmals in der 24-jährigen Geschichte der Shuttle-Flüge soll ein Astronaut an der Unterseite einer Raumfähre Reparaturarbeiten unternehmen. Am Montag entschied die Flugleitung in Houston, dass ein Mitglied der Besatzung kleinere Schäden am Hitzeschutzschild der "Discovery" beheben soll. Nasa-Experten befürchten, dass hervorstehender Fugenfüller zwischen den Hitzeschutzkacheln die Aerodynamik des Shuttles stören und zu einer stärkeren Aufheizung des Schutzschildes bei der Rückkehr zur Erde führen könnten. Probleme am Hitzeschild hatten 2003 zum Absturz der Raumfähre "Columbia" geführt, bei dem alle sieben Besatzungsmitglieder ums Leben kamen.

Bei den beiden von der Unterseite der "Discovery" herabhängenden Streifen handelt es sich um eine Fasermischung, die die Fugen zwischen den Hitzeschutzkacheln ausfüllt. Einer der Streifen ist 2,5 Zentimeter lang, der andere 1,5 Zentimeter. Der Schaden, der am Wochenende entdeckt wurde, löste die Sorge aus, dass sich das lose Material beim Wiedereintritt der "Discovery" in die Erdatmosphäre entzünden könnte.

Laut Dr. Volker Sobick vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum sind die Probleme mit dem Fugenfüllstoff nicht neu: "Es ist ein bekanntes Problem, dass durch die Beanspruchung des Starts Füllstoff nach außen gedrückt wird."

Die Besatzung der "Discovery" studierte die ins All gesandten Pläne der US-Raumfahrtbehörde Nasa: Auf einem 15 Meter langen Roboterarm soll Astronaut Steve Robinson am Mittwoch hervorstehende Fugenfüller zwischen den Hitzeschutzkacheln entfernen. Er muss dabei größte Vorsicht walten lassen, da die Hitzekacheln leicht beschädigt werden können. Die Nasa-Ingenieure fürchten, die Unebenheiten könnten die Aerodynamik des Schiffes stören und zu einer stärkeren Aufheizung des Schutzschildes beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre führen. Probleme am Hitzeschild hatten 2003 zum Absturz der "Columbia" geführt, bei dem alle sieben Besatzungsmitglieder starben.

Der stellvertretende Projektleiter für Shuttle-Flüge, Wayne Hale, erklärte, man könne nicht genau beurteilen, wie groß der Schaden tatsächlich sei. Deshalb habe man sich sicherheitshalber für den Reparatureinsatz entschieden. Nach Angaben der Nasa ist die "Discovery" aber trotz der Beschädigungen in einem guten Zustand und landefähig. Die Flugleitung wolle aber das Risiko minimieren, zumal es bei der Aerodynamik unter den extremen Bedingungen des Wiedereintritts in die Atmosphäre eine Reihe von Unwägbarkeiten gebe.

Reparatur vorher noch nie geprobt

Hale räumte auch ein, dass der Erfolg dieser Mission schlecht abzuschätzen sei. Die Arbeit könnte sich unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit und der hohen Geschwindigkeiten im All als äußerst schwierig erweisen. Astronauten haben bei all ihren Außenbordeinsätzen noch nie die Unterseite einer Raumfähre im All inspiziert und haben auch noch nie während eines Fluges am Hitzeschild gearbeitet. Beobachtern zufolge besteht die Gefahr, dass bei diesem Pioniereinsatz Fehler gemacht werden könnten, was die Situation verschlimmern würde.

Die Discovery-Crew wird bei den Arbeiten an der Shuttle-Unterseite allerdings keinen direkten Sichtkontakt zu Robinson haben. Eigtentlich war am Mittwoch die Installation einer Lagerplattform an der internationalen Raumstation (ISS) geplant. Im All gemachte Videoaufnahmen hatten in der vergangenen Woche allerdings die Unebenheiten an der Raumfähre gezeigt. Sie seien jedoch nicht gefährlich, sagte der stellvertretende Leiter des Shuttle-Programms Wayne Hale. Nach Angaben der Nasa ist die "Discovery" trotz der Beschädigungen in einem guten Zustand und landefähig. Die Flugleitung wolle jedoch das Risiko minimieren, zumal es bei der Aerodynamik unter den extremen Bedingungen bei dem für den 8. August geplanten Wiedereintritt in die Atmosphäre einige Unwägbarkeiten gebe.

"Das Vorgehen, die Pläne und Zeitleisten werden zur Zeit durchgespielt", sagte Nasa-Vertreter Rob Navias. "Discovery"-Kommandantin Eileen Collins wollte die Pläne noch einmal mit der Crew besprechen. Robinson soll Nasa-Angaben zufolge zunächst versuchen, die etwa 2,5 Zentimeter langen, aus steifem Keramik-Gewebe bestehenden Füllmaterialstücke herauszuziehen. Schlägt dies fehl, soll ein Säge-ähnliches Gerät zum Einsatz kommen. Ein weiteres Werkzeug, das Robinson und sein japanischer Kollege Soichi Noguchi bei ihrem ersten Außeneinsatz im All am Samstag bereits getestet haben, solle für den Notfall in der Luftschleuse bereitliegen. Die Nasa beurteilte das Risiko der Reparatur-Arbeiten als kontrollierbar. Es sei unwahrscheinlich, dass die Hitzeschildkacheln bei dem Einsatz beschädigt würden, sagte Hale.

Der herabhängende Fugenfüllstoff würde vom Astronauten abgetragen und die Fugen mit neuem Füllstoff ausgekleidet. "Die Astronauten haben speziell zur Reparatur dieser Hitzekacheln einen speziellen Verbundwerkstoff, der hohe Hitzebeständigkeit besitzt und wie eine Spachtelmasse einfach über die Kacheln gestrichen wird", erläutert Sobick.

Am Montag hatten die Astronauten Steve Robinson aus den USA und Soichi Noguchi aus Japan einen neuen Kreiselstabilisator an der Raumstation ISS angebracht. Diese Geräte sichern eine stabile Position der Station, ohne dass dazu ständig die Steuerdüsen aktiviert werden müssen und Treibstoff verbraucht wird.

Die Nasa will eine weitere Katastrophe wie bei der "Columbia" verhindern. Die Raumfähre war am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglüht. Durch ein Loch im Hitzeschild des Shuttles waren extrem heiße Gase eingetreten und hatten zum Auseinanderbrechen der Fähre über dem US-Bundesstaat Texas geführt. Seit dem Unglück hat die Nasa rund eine Milliarde Dollar in die Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen gesteckt und neue Ausrüstung für Reparaturen im All entwickelt.

AP, Reuters AP Reuters

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