Saturnmond Feuchtgebiete auf dem Titan


Am Südpol des Saturnmondes Titan hat die Raumsonde Cassini einen See in der Größe von Rheinland-Pfalz entdeckt. Wasser fließt allerdings nicht auf dem zweitgrößten Mond des Sonnensystems.

Es regnet, Niederschläge sammeln sich und füllen Gruben und Kuhlen zu großen Seen. Ein ganz natürlicher Ablauf - zumindest hier auf der Erde. Nirgendwo sonst im Sonnensystem schien so etwas möglich zu sein. Doch diese Ausnahmestellung ist nun vorbei: Forscher haben auf dem Saturnmond Titan nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa einen See in der Größe von Rheinland-Pfalz entdeckt. Ebenso wurde herausgefunden, dass es auf Titan auch regnet und sich aus Niederschlägen Ströme bilden, die auf der Oberfläche fließen, erklärte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das an dem Forschungsprojekt beteiligt ist. Die Entdeckung wurde mit Hilfe der Raumsonde Cassini gemacht, die den Saturn seit 2004 umkreist.

Anders als auf unserem Heimatplaneten ist es allerdings kein Wasser was da vom Titan-Himmel regnet, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature". "Nahe dem Südpol des Titan haben wir einen See entdeckt, der mit flüssigem Ethan gefüllt ist: In dem See steht gewissermaßen flüssiges Erdgas", sagte Ralf Jaumann vom Berliner DLR-Institut für Planetenforschung.

Gibt es weitere Seen

Das Ethan ist vermischt mit Methan, anderen leichten Kohlenwasserstoffen und Stickstoff. Nur weil auf dem Titan eisige Temperaturen von rund minus 180 Grad Celsius herrschen, kann Ethan dort sowohl flüssig wie auch gasförmig vorliegen.

Der See auf dem Titan habe eine Fläche von ungefähr 20.000 Quadratkilometern, sagte Bob Brown von der Universität von Arizona, der am Cassini-Projekt mitarbeitet. Getauft wurde er "Ontario Lacus", weil er von der Größe und dem Umriss her auch dem Ontariosee in der Nähe der Niagarafälle zwischen Kanada und den USA ähnelt.

Die Atmosphäre des Saturn-Mondes ist so dick, dass sich die Oberfläche mit Kameras nur schlecht studieren lässt. Nur in kleinen atmosphärischen Fenstern im Infrarotbereich, kann man sie untersuchen. So gelang es den Wissenschaftlern den See aufzuspüren, als sie die Oberfläche des Titan mit Infrarotlicht bestrahlten und aus den zurückgeworfenen Lichtstrahlen Schlüsse über die chemische Zusammensetzung zogen. Die Forscher hoffen nun, dass sie auf weitere Gewässer stoßen werden.

Ein spannendes Labor

Der Titan ist mit einem Durchmesser von 5150 Kilometern der zweitgrößte Mond im Sonnensystem. Die Gashülle des Mondes bestehe zu etwa 95 Prozent aus Stickstoff sowie aus Spuren von Methan und Ethan, erklärte die DLR. "Damit ähnelt sie der Erdatmosphäre zu einer Zeit, bevor diese sich vor drei bis Milliarden Jahren durch die Evolution des Lebens zu ändern begann." Der Titan sei damit ein "spannendes Labor", um Prozesse zu untersuchen, die vor drei bis vier Milliarden Jahre auf der Erde abliefen.

Cassini war im Juli 2004 nach einer siebenjährigen Reise über 3,5 Milliarden Kilometer in eine Umlaufbahn um den Saturn eingeschwenkt. Die Raumsonde ist ein US-europäisches Gemeinschaftsprojekt von Nasa und der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa.

nis/AFP AFP

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