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Space-Shuttle: "Atlantis" muss länger im All bleiben

Es begann alles erfolgreich: Die Astronauten der "Atlantis" brachten das neue Sonnensegel an der ISS an. Doch nun muss der Einsatz verlängert werden. Der Grund: ein Defekt an der Außenhaut des Shuttle. Die Nasa hat bereits Erfahrung damit.

Einen Tag nach dem Andocken der amerikanischen Raumfähre "Atlantis" an der ISS haben Jim Reilly und Danny Olivas erfolgreich den ersten Außeneinsatz absolviert und das 17,5 Tonnen schwere Segment mit den Solarpanelen mit Hilfe eines Roboterarmes an der ISS angebracht. Während der 6 Stunden und 15 Minuten im All verbanden sie dann unter anderem die elektrischen Anschlüsse und Datenkabel der neuen Sonnensegel mit der Raumstation. Sie schlossen nach Angaben der Nasa außerdem das Kühlsystem an. Die Installation der Leitungen soll erst bei einem weiteren "Weltraumspaziergang" am 13. Juni abgeschlossen werden.

Der Einsatz war für Reilly bereits der vierte Arbeitsgang im Weltraum. Für Olivas war es jedoch eine Premiere. Der Ausstieg ins All begann mit einstündiger Verspätung erst um 22.03 Uhr MESZ, weil mehrere Gyroskope zur Stabilisierung der Raumstation nach Angaben der Nasa zunächst nicht richtig funktionierten. Deshalb wurde zusätzlich die angedockte Raumfähre "Atlantis" zur Orientierung der ISS eingesetzt.

Der All-Ausflug wird verlängert

Die "Atlantis" wird zwei Tage länger im All bleiben als ursprünglich vorgesehen. Damit verlängert sich die Dauer der Reise auf 13 Tage. Es werde nicht befürchtet, dass es für die Astronaten beim Wiedereintritt der Raumfähre in die Erdatmosphäre zu Risiken kommen könnte, sagte Nasa-Projektleiter John Shannon im Kontrollzentrum in Houston in Texas. Die Raumfahrtbehörde habe einen zusätzlichen vierten Außeneinsatz im All eingeplant, um unter anderem die Beschädigung an einer Isoliermatte am oberen Heck der "Atlantis" zu beheben.

Nach den Worten von Shannon gab es den Wunsch nach einer Flugverlängerung bereits vor dem Start am 8. Juni. Durch die beiden zusätzlichen Tage könnten noch weitere Arbeiten beim Ausbau der ISS erledigt werden. Die Nasa ist in diesem Jahr in Verzug geraten, weil ein für Mitte März geplanter Start der "Atlantis" wegen der Beschädigung des Außentanks bei einem Hagelsturm gestrichen werden musste. Die "Atlantis" soll jetzt am 21. Juni um 13.54 Uhr Ortszeit (19.54 MESZ) auf dem Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida landen.

An der beschädigten Stelle ist eine zehn mal 15 Zentimeter große Ecke umgeknickt. Sie steht jetzt wie ein Dreieck nach oben. Durch die starken Reibungskräfte beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre würde an diesem hervorstehenden Stück zusätzliche Hitze entstehen.

Alle Risiken vermeiden

Die Nasa will aber alle Risiken und mögliche Beschädigungen vermeiden, weil die "Atlantis" im Dezember das europäische Weltraumlabor "Columbus" zur ISS fliegen soll. Die hervorstehende Ecke kann nach den Worten von Shannon herunter gedrückt und dann mit einem Metallfaden angenäht oder mit Spezialklebstoff festgeklebt werden.

Die US-Raumfähre "Columbia" war 2003 wegen eines Defekts im Hitzeschutzschild beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre explodiert. Alle sieben Astronauten an Bord kamen damals ums Leben.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters