HOME

Archäologie: Mord am Hofe Medici

Woran starben Pico Mirandola und sein Liebhaber Agnolo Ambrogini? 500 Jahre lang gab es über die Todesursache des italienischen Philosophen und seines Dichterfreundes nur Gerüchte, nun konnte der Fall durch moderne Forensik gelöst werden.

Von Angelika Franz

Der Philosoph Giovanni Pico della Mirandola und der Dichter Agnolo Ambrogini waren ein Liebespaar. Beide starben in Florenz binnen nur weniger Wochen im Herbst des Jahres 1494. Erst Agnolo, besser bekannt als Poliziano, dann Pico. Doch es war keine romantische Todessehnsucht, die Pico seinem neun Jahre älteren Geliebten folgen ließ. Auch nicht die Syphilis, wie lange vermutet wurde. Die beiden Geistesgrößen der Renaissance wurden ermordet. Mit Arsen vergiftet. Das fand eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universitäten Bologna, Pisa und Lecce bei einer Exhumierung und Analyse der Gebeine von Pico und Poliziano heraus. Damit kann ein Mordfall, über den es 500 Jahre lang nur Gerüchte gab, nun endgültig zu den Akten gelegt werden.

Tödlicher Cocktail aus Arsen, Quecksilber und Blei

Die Forensiker um Silvano Vinceti, Leiter des itaienischen Nationalkommittees für die Auswertung historischer und kultureller Bestände, fanden neben hohen Dosen Arsen in Picos Gewebe und Fingernägeln auch besorgniserregend viel Quecksilber und Blei. Es bleibt die Frage, wer die beiden so sehr hasste, dass er ihnen nach dem Leben trachtete?

"Wenn wir die Ergebnisse unserer Analysen und neu entdeckte historische Dokumente im Zusammenhang betrachten, ist der Hauptverdächtige kein geringerer als Piero de Medici", mutmaßt Vinceti gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Die Hände hat der Sohn des großen Lorenzo de Medici sich allerdings nicht selber schmutzig gemacht: "Ausgeführt hat den Mord wohl sein Sekretär Cristoforo da Calamaggiore."

Vom Papst als häretisch verurteilt

Wie konnte es dazu kommen? Einst standen Pico und Poliziano hoch in der Gunst der Medici-Familie. Als Pico 1483 nach Florenz kam, begeisterte sich Lorenzo sofort für den charismatischen Philosophen, der eine Vermischung platonischer Ideen mit kabbalistischen Lehren predigte. Geradezu radikal war seine Theorie, dass zwischen allen philosophischen und religiösen Systemen eine grundlegende Übereinstimmung herrschte. Um das zu beweisen, verfasste er 900 Thesen, die er öffentlich zur Diskussion stellen wollte. Doch bevor es dazu kam, schritt Papst Innozenz VIII. ein und verurteilte 13 dieser Thesen als häretisch. Erst nach Picos Tod veröffentlichte sein Neffe Gianfrancesco zumindest die Einleitungsrede zu dieser Schrift mit dem Titel "Über die Würde des Menschen". Lorenzo allerdings störte dieser Disput mit dem Pontifex Maximus wenig. Und auch Poliziano stand hoch bei ihm im Kurs. Er vertraute ihm seine eigenen Söhne an, damit sich der Dichter um deren Erziehung kümmere. 1480 schon hatte er den Lehrstuhl für griechische und lateinische Literatur an der Universität Florenz erhalten, dessen Ruhm bald Studenten aus ganz Europa an den Arno führte.

Nach dem Tode Lorenzos jedoch wandte sich das Blatt. Pico freundete sich mit dem fanatischen Dominikaner Girolamo Savonarola an, der mit glühendem Hass gegen das ausschweifende Leben und die Verwahrlosung der Sitten am Hofe Medici predigte. Piero begann, seinem Lehrer und dem einstigen Freund seines Vaters hinterher zu spionieren. Und irgendwann gab er seinem Sekretär die entscheidende Order. "Calamaggiore gab sogar ganz öffentlich zu, dem kranken Pico 'Medizin' gegeben zu haben," erzählt Silvano Vinceti. Am 17 November 1494 erlag der einst gefeierte Philosoph dem Giftanschlag. Er folgte seinem bereits am 29. September verstorbenen Freund in die Gruft des Klosters San Marco.

Riesengehirn und Hammerzehen

Die Untersuchungen von Vincetis Team brachten jedoch nicht nur die Todesursache, sondern auch interessante Details aus dem Leben von Pico und Poliziano ans Tageslicht. Pico muss ein stattlicher Mann gewesen sein, mit einer Körpergröße von über 1,80 Metern. Riesig war vor allem sein Kopf. Sein Hirnvolumen betrug 1,768 Kubikzentimeter - durchschnittliche Menschen bringen es gerade einmal auf 1,450 Kubikzentimeter. Die Körpergröße und vor allem sein Körpergewicht aber machten ihm das Leben schwer. Pico litt, stellte Vinceti fest, an Hammerzehen und schon im Alter von 31 Jahren an chronisch entzündeten Gelenken. Die beiden Liebhaber waren ein ungleiches Paar. Poliziano muss neben seinem Freund wie ein Zwerg ausgesehen haben. Er brachte es gerade einmal auf 1,50 Meter. Außerdem hatte er eine Hakennase und einen steifen Hals.

Auch wenn die Mörder nach 500 Jahren nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, können Pico und Poliziano nun vielleicht friedlicher ruhen.Im Februar wurden ihre Gebeine feierlich wieder an ihre ursprüngliche Ruhestätte im Kloster San Marco gebettet.

Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.