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Kieler Forscher: Methusalem-Gen auf der Spur

Hundert Kerzen auf dem Geburtstagskuchen? Wem auf dem Weg dorthin nicht die Puste ausgeht, der hat wahrscheinlich ein Langlebigkeits-Gen. Wie Kieler Forscher herausfanden, tritt eine Variation in einem bestimmten Gen auffällig oft bei sehr alten Menschen über 100 Jahren auf - und das weltweit.

Warum altern Menschen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Kieler "Forschungsgruppe Gesundes Altern"

Warum altern Menschen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Kieler "Forschungsgruppe Gesundes Altern"

Eine Variation in dem Gen FOXO3A beeinflusse vermutlich positiv die Lebenserwartung, berichten die Forscher um Stefan Schreiber von der Universität Kiel. Die Wissenschaftler hatten die DNA-Proben von 388 hundertjährigen Deutschen mit denen von 731 jüngeren Menschen verglichen.

Amerikanische Forscher hatten bereits im September 2008 berichtet, dass die gefundene Genvariante bei sehr alten amerikanischen Männern japanischer Herkunft häufig vorkommt. Doch Untersuchungen bei anderen Bevölkerungsgruppen fehlten. Mit der deutschen Stichprobe und mit weiteren Untersuchungen in Frankreich sei der Zusammenhang zwischen FOXO3A und Langlebigkeit nunmehr bestätigt und auch für Frauen festgestellt worden, schreiben die Forscher in dem Fachmagazin "PNAS".

FOXO3A ist für die genetische Altersforschung von großem Interesse, seit es in den 90er-Jahren in Wurm und Fliege als altersrelevant beschrieben wurde.

Bedeutender Fund

Dieser Befund sei von besonderer Bedeutung, weil Japaner und Europäer genetisch relativ unterschiedlich sind, erläuterte die Leiterin der Kieler Forschungsgruppe "Gesundes Altern", Professorin Almut Nebel. "Jetzt können wir davon ausgehen, dass dieses Gen für das Erreichen eines hohen Alters wahrscheinlich weltweit eine Rolle spielt."

Nicht gerade einfach sei es, für solch eine Studie hochbejahrte Teilnehmer zu gewinnen, insbesondere 100-Jährige, schildert Friederike Flachsbart vom Institut für Klinische Molekularbiologie der Universität Kiel. Neunzigjährige Teilnehmer sind für die Forschung aber fast noch zu jung. Denn: "Interessanterweise sind die genetischen Effekte bei 100-jährigen Menschen deutlicher zu sehen als bei 90-jährigen", sagt Flachsbart.

Für ihre Untersuchungen nutzten die Kieler Forscher daher die schleswig-holsteinische Biodatenbank Popgen, die zurzeit mehr als 660 Erbgutproben von 100-Jährigen enthält. So kann das Institut auf eine der weltweit größten DNA-Sammlungen sehr alter Probanden zugreifen.

DPA / DPA
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