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Stammzellenforschung: Menschliche Embryonen können geklont werden

US-Wissenschaftlern ist nach eigenen Angaben ein Meilenstein in der Stammzellforschung gelungen: menschliche embryonale Stammzellen - hergestellt per Klontechnik. Andere Experten reagieren skeptisch.

Forscher in den USA haben nach eigenen Angaben erstmals menschliche Klon-Embryonen hergestellt und daraus Stammzellen gewonnen. Sie nutzten dazu ein Verfahren, das auch zum Klonschaf Dolly führte, möchten aber ausdrücklich keine Klonmenschen herstellen. Die neuen Zellen könnten theoretisch jedoch in jede beliebige Art von Körperzellen transformiert werden - und so künftig einmal kranke oder verletzte Zellen ersetzen.

Die Forscher der Oregon Health & Science University in Portland sprachen am Mittwoch von einem Durchbruch. Man sei der Heilung von Krankheiten wie Parkinson, Multipler Sklerose, Herzkrankheiten und von Verletzungen des Rückenmarks deutlich näher gerückt.

Der renommierte Bonner Stammzellforscher Oliver Brüstle reagierte dagegen verhalten und warnte "vor zu viel Hype". "Ich bin skeptisch, ob uns das im therapeutischen Bereich weiterbringt", sagte er am Donnerstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Es handele sich um einen grundlagenwissenschaftlichen Befund.

Forschungen werfen ethische Fragen auf

Auch ethisch seien solche Forschungen problematisch. Es stehe die Frage im Raum: "Dürfen solche 'Forschungsembryonen' hergestellt werden?" Das jetzt veröffentlichte Experiment "wäre in Deutschland verboten durch das Embryonenschutzgesetz", betonte der Wissenschaftler.

Für das reproduktive Klonen, also das Kopieren von Menschen, tauge die Methode nicht, betonen die Forscher aus den USA - die vermutlich mit einer neuen ethischen Debatte gerechnet haben. Obwohl es seit Jahren versucht werde, sei es zudem noch nicht einmal gelungen, einen Affen zu klonen.

Das Verfahren klingt simpel, dennoch scheiterten in den vergangenen Jahren Forscherteams auf der ganzen Welt daran, es bei menschlichen Zellen anzuwenden: Die Wissenschaftler in Oregon hatten Zellkerne aus Hautzellen entnommen und einer Eizelle eingepflanzt, aus der die Erbinformation zuvor entfernt worden war. Aus der neuen Zelle entwickelte sich eine sogenannte Blastozyste, von der embryonale Stammzellen entnommen werden können.

Das angewandte Verfahren wurde optimiert

Die Technik beschreiben sie detailliert im Fachblatt "Cell" (online). Die Eizelle musste für den Kerntransfer bei einem ganz bestimmten Entwicklungsstadium gestoppt werden, der sogenannten Metaphase. Zudem nutzten die Forscher während des Verfahrens eine koffeinhaltige Lösung.

"Eine gründliche Untersuchung der durch diese Methoden gewonnenen Stammzellen hat ihre Fähigkeit, sich wie normale embryonale Stammzellen in viele andere Zellarten zu verwandeln, bestätigt", sagte Forschungsleiter Shoukhrat Mitalipov laut Mitteilung. Sie könnten Nerven-, Leber-, Herz- und andere Zellen ersetzen. "Darüber hinaus gibt es kaum die Gefahr, dass der Körper die mit seiner eigenen Erbinformation geschaffenen Zellen abstößt."

Die Experimente in den USA ähneln einem Ansatz, mit dem vor fast zehn Jahren der südkoreanische Stammzellforscher Hwang Woo Suk für großes Aufsehen sorgte. Seine Ergebnisse stellten sich im Nachhinein jedoch als gefälscht heraus. Nach Angaben von Brüstle haben die Forscher in den USA jetzt das angewandte Verfahren optimiert.

Nach Dolly Euphorie in der Forscherszene

Nach dem Klonschaf Dolly, das 1997 der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde, hatte sich zum einen eine Euphorie in der Forscherszene breitgemacht. Zum anderen war aber immer davor gewarnt worden, ethische Grenzen zu überschreiten und "Gott zu spielen".

Der stellvertretende forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, René Röspel, erklärte in einer Mitteilung: "Wir setzen auf eine starke Unterstützung der Stammzellforschung jenseits der gezielten Herstellung von embryonalen Stammzelllinien aus geklonten Embryonen." Berichte über Heilungschancen dank Fortschritten in der Grundlagenforschung helfen nur "Scharlatanen und Kriminellen", wie der Politiker betonte.

Von Simone Humml und Silvia Kusidlo, DPA / DPA